Einreiseverbot für Erntehelfer in der Kritik – Top Meldungen

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Seit einer Woche gelten für Erntehelfer aus dem Ausland Einreisebeschränkungen. Bundesinnenminister Seehofer will damit Infektionsketten mit dem Coronavirus unterbrechen. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner interveniert aus Sorge um die Ernte.

Es ist ein Zielkonflikt – so beschreibt es Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: Auf der einen Seite muss die Regierung die Bevölkerung vor dem Coronavirus schützen; auf der anderen Seite aber auch die Ernte sichern. Klöckner sagt, die Landwirte seien in großer Not, sie und ihre Helfer seien “systemrelevant” und die Regierung könne sie “nicht hängen lassen”. Sie sei im Gespräch mit Bundesinnenminister Horst Seehofer, es gehe um strengere Auflagen und höhere Standards bei der Hygiene.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bezeichnete am Mittag die laufenden Gespräche mit dem Landwirtschaftsressort als “konstruktiv”, wollte aber nicht ins Detail gehen. Später meldete die Nachrichtenagentur Reuters, das Ministerium wolle das Einreiseverbot für Saisonarbeiter “aus einigen EU-Staaten” überprüfen und nach einer pragmatischen Lösung suchen – oberstes Ziel sei aber weiter, die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Im Landwirtschaftsministeriums hieß es dazu, die beiden Ministerien seien noch im Austausch. Es gehe nun unter anderem darum, Auflagen zu erarbeiten, um gesundheitliche Bedenken auszuräumen. Hier sei das Robert-Koch-Institut gefragt.

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Konkrete Vorschläge dazu kommen aus der Unions-Fraktion im Bundestag. In einem Brief an die beiden Minister und an Bundeskanzlerin Angela Merkel heißt es, denkbar seien eigene Fahrspuren für Erntehelfer an den Grenzübergängen. Dort könne man auch Fieber messen, ohne dass die Betroffenen das Fahrzeug verlassen müssen. Die Unionspolitiker halten es auch für überlegenswert, die Erntehelfer an ihrem Arbeitsplatz auf eine Corona-Infizierung zu testen. Was die Unterbringung der Arbeitskräfte und den Schutz vor einer Ansteckung anbelangt, müsse es vom Bund eine deutschlandweit einheitliche “Leitlinie” geben. Das fordern auch die Grünen, etwa die frühere Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge haben in den vergangenen Jahren (Stand 2016) jeweils an die 300.000 Saisonarbeiter auf deutschen Feldern und Äckern gearbeitet, knapp 40.000 davon in Bayern. Der größte Teil – 95 Prozent – sind dabei Erntehelfer aus dem Ausland, vorwiegend Rumänen und Polen. Unser östliches Nachbarland Polen ist von den deutschen Einreisebeschränkung zwar nicht betroffen – hat aber eigene Beschränkungen erlassen.

In den vergangenen Tagen wurden zwei Online-Plattformen aufgesetzt, die Bauern und potentielle Erntehelfer aus dem Inland zusammenbringen sollen: www.saisonarbeit-in-deutschland.de und www.daslandhilft.de. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner begrüßt diese Initiativen. Das sei ein guter Ansatz, allerdings kein Ersatz für erfahrene Saisonarbeitskräfte. Nach Ansicht der Ministerin können solche Plattformen den Landwirten helfen, ihnen aber keine Planungssicherheit geben.

Klöckner hatte zuletzt den Einsatz unter anderem von Arbeitslosen und Flüchtlingen als Erntehelfer ins Spiel gebracht. Das Bundesinnenministerium spricht von einem großen Potential und nennt konkrete Zahlen: Demnach gebe es geschätzt rund 100.000 Asylbewerber, die keinem Beschäftigungsverbot unterliegen. Dazu kämen noch etwa 156.000 anerkannte Flüchtlinge, die arbeitslos seien.

Der Deutsche Bauernverband warnt, mangelnde Erntehelfer beim Pflanzen und Ernten könnten mittelfristig zu einem ausgedünnten Angebot von Gemüse und Früchten und zu steigenden Preisen führen. Dem Bayerischen Bauernverband zufolge geht es in den Hopfengärten bereits los, in zwei bis drei Wochen brauche man dort Helfer. Die Spargelernte sie bereits angelaufen, ab Mai starte die Erdbeer-Ernte und ab Juni gehe es dann zum Beispiel um die Kirschen-Ernte.

“Konstruktive Gespräche”

Fieber messen, hygienischen Schutz gewährleisten

Fast 300.000 Erntehelfer jährlich benötigt

Freiwillige Helfer registrieren sich

Flüchtlinge als Erntehelfer?

Hopfen, Spargel, Erdbeeren

Einreiseverbot für Erntehelfer in der Kritik

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