Invasive Tierarten in Bayern: Akzeptiert oder unerwünscht? – Top Meldungen

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Waschbär, Nutria, Marderhund: Exotische Arten breiten sich in Bayern aus. Weil wir sie nicht kennen, müssen wir lernen, mit ihnen umzugehen. Genauso wie mit Arten, die ursprünglich hier heimisch waren und jetzt wiederkommen.

Der milde Winter kommt den geselligen Nutrias ganz gelegen. Fernab von ihrer ursprünglichen Heimat in Südamerika fühlen sich die etwa 50 Zentimeter großen Pelzknäuel vor allem am und im Wasser wohl. Sie fressen fast ausschließlich vegetarische Kost. Die sogenannte Biberratte ist wegen ihres begehrten Fells und Fleischs fast überall weltweit eingeschleppt worden.

Neben Zuchtfarmen haben sie auch viele Tiergärten in ihren Gehegen. Besucher finden Nutrias putzig und schauen gerne zu, wie die Tiere ihr Futter in die Vorderpfoten nehmen und damit gekonnt hantieren. Doch Nutrias breiten sich mittlerweile auch im Freiland aus. Sie gelten als “invasive Art” und sind zum Abschuss freigegeben.

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Arten wurden und werden im Zuge der Globalisierung ständig gewollt oder ungewollt in fremde Gebiete eingeführt. Es gilt: Alles, was sich vor der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus an einem Ort befand, wird als dort heimisch bezeichnet. Wenn sich Tiere in neuen Gebieten ansiedeln, nennt man sie Neozoen. Und wenn sie dabei heimische Arten bedrohen, sind sie “invasiv”.

💡 Was sind invasive Arten?

Eine “gebietsfremde” Art konnte sich in einem neuen Gebiet ansiedeln und fortpflanzen. Als invasiv wird sie bezeichnet, wenn sie unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten oder Biotope hat und die heimischen Ökosysteme gefährdet. Beispiele in Europa sind der Waschbär, das Nutria, die Bisamratte oder die Asiatische Hornisse.

Der Waschbär beispielsweise wurde zu einer invasiven Art, nachdem er in den dreißiger Jahren am hessischen Edersee “zur Bereicherung der heimischen Fauna” ausgesetzt worden war. Von dort trat er seinen Eroberungszug an und drängt inzwischen von der Rhön her immer weiter in den Süden. Hier bedroht er heimische Bodenbrüter, wie Bekassinen oder Birkhühner.

In einem Monitoring hat der Bayerische Jagdverband den räuberischen Waschbären genau ins Visier genommen und gesehen, dass er mitunter sogar in die Horste von Seeadlern klettert. Damit gefährdet er den Bestand: “Der Seeadler ist in Bayern hoch bedroht, wir haben nur eine Handvoll Bruten in Bayern und da ist jeder Verlust tatsächlich ein Thema”, sagt Erik Imm, Naturschutzreferent des BJV.

Jäger dürfen invasive Arten wie den Waschbären – aber auch den Marderhund, den Nutria oder den Mink – abschießen oder mit Fallen stellen. Ganz unabhängig davon, wie viele Tiere es gibt. Das ist auch eine Vorsichtsmaßnahme, weil manchmal noch gar nicht geklärt ist, ob die “Neuankömmlinge” wirklich eine Gefahr für heimische Spezies sind. Nutrias beispielsweise treten bei uns bisher nur vereinzelt auf und Naturschutzbehörden haben noch nicht untersucht, ob sie heimische Arten tatsächlich bedrohen.

Experten halten insgesamt wenig davon, alle Neozoen über einen Kamm zu scheren:

Überhaupt nicht regulierend einzugreifen, und neue sowie heimische Arten sich selbst zu überlassen, ist keine realistische Option. Dafür hat der Mensch schon zu lange seine Finger im Spiel. Die Invasiven würden sich schnell vermehren und bedrohte Arten verdrängen, weil natürliche Feinde wie Wolf, Uhu oder Seeadler bei uns so rar sind. Mit ursprünglich heimischen Raubtieren hadern wir schließlich auch.

Das zeigt sich daran, wie hitzig die Diskussion um Wölfe hierzulande geführt wird – und auch “Problembär” Bruno ist noch in lebhafter Erinnerung. Aber tatsächlich kommen die sogenannten “großen Beutegreifer“ vermehrt zurück zu uns – und sie könnten eine Chance sein. Aktuell gibt es wieder einen Braunbären in Bayern. Bei den Wölfen gibt es zwei Rudel, ein Wolfspaar und ein Einzeltier. Und es leben derzeit wieder 49 Luchse bei uns – mit steigender Tendenz, wie das Landesamt für Umwelt herausgefunden hat. Wenn der richtige Umgang mit diesen Tieren gelingt, könnten sie in unseren Ökosystemen für Ordnung sorgen.

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