Der Mensch lebt nicht vom Virologen allein – ein Zwischenruf – Top Meldungen

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Glaube und Kultur wird in Corona-Zeiten für überflüssig erklärt – aus virologischer Sicht richtig. Aber sind auch andere Disziplinen gefragt worden, wie viel man einer Gesellschaft wegnehmen kann und darf? Ein Zwischenruf von Matthias Morgenroth.

“Und sie nahm die Geschichte mit in die Küche, hackte sie in Stücke, fügte eine Prise Salz hinzu [..] und das kleinste der Kinder sagte: Die beste Geschichte, die ich je gegessen habe.” Eine meiner Lieblingsgeschichten vom Theaterpropheten George Tabori. Der Mensch lebt bekanntlich nicht vom Brot allein. Sondern von was?

Wer hat eigentlich entschieden, von was wir leben, was “systemrelevant” für eine Gesellschaft ist, und nach welchen Kriterien das entschieden wird? Wenn eine Gesellschaft auf vegetative Vitalfunktionen reduziert wird, wird sie ins künstliche Koma gelegt, und das kann sehr schnell bedeuten: Sie vegetiert nur noch dahin. Lange ist das nicht durchzuhalten, dann wird aus dem Koma zu Therapiezwecken der Exitus.

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Was wir erleben, ist, dass alles Geistige und alles Geistliche zum Überflüssigen erklärt wird – aus virologischer Sicht richtig. Aber sind auch Soziologen, Sozialpsychologen oder gar Seelsorger gefragt worden, wie viel man einer Gesellschaft wegnehmen kann und darf, bevor sie ihren Geist verliert. Denn es ist ja ein Tiefschlaf bei vollem Bewusstsein, in den sie geschickt wird – und das ist ein beklemmender Zustand.

Mich hat irritiert, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kirchen in vorauseilendem Gehorsam noch vor dem offiziellen Gottesdienstverbot beschlossen haben, ihr Herzstück, ihre Gottesdienste aufzugeben – und damit ungewollt zu etwas Überflüssigen zu erklären – nicht “systemrelevant” eben. Mit etwas Phantasie und Vorsicht hätte man doch zumindest Zehn-Minuten-Andachten im Stehen anbieten können oder dergleichen. Brot darf es noch geben, im Supermarkt. Ihr Brot des Lebens sahen die Kirchen offenbar nicht als so wichtig an, um es zu verteidigen. Stattdessen stand über allem Nächstenliebe und Solidarität.

Das will ich auch keinem absprechen. Niemand weiß derzeit, was richtig und was wichtig ist. Und nun sind die Gottesdienste sowieso verboten. Es wird sich zeigen, ob der digitale Zuspruch den menschlichen wirklich ersetzen kann, in einer Zeit, in der ungewöhnlich viele das Bedürfnis verspüren, mal nach sich und dem großen Ganzen zu fragen. Und das noch in der Passions- und Osterzeit. Mit welcher Selbstverständlichkeit wird hingenommen, dass die scheinbar alternativlose Verordnung der Politik zur Genesung der Gesellschaft von einem Menschenbild regiert wird, dass ihn auf Biologie reduziert. Mal sehen, wie lange wir das aushalten.

Kirche, Theater, Kino, Kunst im Allgemeinen – wir werden nicht daran sterben, in eine kulturelle Zwangspause geschickt zu werden, vorerst zumindest nicht. Aber was alle Kultur vereint, ist, dass sie nährt, geistiges und geistliches Futter gibt, gegen die Angst, gegen die Angst vor der Tatsache, dass alles Leben aufs große Ganze gesehen irgendwie nicht “systemrelevant” ist. Und was, wenn diese Angst zur Pandemie wird?

Wir merken und werden es in den kommenden Tagen und Wochen noch viel mehr merken, dass wir nicht vom Brot allein leben und nicht vom Klopapier glücklich werden.

Man soll ja in solchen Zeiten nicht apokalyptisch enden, jeder Scheiß eine Chance, jede Krise ein Neuanfang: Wenn wir am Ende, aus dem Koma erwacht, wissen, was wir vermisst haben, was wir neben Gesundheit und Geld auch noch als Lebensmittel brauchen: ja dann … Heureka!

Eine Gesellschaft wird auf vegetative Funktionen reduziert

Verliert die Gesellschaft ihren Geist?

Vorauseilender Gehorsam der Kirchen?

Ein Menschenbild, das auf Körperfunktionen reduziert

An der kulturellen Zwangspause stirbt niemand

Der Mensch lebt nicht vom Virologen allein – ein Zwischenruf

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