Frankreich und sein koloniales Erbe – Top News

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Erst in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wendete sich das Blatt.

Die Kolonien wurden in die Unabhängigkeit entlassen.

Vieles hat sich seitdem im Umgang mit der eigenen Kolonialgeschichte geändert.

Die Schattenseiten der französischen Herrschaft werden nicht mehr verschwiegen.

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Bis vor 60 Jahren hatte Frankreich weite Teile Afrikas in seiner Kolonialmacht.

Als die Völker dagegen aufbegehrten, entließ sie die französische Regierung in die Unabhängigkeit.

Wie ist das Verhältnis zwischen Frankreich und Afrika heute?

Seinen Anfang nahm die französische Kolonisierung Afrikas 1830 mit der Besetzung Algiers.

Dann hatte Frankreich sukzessive den gesamten Maghreb, also Algerien, Tunesien und Marokko, die Sahelzone und den größten Teil West- und Zentralafrikas unter seine Kontrolle gebracht.

Dazu Djibouti und Madagaskar.

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Und noch ein heißes Eisen packte Macron an: Als Vorreiter in Europa versprach er 2017 die Rückgabe geraubter Kunstwerke an die Herkunftsländer.

Das afrikanische Kulturerbe, teilte er über Twitter mit, dürfe nicht länger Gefangener europäischer Museen sein.

Er setzte sich damit über das die Afrikaner entmündigende Argument vieler Museen hinweg, die Kunst sei in ihren Heimatländern nicht sicher.

Eine besonders symbolträchtige Geste von Emmanuel Macron war im September 2018 der Besuch bei Josette Audin, der Witwe des Kämpfers für die algerische Unabhängigkeit Maurice Audin.

Macron bat um Entschuldigung für den an Maurice Audin 1957 von französischen Fallschirmjägern begangenen Foltermord.

Ein Verbrechen, das zuvor offiziell nie eingestanden wurde.

Macron spricht von “Verbrechen gegen die Menschlichkeit”

Glorifizierung der Kolonialzeit von Le Pen-Getreuen

Patriarchalische Politik von General de Gaulle

“Beziehungen auf Augenhöhe” – nur schöne Worte?

Stoff für Verschwörungstheorien

Partielle Veränderung der Kolonialmacht

Viele offene Wunden

Emmanuel Macron ist der erste französische Präsident, der die Kolonialzeit nur aus den Geschichtsbüchern kennt.

In einer Klarheit wie kein Präsident vor ihm bekannte er sich zur Schuld seines Landes.

Die Kolonisierung – so Macron – sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen.

Frankreich müsste sich dieser Vergangenheit stellen und sich bei allen entschuldigen, denen man im Namen der französischen Republik Unrecht angetan habe.

Denn ganz verschwunden ist die Glorifizierung der Kolonialzeit in Frankreich auch heute noch nicht.

Zu besichtigen ist das zum Beispiel in der Mittelmeerstadt Fréjus.

Dort steht seit kurzem ein Gedenkstein, den der Bürgermeister David Rachline errichten ließ.

Darauf steht: “Ehre für all die, die für ein französisches Algerien gefallen sind.

Bis vor 60 Jahren hatte Frankreich weite Teile Afrikas in seiner Kolonialmacht.

Als die Völker dagegen aufbegehrten, entließ sie die französische Regierung in die Unabhängigkeit.

Wie ist das Verhältnis zwischen Frankreich und Afrika heute?

Für seine klaren Worte bekommt Macron Beifall von vielen Intellektuellen in Frankreich.

Gleichzeitig gibt es aber auch Kritik am Vorgehen des französischen Präsidenten.

Insbesondere bei den Anhängern der rechtsnationalen Partei von Marine Le Pen.

Francois Soudain, der Chefredakteur von “Jeune Afrique”, verweist darauf, dass die meisten afrikanischen Staaten selbst nach der Entlassung in die Unabhängigkeit noch lange unter der Fuchtel Frankreichs standen.

Eine Zeit, die man als Franceafrique bezeichnet.

Rachline gehört zum engsten Führungskreis der Partei von Marine Le Pen.

Etliche, heißt es, würden gerade im Süden Frankreichs die Massaker und die Grausamkeiten der französischen Armee ausblenden.

Hier leben viele sogenannte Pieds-noir.

So werden die in Algerien geborenen Franzosen genannt.

Unter ihnen und auch in der Le Pen-Partei kommt Macrons Schuldbekenntnis dementsprechend gar nicht gut an.

Die Beziehungen waren weiter extrem eng.

Kein Wunder, hatten doch die Franzosen in den meisten Kolonien das neue Regierungspersonal selbst ausgewählt.

Die einheimischen Eliten wurden von den französischen Politikern komplett vereinnahmt, die Dominanz Frankreichs blieb also erhalten, nur in anderer Form.

Frankreich und sein koloniales Erbe

Diese patriarchalische Politik geht direkt auf General de Gaulle zurück.

Berüchtigt war das direkt beim Präsidenten im Elysee-Palast angesiedelte Afrika-Referat, das im Hintergrund weiter im ehemaligen kolonialen Machtbereich die Strippen zog.

Da wurden auch schon mal korrupte und unfähige Potentaten gestützt, solange sie nur nach der französischen Pfeife tanzten und französischen Unternehmen freie Hand ließen.

Sind das nur schöne Worte? Ja und nein, antwortet der Forscher und Publizist Francois Gaulme.

Wenn man Franceafrique als ein obskures System der Korruption sehe, dann ja.

Aber wenn man auf die generelle Art der Beziehungen blicke, betont Gaulme, dann haben sich die grundlegenden Mechanismen der französischen Einflussnahme nicht geändert.

Wie etwa die militärische Präsenz oder die Einflussnahme auf die Geldpolitik.

Schon die letzten französischen Präsidenten haben immer wieder versprochen, mit Francafrique Schluss zu machen.

Und nun bekennt sich Emmanuel Macron bei jeder Gelegenheit zu Beziehungen auf Augenhöhe.

So auch Ende 2019 auf einer Pressekonferenz in Abidjan zusammen mit dem Staatschef der Elfenbeinküste: “Ich will eine neue Seite in unseren Beziehungen aufschlagen und den Lumpen, den Überbleibseln der Vergangenheit ein Ende bereiten.

Ich will keine Bevormundung, ich will eine gleichberechtigte Partnerschaft, eine Freundschaft, die auf Vertrauen beruht.

Ein Beispiel, das immer wieder genannt wird: der Uranabbau im Niger.

Der sei für Frankreich von strategischer Bedeutung, sowohl für die Streitkräfte als auch für die Kernkraftwerksbetreiber.

Stoff für viele Verschwörungstheorien, warnt Francois Soudain.

Das sehe man besonders im Sahel.

Da gebe es fast so etwas wie einen Bruch der öffentlichen Meinung mit Frankreich.

Macron rede zwar von gleichberechtigten Beziehungen.

Aber zur selben Zeit erteile der französische Präsident den afrikanischen Staatschefs auch gern mal Lektionen.

Insgesamt meint Francois Gaulme aber, dass Afrika für Frankreich nicht mehr so wichtig ist wie früher.

Stimmt nicht unbedingt, kontert Francois Soudain von Jeune Afrique.

Ihm zufolge wolle Frankreich seinen Einfluss insbesondere dort wahren, wo Konkurrenz zu China herrsche.

Schließlich habe Frankreich immer noch den Traum, nicht nur eine europäische Macht zu sein, sondern auch eine Weltmacht.

Das gelte in politischer Hinsicht, aber vor allem auch auf wirtschaftlichem Gebiet.

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