Geschlossen: Muss ich das Fitness- oder Theaterabo weiterzahlen? – Top Meldungen

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Wer ein Abonnement für etwas abgeschlossen hat, rechnet damit, dass er auch regelmäßig etwas davon hat. Schließlich bezahlt man ja dafür. Da aber all diese Einrichtungen geschlossen sind, stellt sich die Frage: Muss man dafür auch noch weiterzahlen?

Das Coronavirus hat unser tägliches Leben fest im Griff: kein Theater, kein Konzert, kein Kino. Restaurantbesuche und Sportveranstaltungen: gestrichen. Erlaubt sind nur noch der Weg zur Arbeit, Einkaufen gehen und der Besuch beim Arzt – neben Spazierengehen, Joggen oder Radfahren. Das allerdings nicht in Gruppen, sondern in der Regel nur allein, der Ansteckungsgefahr wegen.

Nicht möglich ist Sport in geschlossenen Räumen, beispielsweise in Fitnessstudios. Vieles, was uns vertraut war, muss jetzt unterbleiben. Klar, dass sich einige jetzt die Frage stellen: Was tun mit dem teuren Theaterabonnement oder dem Dauerabo für das Fitnessstudio?

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Hier handelt es sich meist um Verträge mit einer automatischen Verlängerung, ähnlich wie der Vertrag mit einem Stromanbieter, dem Zeitungsabo oder der Bahncard. Sie verlängern sich meist automatisch um ein Jahr, wenn man sie nicht rechtzeitig beendet.

Verbraucherschützer stört das allerdings schon lange, so fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein Kündigungsrecht alle drei Monate. “Denn, wer ein Fitnessstudio schon lange nicht mehr von innen gesehen hat, sollte dafür auch nicht mehr zahlen müssen,” so deren Chef Klaus Müller.

Das SPD geführte Justizministerium will Vertragslaufzeiten auf zumindest ein Jahr begrenzen, um gegen Kostenfallen bei Handy- oder Fitnessverträgen vorzugehen. Derzeit befindet sich der Gesetzesentwurf allerdings noch in der Warteschleife.

Wer jetzt allerdings, während der Laufzeit, aus seinem Fitnessvertrag aussteigen will, hat schlechte Karten. Die Corona-Epidemie wird “in der Regel für eine Kündigung nicht ausreichen”, so die Verbraucherzentrale Bayern. Denn schließlich könne man das Fitnessstudio ja erneut nutzen, wenn es wieder geöffnet sei.

Dabei müsse man wissen, dass die meisten Verträge keine Regelungen für Situationen wie die von der Regierung angeordnete Schließung enthalten, so die Verbraucherschützer.

Doch was ist, wenn ich gar nicht kündigen will, das Fitnessstudio aber geschlossen ist? Hier ist die Rechtslage eindeutig: “Muss das Fitnessstudio schließen, ist von einer sogenannten Vertragsstörung auszugehen. Denn es ist dem Studiobetreiber unmöglich, dem Mitglied die angebotenen Dienstleistungen zu gewährleisten. Damit sind beide Vertragspartner von ihrer Leistungspflicht befreit”, sagt Julia Zeller von der Verbraucherzentrale Bayern.

Die Mitglieder seien für die Zeit der Schließung dann auch von ihrer Beitragspflicht befreit. Für die nicht erbrachten Leistungen einer Einrichtung in der Zeit der Schließung, bekommen die Kunden also ihr Geld zurück. Allerdings muss man aufpassen, wenn die Beiträge im Lastschriftverfahren eingezogen werden oder wenn man seinen Anspruch nicht rechtzeitig geltend macht.

Verbraucherschützer raten zu einer einvernehmlichen Lösung, “andernfalls könnten zusätzliche Kosten für Rücklastschriften oder Mahnungen anfallen”, so Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Eine rechtliche Verlängerung eines Abonnements über den ursprünglichen Zeitraum hinaus ist Verbrauchexperten dagegen nicht bekannt.

Hier kommt es laut der Verbraucherzentrale Bayern darauf an, um welche Art von Abonnement es sich handelt. Bei einem klassischen Abonnement gilt dasselbe wie beim Fitnessstudio: für die nicht erbrachte Leistung gibt es Geld zurück.

Anders kann es jedoch sein, wenn man eine Karte für mehrere Veranstaltungen erworben hat, also beispielsweise eine 10-er Karte: “Hier kommt es darauf an, ob diese in dem vorgegebenen Zeitraum noch eingelöst werden kann.” Wenn das nicht möglich ist, besteht Anspruch auf Rückerstattung, so Julia Zeller von der Verbraucherzentrale Bayern.

Eine Verschiebung der Veranstaltung, muss man jedoch nach Auskunft der Verbraucherzentrale nicht hinnehmen. “Insbesondere, wenn Verbraucher an dem neuen Termin keine Zeit haben, besteht ebenfalls ein Anspruch auf Rückerstattung”. Voraussetzung ist aber, dass überhaupt ein Termin vereinbart wurde, also die Veranstaltung zu einem genannten Datum stattfinden sollte. Ist das Ticket ohne ein Veranstaltungsdatum sondern lediglich für einen bestimmten Zeitraum oder gar mehrere Alternativtermine verkauft, dann kann nach Ansicht der Verbraucherschützer etwas anderes gelten.

Allerdings denken derzeit viele Menschen darüber nach, das Geld für die Karte nicht zurückzufordern, um Künstler, die unter fehlenden Einnahmen leiden, zu unterstützen.

Wer einen kostenpflichtigen Gutschein geschenkt bekommt, sollte zunächst prüfen, wie lange die Laufzeit ist. Denn Gutscheine sind grundsätzlich drei Jahre lang gültig, eine zu knapp bemessene Frist, zum Beispiel auf ein Jahr, ist ungültig.

Was aber tun, wenn man wegen der angeordneten Schließung von Geschäften aufgrund der Corona- Pandemie seinen Gutschein nicht einlösen kann? Am besten, man spricht mit demjenigen, der den Gutschein ausgestellt hat. Sollte sich der Händler jedoch weigern, den Gutschein einzulösen, hat der Kunde laut der Verbraucherzentrale Bayern “das Recht, den Wert des Gutscheins erstattet zu bekommen”.

Generell sind Verbraucherschützer jedoch der Ansicht, dass sich Unternehmen und Verbraucher aufeinander zubewegen und sich solidarisch zeigen sollen. “Doch auch in Ausnahmezeiten müssen Verbraucherrechte bestehen bleiben”, so Julia Zeller von der Verbraucherzentrale Bayern.

Fakt ist laut Verbraucherzentrale jedoch auch, dass sich viele Unternehmen derzeit kulant bei Stornierungen und Umbuchungen von Veranstaltungen, Kursen oder auch Reisen zeigen.

Aber auch Kunden könnten sich kulant zeigen, schließlich sind gerade auch ziemlich viele Unternehmen arg in Bedrängnis. Manch einer überlegt deshalb, aus Verbundenheit trotzdem weiter zu zahlen. “Viele Unternehmen befinden sich momentan durch Corona in einer akuten Krise”, so Michael Hummel, Rechtsexperte von der Verbraucherzentrale Sachsen. “Wenn ich meine Unterstützung zeigen möchte, kann ich natürlich den Dauerauftrag weiterlaufen lassen.”

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Verträge im Fitnessstudio

Kein Sonderkündigungsrecht wegen Corona

Verbraucherrechte bei einer Schließung der Einrichtung

Bei Konzert- oder Theaterkarten gilt ähnliches – aber nicht in jedem Fall

Verschiebung muss nicht akzeptiert werden

Auch bei Gutscheinen kann Geld zurückverlangt werden

Verbraucher und Firmen einigen sich am besten im Gespräch

Geschlossen: Muss ich das Fitness- oder Theaterabo weiterzahlen?

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