Für Jahrzehnte war Jan Hofer vor allem eines: die verlässliche Stimme der „Tagesschau“, ein Synonym für Nachrichtenroutine und berufliche Disziplin. Heute, mit 76 Jahren, spricht der frühere Chefsprecher deutlich offener über ein anderes Thema, das für ihn inzwischen im Vordergrund steht – Familie. Auslöser dafür ist weniger die Karriere als vielmehr sein jüngster Sohn, der Hofer zwingt, das eigene Leben rückblickend neu zu bewerten.
Hofer wurde 2015 zum vierten Mal Vater. Sein Sohn Henry, der im November vergangenen Jahres zehn Jahre alt wurde, ist das gemeinsame Kind mit Phong Lan Hofer, mit der der Journalist seit 2018 verheiratet ist. Kennengelernt hatten sich die beiden bereits 2014. Dass Henry heute so ganz anders sei als er selbst früher, erfülle ihn mit Erleichterung, sagte Hofer nun der „Gala“. Er selbst sei als Kind schwierig gewesen, kein einfacher Charakter. Sein Sohn hingegen zeige eine emotionale Offenheit, die ihn rühre – etwa als Henry nach zweiwöchiger Trennung beim Wiedersehen in Tränen ausbrach und erleichtert reagierte, dass sein Vater wieder da sei.
Späte Vaterschaft, frühe Zweifel
Die Entscheidung, noch einmal Vater zu werden, war innerhalb der Familie nicht unumstritten. Hofer hat drei erwachsene Kinder aus früheren Beziehungen. Besonders sein ältester Sohn habe ihn damals für „verrückt erklärt“, erzählte Hofer. Der Nachwuchs sei schließlich aus dem Haus gewesen, warum also noch einmal von vorne anfangen? Trotz dieser Skepsis entschieden sich Hofer und seine Frau bewusst für das gemeinsame Kind. Die Geburt Henrys habe das gesamte Familiengefüge verändert – bis hin zu sehr konkreten Vorkehrungen: Für den Fall, dass den Eltern etwas zustoßen sollte, übernimmt der älteste Sohn inzwischen offiziell die Vormundschaft.
Gleichzeitig spricht Hofer offen über die Schattenseiten seiner beruflichen Entscheidungen. Nach seinem Wechsel zu „RTL Direkt“ war der Journalist beruflich stark eingebunden. Während er überwiegend in Berlin arbeitete, lebte seine Familie auf Mallorca. Mehr als die Hälfte des Jahres sei er nicht zu Hause gewesen, sagte Hofer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er habe seinen Sohn nur abschnittsweise aufwachsen sehen – eine Erfahrung, die er rückblickend als schmerzhaft beschreibt.
Diese Phase endete 2024, als Hofer „RTL Direkt“ verließ. Seitdem hat sich sein Alltag spürbar verändert. Er könne heute mehr Zeit mit Henry verbringen und sei nun der Vater, der er früher gern gewesen wäre, sagte er der „Gala“. Ganz zufrieden sei er dennoch nicht: Auch jetzt sei er noch häufig unterwegs. Um das zu ändern, versuche er bewusst, weniger berufliche Anfragen anzunehmen.
Hofers Aussagen zeichnen das Bild eines Mannes, der im letzten Lebensabschnitt Bilanz zieht – nicht über Quoten oder Sendeminuten, sondern über Nähe, Verfügbarkeit und verpasste Zeit. Dass sein Sohn nicht so geworden sei wie er selbst, formuliert Hofer dabei weniger als Distanz, sondern als Hoffnung: dass die nächste Generation es leichter hat, wenn man rechtzeitig andere Prioritäten setzt.
