Ein Bild von einer Flagge: Jasper Johns zum 90. Geburtstag – Top News

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Als junger Mann war Jasper Johns nach New York gekommen, gehörte bald zum Künstlerkreis um John Cage, freundete sich mit Robert Rauschenberg an, beschäftigte sich mit Marcel Duchamp.

Die Kunstszene befand sich damals im Sog des abstrakten Expressionismus.

Johns aber will eine Kunst, in der es nicht um Gefühle geht oder die eigene Künstlerbiographie.

Seiner Meinung nach ist ein Werk ein Objekt, und Menschen sollten fähig sein, ein Bild mit denselben Augen zu betrachten wie einen Heizkörper.

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Technisch ist das Bild ein großes Kuddelmuddel: Johns hatte mit normaler Ölfarbe begonnen, doch die trocknete ihm nicht schnell genug.

Deshalb wechselte er zu Enkaustik.

Enkaustik gehört zu den frühesten Maltechniken der Menschheit, man malt mit warmem Wachs, das sofort erstarrt, die Furchen jedes einzelnen Pinselstrichs bleiben erhalten, und man kann das Wachs in Schichten auftragen.

Jasper Johns zählt zu den wichtigen Maler der amerikanischen Nachkriegs-Moderne.

Seine Bilder von US-Flaggen, Zielscheiben, Landkarten, Zahlen und Buchstaben machten ihn zum Wegbereiter der Pop-Art.

Dabei hat ihn die Konsumwelt nie interessiert.

48 weiße Sterne auf blauem Grund, sechs weiße und sieben rote Streifen: So sieht es aus, “The Star Spangled Banner”, die amerikanische Flagge von Jasper Johns aus dem Jahr 1954: etwa einen auf eineinhalb Meter groß hängt sie heute im Museum of Modern Art in New York und gilt als eines der wichtigsten Bilder des 20.

Jahrhunderts, als Ikone der amerikanischen Kunst – gemalt von einem 24-jährigen Farmerssohn aus den Südstaaten.

Die Leinwand ist auf Sperrholz aufgezogen, darüber liegt eine Schicht aus Zeitungsartikeln, in den weißen Streifen sieht man noch die Schrift hindurchschimmern: Dort steht geschrieben, was die Politik, die hinter und mit dieser Flagge betrieben wird, so macht und wozu sie führt.

Symbol und Realität, Farbe und Welt sind aufs Engste miteinander verknüpft.

Indem er die Zeitungsartikel zur Grundlage seines Bildes macht, nähert Johns das Leben der Kunst an.

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Die Flagge erschien ihm im Traum

Der Vater der Pop-Art hat selbst nie Pop-Art gemacht

Die Idee, die amerikanische Flagge zu malen sei ihm im Schlaf gekommen, erzählte Johns später.

“Es ist eigentlich ein Witz, aber die Wahrheit ist, dass ich eines Tages träumte, dass ich eine große amerikanische Flagge malte.

Und am anderen Morgen stand ich auf, um das Material zu kaufen, um eine große amerikanische Flagge zu malen.

” Doch was Johns malte, war nicht die amerikanische Flagge.

Es war das Bild der amerikanischen Flagge: Proportionen und Anordnung der Sterne und Streifen stimmen, aber es ist eine schmutzige Flagge, irgendwie gelblich, mit Schlieren drauf, die wie Falten aussehen.

Eine Flagge, die erst mal gewaschen und gebügelt gehört, bevor da irgendwem die Brust schwellen kann.

Johns bleibt zeitlebens bei Motiven, die jeder aus seinem Alltag kennt, die aber trotzdem hohen Symbolgehalt haben: Zielscheiben etwa, die Landkarte der USA, Buchstaben, Zahlen.

Er nutzt diese Alltagsgegenstände und -zeichen viele Jahre bevor ein gewisser Andy Warhol Campbells Suppendosen abmalte.

Johns hatte die Pop-Art vorausgenommen ohne je selbst Pop-Art gemacht zu haben.

Die Konsumwelt interessierte ihn nicht, die Wahl seiner Sujets war immer subtiler, die Werke vielschichtiger, rätselhafter, uneindeutiger.

Das passt zu seinem Gebaren: Jasper Johns hat sich immer als scheuer, rätselhaft verschwiegener Denker gefallen, der sich nicht festlegen lassen will.

Er hat kaum Interviews gegeben.

Und jetzt, mit 90 Jahren, wird er damit bestimmt auch nicht mehr anfangen.

Jasper Johns zählt zu den wichtigen Maler der amerikanischen Nachkriegs-Moderne.

Seine Bilder von US-Flaggen, Zielscheiben, Landkarten, Zahlen und Buchstaben machten ihn zum Wegbereiter der Pop-Art.

Dabei hat ihn die Konsumwelt nie interessiert.

Ein Bild von einer Flagge: Jasper Johns zum 90.

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