Eine kleine Kulturggeschichte des Gifs – Top News

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Obama führt zwei Finger an seine Lippen, überblickt souverän die Menge und lässt triumphal das Mikro fallen: “Obama out”, der ultimative “Mic Drop”.

Comedians lassen am Ende einer Darbietung gerne mal demonstrativ das Mikro fallen und natürlich auch Rapper.

Es ist eine Geste, die sagen will: “Schaut her, wie gut ich war!.

” Obamas Mic Drop wird in den nächsten Monaten Teil einer globalen Ausdrucksform.

Wer sich im Facebook-Messenger verabschiedet, der verabschiedet sich mit einem Obama Out-Gif.

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Wer auf Twitter einen langen Thread beendet, der tut das mit einem Obama-Out-Gif.

Und wer auf Reddit einen langen, durchdachten und elaborierten Post schreibt, der klatscht am Ende ein Obama-Out-Gif drunter.

Obama Out wird zum meistverwendeten Gif des Jahres 2016 und zu einem Klassiker der Internet-Kommunikation.

400 Millionen US-Dollar, soviel möchte Facebook für die Gif-Datenbank “Giphy” bezahlen.

Der Deal ist der vorläufige Höhepunkt in der erstaunlichen Karriere eines Grafikformats.

Anfang Mai 2016 beim White House Correspondents’ Dinner: Barack Obama fühlt sich offenbar pudelwohl.

Es ist der letzte Auftritt des scheidenden US-Präsidenten, auf der berühmten Benefizveranstaltung, zu der die Washingtoner Hauptstadtpresse einmal im Jahr einlädt.

Obama lacht, Obama witzelt und natürlich bekommt der republikanischen US-Senator Ted Cruz sein Fett weg und auch Donald Trump, von dem Obama noch nicht weiß, dass er bald sein Nachfolger sein wird.

Und ganz am Ende der Obama-Rede kommt sie dann, die Szene, die sich in die Internet-Kommunikation einbrennen wird.

Und aus genau dieser Internet-Kommunikation sind Gifs nicht mehr wegzudenken.

Gifs bringen die Emotion ins Netz.

Wenn Captain Jean-Luc Picard aus Fremdscham mit seiner Hand Teile seines Gesichts zu einem “Face Palm” verdeckt, dann ist das zugleich das international anerkannte Bewegtbild für “ich schäme mich fremd”.

Weitere Emotionen werden ausgedrückt mit Hilfe von Gifs, die zum Beispiel Michael Jackson zeigen, wie er sich genüsslich Popcorn in den Mund schaufelt oder wie Homer Simpson peinlich berührt den Rückwärtsgang einlegt, um in einer Hecke zu verschwinden.

Gifs erzeugen Emotionen, die sofort verstanden werden – und zwar weltweit.

Obama out!

Weltsprache: “Gif”

Auf Facebook sind Gifs erst seit 2015 erlaubt

Gifs sind auch Werbe-Vehikel

Google für Gefühle

Mittlerweile dienen Gifs aber schon längst nicht mehr alleinig der emotionalen Kommunikation.

Gifs erklären schon mal Quantenphysik und sind längst auch ein Werbe-Vehikel, inbesondere in der Popkultur.

Es gibt unzählige Gifs zur beliebten Nerd-Sitcom “Big Bang” Theory und dass das Faultier aus dem Disney-Animationsfilm “Zoomania” zum omnipräsenten Gif mutiert ist, hat dem Erfolg des Streifens sicherlich nicht geschadet.

Ähnliches gilt für John Travolta.

Der Schauspieler wurde als Gif-Mem “Confused Travolta” zum Internetphänomen.

Hier lugt der Schauspieler beispielsweise irritiert aus einem leeren Geldbeuteln heraus oder blickt irritiert im Supermarkt umher.

400 Millionen US-Dollar, soviel möchte Facebook für die Gif-Datenbank “Giphy” bezahlen.

Der Deal ist der vorläufige Höhepunkt in der erstaunlichen Karriere eines Grafikformats.

Dabei ist das Gif, oder, wie es sein Erfinder Steve Wilhite ausspricht, das “Dschiff”, ein alter Hut.

Schon 1987 wurde es erfunden, damals als Bild-Format, das aber auch Animationen ermöglichte.

Die Steinzeit des Netzes war geprägt von “Under Construction”-Gifs, mit denen Webseiten-Betreiber, um ein bisschen Geduld baten, weil Teile der Seite immer noch nicht fertig waren – manchmal bliebt das Gif für immer.

Und in den Nuller-Jahren verwandelten eine Flut an Gifs Myspace bisweilen in einen ästhetisch herausfordernden Malstrom aus pink-metallisch vor sich hinflimmerndern Gifs.

Vermutlich tat sich Facebook deswegen lange schwer damit, Gifs auf der eigenen Plattform zuzulassen.

Ausgerechnet die Firma, die nun nach Giphy greift, unterstützt auf ihren blauen Seiten erst seit 2015 dieses Grafik-Format.

Für Facebook macht der Kauf von Giphy also durchaus Sinn.

Und zwar nicht nur, weil sich der Konzern damit auch Zugriff auf wertvolle Nutzerdaten sichert.

Giphy wird nach eigener Aussage täglich von 700 Millionen Nutzern verwendet, die über 10 Milliarden Gifs verschicken.

Das macht Giphy zu einer gigantischen Suchmaschine für Emotionen aller Art, zu eine Art Google für Gefühle und damit zu einem zukunftsträchtigen Investment.

Eine kleine Kulturggeschichte des Gifs

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