Illegale Pestizide: Hoher Profit, geringes Risiko – Top News

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Seit 2015 führt die Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union regelmäßig die Operation “Silver Axe” durch und sucht nach gefälschten oder nicht zugelassenen Pestiziden.

In diesem Jahr, so Europol, wurde beispielsweise gezielt nach dem hochumstrittenen Mittel Chlorpyrifos gefahndet, das seit Anfang des Jahres in der EU verboten ist.

Der Handel mit illegalen Pestiziden gehört zu den am schnellsten wachsenden Bereichen organisierter Kriminalität in der EU.

Die Mittel können für Mensch und Umwelt gefährlich sein.

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Das Risiko, erwischt zu werden, ist gering, die Strafen sind mild.

In diesem Jahr erzielen die Ermittler einen neuen Rekord, wie Europol mitteilt.

Insgesamt 1346 Tonnen illegaler Pestizide – doppelt so viel wie im Vorjahr – haben Polizisten europaweit sichergestellt.

Über Monate hatten Beamte aus mehr als 30 Ländern im Rahmen der Operation “Silver Axe” Grenzübergänge, Seehäfen, Container und Frachtsendungen kontrolliert.

Die beschlagnahmte Menge an illegalen Pestiziden reicht laut Europol aus, um mehr als Deutschlands gesamte Ackerfläche zu spritzen.

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Während sich die wirtschaftlichen Schäden beziffern lassen, sind mögliche Gefahren für Mensch und Natur unberechenbar.

Legale Pestizide durchlaufen jahrelange Zulassungsprozesse, um die Verträglichkeit in Studien zu testen, die gefälschten Mittel nicht.

“Illegale Pestizide werden nicht getestet, es gibt schlichtweg keine Daten dazu”, sagt Rien Van Diesen von Europol.

“Die Mittel können giftig sein – vielleicht nicht unbedingt für den Menschen, aber vielleicht für Bienen – wir wissen es schlichtweg nicht.

Hohe Profite

“Illegale Pestizide werden nicht getestet”

Geringes Entdeckungsrisiko

Kaum Verurteilungen und milde Strafen

Lächerliche Geldbußen auch im EU-Ausland

Gift auf bayerischen Äckern?

“Matrine”- Rückstände in Obst und Gemüse

Waren aus China

Was Beamte bei “Silver Axe” sicherstellen, ist nur ein Bruchteil des tatsächlichen Handelsvolumens.

Studien zufolge machen illegale Produkte zwischen zehn und vierzehn Prozent des gesamten europäischen Pflanzenschutzmittel-Marktes aus.

Man sehe es den illegalen oder gefälschten Pestiziden schlichtweg nicht an, dass etwas nicht stimme, erklärt der Chemiker Nils Kurlemann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Das mache es so schwer, den illegalen Handel zu kontrollieren: “Letztlich kann man die Illegalität nur über Laboranalysen oder Dokumentenprüfungen erkennen.

Der Handel mit illegalen Pestiziden gehört zu den am schnellsten wachsenden Bereichen organisierter Kriminalität in der EU.

Die Mittel können für Mensch und Umwelt gefährlich sein.

Das Risiko, erwischt zu werden, ist gering, die Strafen sind mild.

Der Behörde zufolge hätten die Betrüger mit den Waren, die bei “Silver Axe” 2020 sichergestellt wurden, über 90 Millionen Euro Profit machen können.

“Das Risiko, festgenommen und verurteilt zu werden, ist gering, während die Gewinnspanne der Produkte riesig ist”, sagt Rien Van Diesen.

Eine BR-Abfrage bei den zuständigen Staatsanwaltschaften zeigt, dass viele Verfahren eingestellt wurden.

Was bleibt, sind oftmals Ordnungswidrigkeiten, die mit verhältnismäßig geringen Geldstrafen belegt sind.

Werden kriminelle Händler überführt, müssen sie nach Recherchen des BR keine harten Strafen fürchten.

Seit 2011 wurden insgesamt elf Strafanzeigen wegen der Einfuhr illegaler Pestizide gestellt.

Und bislang führte laut BVL keine einzige Anzeige zu einer strafrechtlichen Verurteilung.

“Es ist ausgesprochen frustrierend für die Überwachungsbehörden, die hier Anzeigen erstatten”, räumt Nils Kurlemann ein.

Der Pestizid-Experte Kurlemann vermutet, dass es kaum Verurteilungen gibt, weil das Thema so komplex ist, und die Ermittlungen grenzübergreifend sind.

Schwerpunktstaatsanwaltschaften könnten eine Verbesserung bringen, so Kurlemann.

In anderen Fachbereichen gibt es das bereits, beim Doping zum Beispiel.

Illegale Pestizide: Hoher Profit, geringes Risiko

Weil illegale Mittel von den zugelassenen optisch kaum bis gar nicht unterscheidbar sind, benötigen Überwachungsbehörden konkrete Hinweise, um kriminelle Geschäfte aufzudecken.

So wie im Jahr 2018, als Peter Geiger, der den Handel von Pflanzenschutzmitteln in Bayern überwacht, auf ein Produkt aufmerksam gemacht wurde.

Es sei als eine Art “Wundermittel” auf den Markt gedrückt worden, so Geiger.

Auch im europäischen Ausland fallen die Strafen milde aus.

In Polen, einem wichtigen Umschlagplatz für illegale Pestizide, zahlen Händler bei Verstößen weniger als bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung.

Nach Angaben der Behörden waren es im Durchschnitt 40 Euro Bußgeld.

Das Mittel wurde umgehend vom Markt genommen.

Tatsächlich ist der Wirkstoff “Matrine” aber seit 2018 von einigen Laboren als Rückstand in Obst- und Gemüse festgestellt worden, das geht aus einem Papier der Deutschen Laborgemeinschaft für Obst und Gemüse (DeLOG) hervor.

Darin enthalten: Der Wirkstoff “Matrine”– der weder in Deutschland noch in Europa zugelassen ist und aus der gleichen Stoffgruppe wie Nikotin stammt.

Nikotin ist als Pflanzenschutzmittel in der EU seit Jahren verboten, weil es für den Menschen giftig ist.

“Bei Matrine haben wir keine Informationen”, räumt Peter Geiger ein, und daher könne man die Risiken noch nicht abschätzen.

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