Corona: Reisegutscheine sollen Tourismusbranche retten – Top Meldungen

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Die Bundesregierung prüft, ob Kunden stornierter Pauschalreisen Gutscheine statt Geld bekommen sollen. Diese Gutscheine wären aber wertlos, falls der Reiseanbieter doch noch insolvent wird. Verbraucherzentralen lehnen den Vorschlag deshalb ab.

Eine weltweite Reisewarnung, Flugverbote und Grenzschließungen haben unzählige Urlaubspläne zerstört. Wer eine solche Reise schon gebucht hat, soll einen Gutschein für einen späteren Urlaub bekommen – nach der Corona-Krise. Das schlagen die Tourismusbranche und die Bundesregierung vor. Viele Unternehmen könnten die hohen Stornokosten derzeit nicht aufbringen und sind akut bedroht. Diese Regelung würde aber zu Lasten der Verbraucher gehen.

Anwälte und Verbraucherzentralen weisen deshalb darauf hin, dass ein Gutschein keine Garantie dafür bietet, dass am Ende eine Reise auch wirklich stattfindet. Der Anbieter könnte trotzdem noch Pleite durch die Pandemie gehen. Aus Sicht der Kunden ist es sicherer, sein Geld zurück zu verlangen, um später komplett neu zu buchen. Ob das noch möglich ist, entscheidet der Gesetzgeber. Das Bundeswirtschaftsministerium will eine Rechtsänderung, mit der Reisekunden Gutscheine statt Geld akzeptieren müssten. In anderen europäischen Ländern ist das der Fall. Dort sichert der Staat aber die Gutscheine ab. Eine solche Sicherung fordert die Reisebranche von der Bundesregierung.

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Umgekehrt stellt sich für viele Urlauber die Frage, ob sie sich derzeit auf einen neuen Reisetermin überhaupt einlassen wollen, wo die Lage doch so unklar ist. Schon deswegen ziehen viele Verbraucher eine Stornierung und Rückzahlung vor. Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) verlangt bei Pauschalreisen eine schnelle, faire und sichere Klarstellung. Statt sich mit Gutscheinen zu verzetteln, müsse die Bundesregierung einen Absicherungsfonds für alle schaffen.

Die Verbraucher sollten laut Müller ihre Vorauszahlungen zurückerstattet bekommen. Wenn der Staat die Kosten dafür übernimmt, könnten die Reiseunternehmen in dieser schwierigen Situation liquide bleiben. Im aktuellen Nachtragshaushalt des Bundes von dieser Woche ist ein solcher Fonds für die Touristikbranche noch nicht vorgesehen.

Der Deutsche Reiseverband DRV fordert die Bundesregierung auf, die Stornierungen von Reisen, die aufgrund der weltweiten Reisewarnung erforderlich geworden sind, schnell und unbürokratisch auszugleichen: “In einem ersten Schritt könnte auf die Barauszahlung der bereits entrichteten Reisepreise an die Kunden verzichtet und stattdessen eine Reisegutschrift ausgestellt werden. Diese muss im Sinne der Verbraucher zwingend mit einer staatlichen Garantie abgesichert werden. In diesem Zusammenhang benötigen wir schnellstmöglich Rechtssicherheit, denn das geltende Reiserecht sieht diese Lösung nicht vor.”

Italien, Frankreich, Belgien und die Niederlande haben dem DRV zufolge längst eine solche Lösung geschaffen: “Wir brauchen wirklich schnellstmöglich ein Ergebnis.” Auch der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft BTW appellierte an Angela Merkel und ihre Minister. Seit mehr als vier Wochen würden die gebuchten Reisen der Zukunft nun schon rückabgewickelt. Hinzukomme die Tatsache, dass das Neugeschäft in allen Bereichen der Branche komplett zum Erliegen gekommen sei.

Erst im September erlebte die Touristikbranche mit dem Reisekonzern Thomas Cook ihre bisher größte Firmenpleite in Deutschland. Nach monatelangen Verhandlungen mit Verbraucherschützern erklärte die Bundesregierung sich bereit, die Kosten für die ausgefallenen Pauschalreisen von Thomas Cook zum Teil zu übernehmen. Der Versicherungsschutz durch den Anbieter, der bei Pauschalreisen nach EU-Recht vorgeschrieben ist, war vollkommen unzureichend.

Das war seit Jahren bekannt und ist auch bei TUI und DER ein Problem, den derzeit größten Reisekonzernen, die in Deutschland tätig sind. Um die Kosten einer Versicherung zu sparen, gaben beide füreinander eine Patronatserklärung ab, um sich gegenseitig vor Ausfallrisiken zu schützen. Es besteht daher die Gefahr, dass beide im Notfall zusammen untergehen. Die Finanzaufsicht BaFin ist mit dieser Lösung nicht mehr zufrieden und verlangt, dass TUI bis zum 28. April einen Kundengeld-Versicherer findet. Sonst darf der Konzern in Deutschland keine Pauschalreisen mehr verkaufen.

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