Kampf gegen Corona: Schutzausrüstung aus dem 3D-Drucker – Top Meldungen

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Schutzausrüstung gegen das Coronavirus ist Mangelware. Besonders gefragt: Atemschutzmasken. Aber Not macht erfinderisch: Bayerische Firmen und Privatleute stellen solche Masken und andere Schutzausrüstung nun per 3D-Drucker her.

Im Kampf gegen das Coronavirus hat die EU-Kommission kürzlich einen Aufruf gestartet, dringend benötigtes Zubehör wie Schutzmasken oder Komponenten für Beatmungsgeräte auch per 3D-Druck herzustellen. Als Paradebeispiel gilt ein digitales Fertigungslabor aus Mailand, das Mitte März innerhalb weniger Stunden dringend benötigte Ventile für Beatmungsgeräte in einer Klinik im norditalienischen Brescia druckte.

Die Resonanz auf den EU-Aufruf war sehr groß. Stefanie Brickwede, Geschäftsführerin des in Berlin ansässigen 3D-Druck-Netzwerks “Mobility/Medical Goes Additive” (MGA) spricht gegenüber BR24 von einem “überwältigendem Echo”. Rund 300 Unternehmen hätten sich gemeldet: Manche stellen Druckdateien zur Verfügung, andere drucken Produkte wie Atemschutzmasken gleich selbst, wieder andere stellen ihre 3D-Druckkapazitäten zur Verfügung.

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MGA fungiert dabei als Vermittler. Auf seiner Website stellt das Netzwerk Formulare zur Verfügung, in der Ärzte und Krankenhäuser ihren Bedarf melden können. Gleichzeitig registriert MGA Angebote aus der 3D-Industrie – und sorgt dafür, dass die gedruckten Produkte von den bedürftigen Einrichtung abgerufen werden können.

3D-Drucker können Objekte, die zuvor in einem 3D-Modellierungsprogramm erstellt worden sind, ausdrucken. Als Füllmaterial für 3D-Drucker sind Kunststoffe, Gummi und Metall gebräuchlich. Das Füllmaterial wird erhitzt und Schicht für Schicht ausgedruckt. Kleinere 3D-Drucker werden von Privatpersonen oder „Maker Communitys“ verwendet. Auch in der Industrie spielt der 3D-Druck eine immer größere Rolle. Mit entsprechend großen Anlagen können zum Beispiel Autoteile oder sogar einstöckige Häuser gedruckt werden. Hier spricht man von „additiver Fertigung“.

Ein ähnliches Angebot gibt es auch für Bayern: Bayern Innovativ, eine Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer des Freistaats, fragt auf seiner Website in einem Formular ab, wer mit 3D-Druck welche Produkte in welcher Qualität, in welcher Menge und zu welchem Preis anbieten kann.

Bislang haben sich knapp 30 Unternehmen eingetragen, Bayern Innovativ rechnet mit weiteren Meldungen.

Die Firma EOS aus Krailling bei München – nach eigenen Angaben weltweit führender Technologieanbieter im industriellen 3D-Druck von Metallen und Kunststoffen – hat die Plattform #3DAgainstCorona ins Leben gerufen. Auch dort gibt es unter anderem 3D-Druck-Dateien zum kostenlosen Download. Ein Beispiel ist ein Aufsatz für Türgriffe, der es ermöglicht, Türen nur mit dem Unterarm zu öffnen und zu schließen.

Die Kernfrage bei all diesen Angeboten lautet: Wer produziert für wen in welcher Qualität? Denn viele der hilfsbereiten Unternehmen haben zwar 3D-Druckkapazitäten, aber keine Zertifizierung für medizinische Produkte.

Durch die Corona-Krise ist der Bedarf an medizinischer Schutzausrüstung aber so groß, dass nach Ansicht von Stefanie Brickwede viele Ärzte im Zweifel auch eine nicht-normierte Schutzmaske verwenden, bevor sie gar keine haben.

Es komme auch auf den Einsatzbereich ein: “Ein Gesichtsschutz für eine Bäckereiverkäuferin muss nicht sterilisierbar sein, ein Gesichtsschutz für einen Arzt auf der Intensivstation unterliegt im Zweifelsfall anderen Anforderungen”, so Brickwede.

Vorsicht ist auch aus rechtlicher Sicht geboten: Eine Atemschutzmaske muss klar festgelegte Kriterien erfüllen, sonst droht eine Abmahnung. Rechtsanwälte warnen daher davor, für solche nicht zertifizierten Masken die Bezeichnung “Schutzmaske” zu verwenden.

Genau aus diesem Grund bezeichnet die FIT Additive Manufacturing Group die Masken, die sie seit Montag produziert, als Notbehelfsmasken. Der Fertigungsspezialist aus Lupburg im Kreis Neumarkt/Oberpfalz, der normalerweise unter anderem Implantate herstellt, hat sich ebenfalls auf den 3D-Druck Aufruf der EU gemeldet.

Firmenchef Carl Fruth betont gegenüber BR24, dass es sich bei diesen Masken nicht um ein medizinisches Produkt handelt. Es sei vielmehr für den Einsatz im Alltag gedacht: “Mit unserem Filterträger wollen wir dabei helfen, dass sich weniger Leute mit dem Coronavirus infizieren.” Vorteil der Maske sei, dass man ein beliebiges Filtermaterial einsetzen könne, zum Beispiel Taschentücher oder einen Vliesstoff. Von der Art des Filtermaterials hänge auch der Erfolg ab. “Aber so eine Maske ist besser als nichts.”

Die FIT AG produziert im 3D-Druck 1500 Kunststoff-Masken pro Tag. In einem zweiten Schritt wird per 3D-Druck eine Spritzgussmaschine erstellt, die dann noch größere Stückzahlen herstellen kann. Die Masken können zum Preis von fünf Euro direkt auf der Website der Firma bestellt werden. Auch Masken für Kinder sind geplant. Durch dieses Angebot für die Normalbevölkerung erhofft sich Fruth, “dass medizinische Masken dann eher dort ankommen, wo sie gebraucht werden: Bei Ärzten, in Praxen und Krankenhäusern”.

Auch in der Maker-Community, also bei Privatleuten mit 3D-Druckern, gibt es eine große Hilfsbereitschaft. Auf Facebook gibt es zum Beispiel die Gruppe “3D-Druck für die Krisenbewältigung”, in der etwa Arztpraxen ihren Bedarf an Gesichts-Schutzschilden anmelden und Besitzer von 3D-Druckern sich melden, wenn die diese Schilde produzieren können. Auch für Bayern gibt es eine Art Untergruppe.

Auch die Website “Maker Vs. Virus” bringt Menschen bzw. Organisationen zusammen, die dringend Ausrüstung oder Ersatzteile brauchen und Maker bzw. Makerspaces, die diese Teile produzieren können. Zum Beispiel Thomas Hornauer aus Genderkingen (Landkreis Donau-Ries), der in seinem 3D-Drucker Halterungen für Gesichtsmasken produziert: Wie eine Art Schutzschild wird in diese Halterung eine Overhead-Folie gespannt. Einen Zahnarzt habe er schon ausgestattet, dort sei man sehr froh, so Hornauer, weitere Interessenten gäbe es. Die Herstellung der Schilder kostet ihn zwei Euro – mehr möchte er dafür auch nicht verlangen. Grundsatz sei dabei, so Hornauer: Keiner wolle sich bereichern, man wolle nur helfen.

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