Corona-Pandemie: Kommen die neuen Beatmungsgeräte rechtzeitig? – Top Meldungen

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Bayern hat 1.200 Beatmungsgeräte bestellt, der Bund insgesamt 10.000. Auffällig ist: Die Behörden geben derzeit wenig Auskunft darüber, ob die Geräte rechtzeitig in die Krankenhäuser gelangen und ob sie ausreichen.

Es ist der 10. März, als der Krisenstab der Bundesregierung beschließt, die Beatmungskapazitäten in der Bundesrepublik zu erhöhen. Kurz danach bestellt die Bundesregierung dafür 10.000 Beatmungsgeräte bei der Lübecker Medizingerätefirma Drägerwerk. Diese sind bei der Behandlung der Lungenkrankheit Covid-19 essentiell.

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Doch seit Mitte März hört man wenig über konkrete Lieferdaten und auch nichts darüber, ob die Hersteller über die entsprechenden Produktions- und Lieferkapazitäten verfügen.

Laut der Bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml befinden sich (Stand 30. März) insgesamt 541 Menschen mit Covid-19-Erkrankung zur Behandlung auf Intensivstationen in Bayern. Die Bayerische Krankenhausgesellschaft teilt mit, es gebe in Bayern rund 4.000 Intensivbetten. Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Markus Söder hatten sich angesichts der Corona-Pandemie auf eine Verdoppelung der Intensivplätze verständigt. Für Bayern würde das bedeuten, dass insgesamt 8.000 Betten zur Verfügung stehen sollten.

Zusätzlich zum Ausbau der Intensivplätze hatte die bayerische Staatsregierung bereits einen Tag, nachdem sie den Katastrophenfall ausgerufen hatte, beschlossen, eine ganze Reihe von Maßnahmen umzusetzen, darunter auch eine Meldepflicht für Beatmungsgeräte. Wörtlich heißt es im Kabinettsbeschluss vom 17. März:

Ministerpräsident Söder erklärte daraufhin, dass in “unzähliger Zahl Beatmungsgeräte in Bayern in privaten Praxen vorhanden“ seien und man diese notfalls beschlagnahmen lasse. Bei diesen Geräten handelt es sich sowohl um stillgelegte Geräte als auch um solche, die bei Praxen oder Rettungsdiensten in Gebrauch sind. Stefan Dräger, Chef der Medizintechnikfrima Drägerwerke, sagte dem “Spiegel”, dass man “in Deutschland 5.000 Geräte aus dieser Reserve mobilisieren könnte.”

In der Pressekonferenz vom 30. März hatte Melanie Huml davon gesprochen, dass die ersten 87 Beatmungsgeräte in Bayern angekommen seinen. Wann die restlichen bestellten Geräte geliefert werden, ob diese rechtzeitig einsatzbereit sind und auch wie hoch der Bestand an Beatmungsgeräten in niedergelassenen Arztpraxen ist – all diese Fragen blieben vom Gesundheitsministerium unbeantwortet.

Die Opposition im Bund kritisiert die ZUrückhaltung der Behörden in Bezug auf die Frage, ob die Geräte rechtzeitig zur Behandlung von Corona-Patienten einsatzbereit sein werden.

Per schriftlicher Anfrage wollte der baden-württembergische FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann vom Bundesgesundheitsministerium wissen, wie viele der bestellten Geräte pro Monat bis Ende des Jahres ausgeliefert werden sollen. Über die Antwort des Ministeriums hatte zuerst die Zeitung “Die Welt” berichtet. BR24 liegen Anfrage und Antwort ebenfalls vor.

Die Antwort des Ministeriums ist kurz. Darin heißt es lediglich, die Beatmungsgeräte seien bestellt und würden “sukzessive, nach Produktionsstand, ausgeliefert”. Konkreter geht das Gesundheitsministerium weder auf die Fragen des Abgeordneten Hoffmann noch auf eine Nachfrage von BR24 ein.

Christoph Hoffmann bezeichnet das Schreiben als “Nicht-Antwort” und vermutet, dass die Bundesregierung dadurch die Öffentlichkeit beruhigen wolle. Man möchte, meint Hoffmann gegenüber “Die Welt”, den “Eindruck erwecken, dass die Geräte bald zur Verfügung stehen würden.”

Das Unternehmen Drägerwerk, das die bestellten 10.000 Geräte liefern soll, ist der weltweit größte Hersteller von Beatmungsgeräten. Seit Bekanntwerden des umfassenden Auftrags der Bundesregierung verdoppelte sich der Aktienkurs des Unternehmens. In mehreren Interviews sprach der Leiter des Werkes, Stefan Dräger, von einer anhaltenden Nachfrage – diese sei Anfang des Jahres vor allem aus China gekommen, heute aus Deutschland.

Im Interview mit “Der Spiegel” sagte Dräger, dass “der Auftrag einen detaillierten Lieferplan” umfasse, “der sich über das ganze Jahr erstreckt”. Dräger fügt hinzu, dass “die ersten Geräte jetzt fertig” seien. Wie dieser detaillierte Plan aussieht, erläutert Dräger ebensowenig wie das Bundesgesundheitsministerium es auf die BR24-Anfrage hin tut.

Unklar ist also, wie viele Beatmungsgeräte es in Bayern und Deutschland genau gibt. Das statistische Bundesamt geht von 28.031 Intensivbetten in Deutschland aus – die Mehrzahl davon soll über Beatmungsgeräte verfügen, laut Deutschlandfunk sollen es 25.000 sein.

Noch gebe es Kapazitäten bei Intensivbetten in Bayern, sagte die bayerische Gesundheitsministerium Melanie Huml in der Pressekonferenz am 30. März. Die Schwerpunktgebiete in Bayern könnten bei Überbelastung Covid-19-Erkrankte auf benachbarte Krankenhäuser verteilen.

Aktuell gehen Virologen und Epidemiologen davon aus, dass eine größere Infektionswelle nach den Osterferien zwischen Mai und September zu erwarten ist.

Zugleich weisen Experten darauf hin, dass zusätzlich zu den benötigten Beatmungsgeräten auch Beatmungsschläuche und Masken in hoher Anzahl benötigt werden. Diese Teile werden, wie Unternehmer Dräger unterstreicht, in Ländern wie der Türkei oder China produziert. Entsprechend abhängig sei man von den ausländischen Produktionsmöglichkeiten und Lieferketten.

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