Gebetsruf in Bayern: Kirchen dafür, Humanisten dagegen – Top News

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Für den Ditib Landesbeauftragten Aykan Inan ein Entgegenkommen der Stadtverwaltung in einer Zeit, in der das gemeinsame Gebet in der Moschee untersagt ist: “Zumindest die Leute, die hier vorbeigehen und die wissen, dass hier eine Moschee ist, die können hören, dass die Moschee weiterlebt.

In einigen bayerischen Städten dürfen Moscheen während der Corona-Zeit den Gebetsruf des Muezzins für die Gläubigen auch außerhalb der Moschee übertragen.

Richtig, findet die Kirche.

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Kritisch sehen das die Vertreter der Humanistischen Vereinigung.

“Allahu akbar” – Gott ist groß, so klingt es zu Beginn des muslimischen Gebetsrufs – nicht nur in Istanbul oder Kairo, sondern in München-Sendling: Die Moschee der türkisch-islamischen Union Ditib hat einen kleinen Lautsprecher aufs Fensterbrett gestellt und den Gebetsruf nach außen übertragen.

Möglich war das aufgrund einer Sondergenehmigung der Stadtverwaltung für diese und vier andere Moscheen.

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Das Thema polarisiert: Der Vorsitzende der Humanistischen Vereinigung in Bayern Michael Bauer lehnt die Maßnahme ab: “Der Muezzinruf hat einen religiösen Inhalt, und ich möchte das eigentlich nicht.

Ich halte es auch für unangemessen, das in dieser Lautstärke auch allgemeine religiöse Aufrufe in den öffentlichen Raum hinein erfolgen.

Das ist etwas, was viele Leute auch gar nicht hören wollen, die davon nicht belästigt werden wollen, von den religiösen Überzeugungen und Gebetsaufrufen anderer.

Der Gebetsruf ist Auflagen der Stadt unterworfen

Unterstützung kommt von beiden Kirchen

Rainer Oechslen: Ein höchst anrührendes Gebet

München-Sendling: Bis jetzt keine Beschwerden

Auch andernorts gab es für muslimische Gemeinden in Bayern zum ersten Mal grünes Licht für öffentliche Gebetsrufe: In Fürstenfeldbruck sowie in den fränkischen Städten Kulmbach, Karlstadt und Weissenburg durften die arabischen Verse einmalig auch öffentlich übertragen werden.

In Erding gab es die öffentliche Erlaubnis für vier Muezzinrufe, einer davon fand am Gründonnerstag statt.

In Augsburg und Gersthofen hingegen zogen die Moscheen ihre Anträge zurück, nachdem die Stadtverantwortlichen erst die Zustimmung der Nachbarn verlangt hatten.

Auch in München gibt es klare Auflagen der Stadt: eine Begrenzung der Lautstärke auf max.

85 Dezibel, nur einmal pro Tag um 19 Uhr für maximal 10 Minuten und nur solange die öffentlichen Gottesdienste wegen Corona nicht möglich sind.

Der evangelische Beauftragte für Islamfragen Rainer Oechslen findet: Religiöse Neutralität heißt nicht, öffentliche Gebetsrufe zu verbieten, darum handle der Staat hier richtig: “Öffentlichkeit bedeutet nicht, dass die Religion einen Herrschaftsanspruch ausübt, aber es bedeutet, dass die Religion sich nicht versteckt, dass sie zu ihren Zeremonien und ihren Gottesdiensten und Gebetsrufen einlädt und dass sie sich in der Gesellschaft kenntlich macht.

In einigen bayerischen Städten dürfen Moscheen während der Corona-Zeit den Gebetsruf des Muezzins für die Gläubigen auch außerhalb der Moschee übertragen.

Richtig, findet die Kirche.

Kritisch sehen das die Vertreter der Humanistischen Vereinigung.

Wie zu erwarten, greift auch die AfD das Thema auf: “Öffentliche Muezzinrufe passen einfach nicht nach Bayern”, kommentiert AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner in einer schriftlichen Mitteilung.

Unterstützung kommt dagegen von den beiden Kirchen: für Andreas Renz vom Fachbereich “Dialog der Religionen” des Erzbistums München-Freising fällt der Muezzinruf unter die Religionsfreiheit, solange er im Rahmen des Lärmschutzes bleibt.

Ganz gleichzusetzen mit dem Läuten der Kirchenglocken sei er aber nicht: “Es hat einen stärkeren Verkündigungsaspekt, aber auch das wird von der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit gedeckt.

In München-Sendling ist der Ditib-Gemeinde jedenfalls noch keine Beschwerde bekannt, sagt Aykan Inan:

Wie beim Glockenläuten werde der Mensch daran erinnert, dass seine Zeit eingerahmt ist von den Begegnungen mit Gott, so Oechslen.

Vorausgesetzt, der Muezzin treffe beim Gebetsruf den richtigen Ton: “Das geht von einem Geräusch, das ich einfach als Gebrüll bezeichnen muss, bis zu einem wirklich schönen, auch mich höchst anrührenden Gebet.

Gebetsruf in Bayern: Kirchen dafür, Humanisten dagegen

Das könnte noch ein wenig länger dauern: Auch wenn die Kirchen im Mai unter Auflagen wieder öffnen– in den Moscheen wird es laut Koordinierungsrat der Muslime weiterhin keine gemeinsamen Gebete geben – trotz Ramadan.

Die Einschränkungen hätten nicht umgesetzt werden können, so Inan: Man könne die Menschen schlecht nach Hause schicken, wenn die Moschee voll wäre.

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