Corona-Pandemie: Was Isolation mit dem Immunsystem macht – Top Meldungen

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Ausgangsbeschränkungen, Homeoffice und nur kurze Spaziergänge draußen: Die Maßnahmen der letzten Tage kommen einem großen Isolationsexperiment gleich. Aus der Weltraumforschung weiß man, dass das Auswirkungen auf das Immunsystem haben kann.

Für Astronautinnen und Astronauten, die zur Internationalen Raumstation fliegen, beginnt mit dem Start ihrer Rakete eine spannende, aber auch etwas einsame Zeit: Wochen oder Monate verbringen sie auf der ISS. Dort sind im Höchstfall fünf andere Menschen, mit denen man seinen Alltag teilt.

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Auch auf Polarstationen, zum Beispiel in der Antarktis auf der Neumayer-Station III, verbringen Forscherinnen und Forscher viele Monate in Isolation – selbst gewählt. Sie überwintern, darum nennt man sie auch “Überwinterer”. Kann man von ihren Erfahrungen profitieren, wenn man sich nun wegen der Corona-Pandemie freiwillig in Isolation begibt oder wegen der Ausgangsbeschränkungen weniger das Haus verlässt?

Wer sich in eine selbst gewählte Isolation auf einer Polarstation auf der Antarktis einlässt, beginnt seinen Aufenthalt im November, im antarktischen Sommer. Los geht es für diese Überwinterer ziemlich geschäftig, sagt der Anästhesist und Stressforscher Alexander Choukèr von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Doch dann ist die Aufregung auf einmal vorbei:

Obwohl die Überwinterer, genau wie Astronauten auch, auf ihre Missionen akribisch vorbereitet werden, kann keiner vorhersagen, wie genau jeder und jede Einzelne nun auf die monatelange Isolation reagiert. Man kann man sich natürlich vorstellen, dass es vor allem auf der psychischen Ebene viele mögliche Reaktionen gibt: Lagerkoller, depressive Stimmung, Antriebslosigkeit, um nur ein paar wenige zu nennen.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wenn wir wegen des Coronavirus dauerhaft zu unserer Familie und Freunden nur über Videotelefon Kontakt halten können, schlägt das auf die Stimmung. Doch Alexander Choukèr konnte zeigen, dass eine lange Isolation auch Auswirkungen auf unserer körpereigenen Abwehr, das Immunsystem, hat.

Je länger die Isolation andauert, desto ausgeprägter sind die Allergien dann auch. Überraschend dabei: Diese Allergien brechen nicht etwa während der Isolation aus, sondern erst, wenn man wieder zurück ist. Das konnte Alexander Choukèr sowohl bei den Überwinterern als auch bei den Astronauten beobachten.

Diese haben zum Teil noch monatelang juckende Hautrötungen, wenn sie wieder auf der Erde sind. Das Immunsystem scheint auf den Stress der Isolation wie ein gespannter Bogen zu reagieren – und wenn dann zurück daheim irgendein ein Auslöser kommt, dann lässt er los.

Was könnte der Grund für dieses überaktive Immunsystem sein? Ganz genau kann Alexander Choukèr das nicht sagen. Es könnte aber zum Beispiel daran liegen, dass auf so einer Station, ob im All oder auf der Antarktis, das Immunsystem mit sehr wenigen Keimen in Kontakt kommt. Und dann zu wenig zu tun hat und eine Allergie entwickelt. Darüber hinaus verändert der Stress den Hormonhaushalt im Körper.

Was kann man dagegen tun? Ein Tipp ist für die meisten in Deutschland trotz Coronakrise gut umzusetzen, im Gegensatz zu den Astronauten oder Überwinterern: Regelmäßig raus gehen an die frische Luft. Die ist ja nicht steril, nicht sauber. Sie ist genau dreckig genug, damit unser Immunsystem etwas zu arbeiten hat und nicht auf dumme Gedanken kommt.

Und wer mag, kann sich draußen auch gleich noch sportlich betätigen. Joggen, Radfahren oder spazieren gehen, mit genügend Abstand zu anderen. Denn mit Sport baut der Körper Stresshormone wie Cortisol ab. Die können nämlich auf Dauer zu einer Beeinträchtigung der Stimmung führen, im schlimmsten Fall auch zu Depressionen.

In der häuslichen Isolation oder im Homeoffice bewegen wir uns auch weniger als sonst, das kennen auch Astronauten oder Überwinterer. Vor allem ältere Menschen laufen dann schnell Gefahr, viel Muskelmasse zu verlieren.

Doch man kann sich mit den Plänen für die viele Zeit zu Hause auch wieder stressen, sagt die psychologische Psychotherapeutin Susanne Berwanger aus München.

Ihr Tipp: sich lieber kleine Schritte vornehmen, nur einmal die Woche Workout machen oder einfach gar keine neue Sprache lernen. Vielen reicht es schon aus, wenn sie nur ihren Tag strukturieren, sich etwas Gutes kochen und regelmäßig spazieren gehen. Denn gerade ein geregelter Tagesablauf kann helfen, mit der neuen Situation besser umzugehen.

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