Darum sorgt Carl Spitzwegs “Justitia” für Schlagzeilen – Top News

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Und gleich zum Auftakt hatte Neumeister ein besonderes, aber auch umstrittenes Los im Angebot.

Es geht um ein Gemälde des Malers Carl Spitzweg mit dem Titel “Das Auge des Gesetzes (Justitia)” aus dem Jahr 1857.

Einmal mehr zeigt Spitzweg auf dem Bild eine satirische Szene, sehr viel böser, als auf den ersten Blick erkennbar.

Zu sehen ist eine etwas verwitterte Skulptur der Göttin der Gerechtigkeit, deren Augenbinde allerdings verrutscht ist, so dass sie keineswegs in der Lage ist, unparteiisch zu urteilen.

Vielmehr blinzelt sie recht deutlich den Betrachter an und damit wohl auch Kläger und Beklagten.

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Das Schwert und die leicht ramponierte Waage hält sie betont lässig in den Händen, während ein augenscheinlich wenig motivierter Soldat grimmig um eine Hausecke linst, allzeit bereit, dem Verfahren auf seine Weise “nachzuhelfen”.

Schließlich fand es von 1961 bis 2006 ausgerechnet in der Bonner Villa Hammerschmidt Verwendung, dem Sitz des Bundespräsidenten.

Merkwürdig, dass niemandem auffiel, wie regierungskritisch Spitzwegs Werk war, das sich über die Bespitzelung und Unterdrückung im Biedermeier-Zeitalter lustig macht.

Ob das Bundespräsidialamt dafür der geeignete Ort war, sei dahingestellt.

Von Heinrich Lübke bis Horst Köhler empfingen jedenfalls zahlreiche Amtsinhaber unter dem “subversiven” Bild ihre Gäste.

Er und seine Familie sahen sich nach der Machtübernahme der Nazis massivem Druck ausgesetzt und mussten daher gezwungenermaßen immer wieder Bilder zu Geld machen.

Im April 1938 verkauften sie Spitzwegs “Justitia” ausgerechnet an eine Kunstagentin, die das Gemälde für das geplante, aber nie realisierte “Führermuseum” in Linz erwarb, einem erklärten Lieblingsprojekt von Hitler.

Leo Bendel selbst half der Verkauf nicht mehr, er wurde in das KZ Buchenwald verschleppt und starb dort im März 1940.

Spitzwegs Bild blieb herrenlos, auch, als nach dem Krieg nach dem ursprünglichen Eigentümer gesucht wurde.

Erst 2007 konnte eine Historikerin nachweisen, dass diese “Justitia” zur Raubkunst gehörte.

Die rechtmäßige Erbin von Leo Bendel, eine Nichte, starb jedoch, bevor die Rückübertragung abgewickelt werden konnte.

Es dauerte unglaubliche zwölf Jahre, bis alle bürokratischen Hürden genommen waren.

Ein trauriges Beispiel für die Beharrungskräfte, die immer noch verhindern, dass das Kapitel Raubkunst abgeschlossen werden kann.

Spitzweg hatte auf dem Kunstmarkt schon mal mehr Konjunktur, wie sich auch bei der Auktion herausstellte.

Das Bild mit der Katalognummer 400 war ohne ausgedruckten Schätzpreis angeboten worden, doch Experten konnten sich im Vorfeld einen siebenstelligen Preis vorstellen, zumal der bisherige Rekord für ein Werk von Spitzweg bei Neumeister bei 1,2 Millionen Euro lag.

Doch der Hammer für “Justitia” fiel letztlich bei 698 500 Euro, worin 27 Prozent Aufgeld eingerechnet sind (Nettopreis 550 000 Euro).

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Carl Spitzwegs “Justitia” hat eine bewegte Geschichte.

1938 wurde das Bild dem jüdischen Eigentümer unter Druck abgekauft.

Später hing es viele Jahre im Bundespräsidialamt.

Heute soll das Werk in München versteigert werden.

Keiner blickt mehr durch, was eigentlich derzeit alles erlaubt und was verboten ist, vom großen Durcheinander unter den Bundesländern ganz zu schweigen: Das juristische Tohuwabohu stellt offenkundig auch die Versteigerer vor ungewohnte Herausforderungen.

Jedenfalls nahm sich das Münchner Auktionshaus Neumeister einen prominenten Anwalt und drohte mit einer Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, um endlich Klarheit darüber zu bekommen, wie es auf dem Kunstmarkt weitergeht.

Seit Wochen konnten Auktionen nur noch online stattfinden, kein einziger Bieter war im Saal.

Jetzt hat die Stadt München klargestellt: Ab sofort gelten für Auktionshäuser dieselben Regeln wie für den Einzelhandel, das heißt, wird unter den Besuchern der Mindestabstand eingehalten und die Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter begrenzt, können Versteigerungen wieder wie gewohnt mit Publikum durchgeführt werden.

Natürlich ist es Bietern unbenommen, auch telefonisch oder online dabei zu sein.

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Ramponierte Waage

Niemandem fiel die Satire auf

Millionen-Betrag erwartet

Fazit: In dieser scheinbar beschaulichen Gegend darf niemand von der Justiz Beistand erwarten – außer vielleicht derjenige, der mit ein paar Wohltaten nachhilft oder das Ohr der Mächtigen hat.

Soviel beißende Ironie schätzten Spitzwegs Kunden gar nicht, das Bild erwies sich zunächst als Ladenhüter und kam über einige Zwischenstationen schließlich in die Hände des jüdischen Kaufmanns Leo Bendel in Berlin.

Carl Spitzwegs “Justitia” hat eine bewegte Geschichte.

1938 wurde das Bild dem jüdischen Eigentümer unter Druck abgekauft.

Später hing es viele Jahre im Bundespräsidialamt.

Heute soll das Werk in München versteigert werden.

Darum sorgt Carl Spitzwegs “Justitia” für Schlagzeilen

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