Corona-Studie in München startet am Wochenende – Top Meldungen

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Wie viele Menschen sind am Corona-Virus infiziert, ohne Symptome zu zeigen? Wie hoch ist die Dunkelziffer bei den Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2? Die Münchner Kohorte soll dazu valide Zahlen liefern – ab Sonntag.

Wenn Sie in München leben, könnte es sein, dass demnächst Mitarbeiter des Tropeninstituts in Begleitung der Polizei an Ihrer Tür klingeln und ein bisschen Blut von Ihnen haben wollen. Denn in München startet am Sonntag eine Studie, um mehr über die Verbreitung des neuen Coronavirus und die Dunkelziffer an Infektionen zu erfahren.

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Vom 5. April an sollen in den folgenden vier Wochen Blutproben aus 3.000 zufällig ausgewählten Haushalten in München auf Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet werden. Rund 4.500 Personen hoffen die Forscher damit zu untersuchen. Ausgewählt werden die Haushalte dabei randomisiert: Ein Computer wählt aus, wo die Studienmitarbeiter als nächstes klingeln.

Denn nach wie vor fehlen belastbare Zahlen darüber, wie sich das Virus, das die schwere Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, verbreitet. Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte in der Pressekonferenz zum Start der Studie, man müsse das Coronavirus und seine Verbreitung erst besser verstehen, um darauf mit den richtigen Maßnahmen reagieren zu können, das gehe aber nur auf Basis von Zahlen und Datenanalysen.

Zudem vermuten Virologen, dass viele Menschen gar keine Symptome zeigen und daher auch nie auf das Virus getestet wurden, obwohl sie sich mit SARS-CoV-2 angesteckt haben und infektiös sind oder waren. Diese Dunkelziffer könnte zwischen einem und zehn Prozent der Bevölkerung betragen, erläutert Prof. Michael Hoelscher, Leiter der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum der Universität München (LMU), der die neue Studie leitet.

Bei einer epidemologischen Kohortenstudie wie dieser wird eine Bevölkerungsgruppe mit einer bestimmten gemeinsamen Eigenschaft – in diesem Fall “in München lebend” (in Abgrenzung etwa zur Kohortenstudie in Heinsberg) – über einen längeren Zeitraum hin beobachtet. Die Münchner Kohorte soll im Verlauf von einem Jahr immer wieder in regelmäßigen Abständen untersucht und befragt werden, um mehr über den Verlauf der Epidemie zu erfahren.

Etwa drei Milliliter Blut werden bei der Probenentnahme jeweils abgenommen und dann auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 getestet. So werden auch Personen gefunden, die vermutlich immun gegen das Coronavirus sind – entweder, weil sie die Krankheit überwunden haben, oder weil sie gar nicht erkrankten.

Um zu vermeiden, dass Betrüger die laufende Studie für Übergriffe auf die Bevölkerung ausnutzen, kommen die Mitarbeiter der Kohortenstudie immer in Begleitung der Polizei.

Mitmachen kann nur, wen der Computer zufällig für die Studie ausgewählt hat. Also erst, wenn die Forscher an Ihrer Tür klingeln, haben Sie die Wahl. Das ist wichtig, damit aus der Studie später auch allgemein gültige Aussagen abgeleitet werden können.

In Heinsberg in Nordrhein-Westfalen wird gerade ebenfalls eine solche Kohortenstudie durchgeführt, die der an der Bonner Uniklinik tätige Virologe Hendrik Streeck begleitet und ausführlich schildert:

Zwischen Heinsberg und München gibt es jedoch einen wesentlichen Unterschied: In Heinsberg war es vermutlich ein Einzelereignis, eine Karnevalssitzung, die zur schnellen Verbreitung von SARS-CoV-2 führte und den Ort zu einem Corona-Hotspot machte. In München dagegen lässt sich die Verbreitung des Virus nicht auf ein solches Einzelereignis zurückführen, es kam stattdessen zu punktuellen Einträgen. Die Ergebnisse der Münchner Kohorte seien daher besser hochzurechnen, zumindest für den Verbreitungsweg der Epidemie in einer Stadt, so Hoelscher von der Münchner LMU.

Denkbar sei auch, die aktuelle Studie anschließend weiter auszudehnen, um verschiedene Regionen, unterschiedliche Hotspots – etwa Tirschenreuth – und damit den Verlauf der Epidemie unter unterschiedlichen Gegebenheiten besser zu verstehen.

Parallel zur Kohortenstudie in 3.000 Münchner Haushalten führt das Tropeninstitut seit dem 2. April noch eine zweite Studie in München durch: Dabei werden hundert Mitarbeitende aus Krankenhäusern, die mit SARS-CoV-2 infiziert sind und in häuslicher Quarantäne sind, engmaschig untersucht. Regelmäßige Antikörper-Tests sowie fortlaufende Befragungen der Infizierten und ihres näheren Umfelds sollen vor allem Antwort auf die Frage geben, wie der menschliche Körper auf das neue Coronavirus reagiert: Wie schnell bilden sich Antikörper, welche Symptome stellen sich wann ein, wie infektiös ist das Virus?

Eines ist den Forschern klar: Auch die Wissenschaft steckt erst am Anfang der Corona-Epidemie. Doch um diese Epidemie besser zu begreifen und wirkungsvoller gegen sie vorgehen zu können, sind viel mehr Daten erforderlich.

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