Kommen die Soforthilfen bei den Künstlern an? – Top Meldungen

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“Bleiben Sie daheim” – der Appell von Ministerpräsident Söder. Arbeiten, einkaufen, Arztbesuch, ein Spaziergang – all das ist möglich. Kein Konzert, kein Theater, keine Ausstellung. Für Künstler sind das harte Zeiten – Eva Eichmann berichtet.

Peter Fischer ist Musik-Kabarettist. Für ihn sind in normalen, also in Nicht-Corona-Zeiten, die Monate März, April und Mai extrem wichtig. Dann hat der gebürtige Wesslinger die meisten Auftritte und legt sich ein Finanzpolster für die Sommerpause an.

“Ich verdiene als Kabarettist mein Geld eigentlich nur über Livegagen”, sagt Peter Fischer. Das heißt, ihm brechen nun sämtliche Einnahmen weg. “Jetzt ist die Kulturbranche ja finanziell eh schon eher knapp gestrickt”, so Fischer weiter, “wenn man nicht zu den ganz großen Namen gehört, dann hat man so gut wie keine Rücklagen”. Zudem verdiene er als Musik-Kabarettist nur schubweise. In dieser Woche hätte er das Geld verdienen müssen, das er bis Ende September zum Leben brauche.

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Fischer hat deshalb vor ein paar Tagen einen Antrag auf Soforthilfe beim Wirtschaftsministerium gestellt. Genauso wie Unternehmen können auch Soloselbständige und Angehörige der sogenannten Freien Berufe Geld zur Unterstützung beantragen. Und das läuft gut, sagt der bayerische Kunstminister Bernd Sibler. Mitte März hätten er und die Kollegen aus den anderen Bundesländern dafür gesorgt, dass auch die Künstler Geld bekommen:

Aber das stimmt nur bedingt. Denn tatsächlich haben nur die Künstlerinnen und Künstler, die auch Betriebskosten haben, eine Chance auf die Soforthilfe: Künstler, die Mitarbeiter beschäftigen, die ein Atelier gemietet haben oder Leasingraten fürs Auto bezahlen müssen.

Solche, die daheim ihre Programme entwerfen als One-Man oder One-Woman-Show, die sind nicht antragsberechtigt. Viele von ihnen wissen deshalb nicht, wie es weitergeht. Auch Niels Klaunick, Vorstand des Verbands der freien Kinder- und Jugentheater in München, hat Angst vor der Zukunft. Zwar kann er für sein Theater die Soforthilfe beantragen. Aber nicht für sich selbst. Er muss sich nun damit beschäftigten, dass er rund 70 Prozent seines Jahreseinkommens verlieren könnte. Rücklagen gibt es nicht viele. Sie waren zudem eigentlich für die Altersvorsorge gedacht. Nun muss er sie aufbrauchen, bevor er Zugang zur Grundsicherung bekommen kann.

Wolfgang Heubisch, der kulturpolitische Sprecher der FDP und ehemaliger Kunstminister, findet das ausgesprochen ungerecht. Er fürchtet, dass die Künstlerinnen und Künstler jetzt einfach hinten runterfallen. “Es ist ja bekannt, dass immer zuerst an der Kunst und der Kultur gespart wird”, so Heubisch. “Dass darf in Zeiten der Corona-Krise nicht passieren. Die Kultur und die Kunst sind das Rückgrat einer Nation, eines Volkes, gerade auch im Freistaat Bayern.”

Auch Horst Arnold, der Fraktionschef der SPD im bayerischen Landtag, fordert, dass mehr für die Kunstszene getan wird. Arnold findet es zwar gut, dass Einzel-Künstler bis zu 9.000 Euro für drei Monate aus dem Soforthilfe-Topf bekommen, aber er will einen Schritt weitergehen und fordert eine Task-Force Künstler-Rettungsschirm-Aktion. “Existenzsichernde Einmalzahlungen wie NRW oder Sachsen-Anhalt würden auch Bayern gut zu Gesichte stehen”, so Arnold. “Deswegen sind wir der Ansicht, wir sollten darüber reden und das schnell umsetzen.”

Das bayerische Wirtschaftsministerium teilt auf Anfrage mit, Ziel der Soforthilfe sei – Zitat – “die wirtschaftliche Existenz aufrecht zu erhalten”. Für Kabarettist Peter Fischer bedeutet das vermutlich, dass er kein Geld von staatlicher Seite bekommen wird. Wie er sich seine Existenz in den kommenden Wochen und Monaten finanzieren wird, weiß er noch nicht.

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