“Monkey Business”: Beate Passows Europa-Kritik auf Tapisserien – Top News

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Ein Foto, das vor einigen Jahren um die Welt gegangen ist.

Bei Beate Passow ist es zum grobkörnigen Wandteppich mutiert.

Schwarz-weiß, von der digitalen Vorlage direkt auf den Stoff gewebt.

Man möchte automatisch näher ran und den Affen anfassen.

Gleichzeitig ist das alles doch zu diskrepant: das thronende Tier, die Waffe, der hoch symbolische Ort Gibraltar.

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Passow fertigte die Arbeit 2017 an, kurz nachdem im deutschen Parlament ernsthaft der Diskussion Raum gegeben wurde, ob an den Grenzen wieder geschossen werden soll.

Beim Betrachten des Ganzen kommt jetzt noch die aktuelle Situation hinzu.

Menschen, die sich auf der Flucht befinden sind die größten Verlierer der Corona-Krise.

Unheimlich vielschichtig sind diese Arbeiten.

Dass sie gewebt sind, ist Beate Passow sehr wichtig.

Dass das Ganze digital geschieht, ebenso.

Da blickt Greta Thunberg wie eine leidende Madonna auf die Klima-Demonstranten am Brandenburger Tor.

Da lauern die Gelbmasken hinter dem Kopf der Statue der Marianne, der französischen Nationalfigur – sie haben ihr ein Auge raus geschossen.

Da posieren die Fury Foxes, als Füchse verkleidete Neo-Nazis – die gibt’s in den USA wirklich –, vor dem Atomium in Brüssel und tun so, als seien sie Touristen.

“Ich fand es gut, um das nicht so plakativ zu thematisieren, dass die sich wie die Tiere da so hübsch und nett versammeln.

Weil ich eigentlich auch keine Neonazis darstellen möchte.

Ich will eigentlich so was nicht auf meinen Bildern.

Und die wirken so harmlos und sie sind es absolut nicht, also hab ich sie auf so einen Ausflug gesetzt – nach Brüssel.

“Zustandsbericht” – das ist ordentlich tief gestapelt.

Diese stoffgewordene Reise in die Abgründe Europas ist weit mehr als nur dokumentarisch.

Es geht es nicht nur nach Gibraltar, sondern auch nach Lampedusa, Knossos, Berlin, Brüssel und sogar nach New York an die Wall Street – man könnte auch sagen: Es ist eine Tour durch Armut, Flucht, Bürokratie, Kapitalismus bis hin zum großen europäischen Crash.

Zwischen diesen Orten und Assoziationen bewegt sich Passow, die Collage-Meisterin, in ihren jüngsten Arbeiten.

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen.

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Kritisch ist der Zustand Europas: gewalttätige Gelbwesten-Proteste in Paris, Brexit und ein massiver Rechtsruck überall.

Die Künstlerin Beate Passow hat die Abgründe des Kontinents auf Schwarzweiß-Tapisserien gebannt.

Zu sehen in der Villa Stuck.

Er sitzt etwas behäbig da, obwohl er sich in luftiger Höhe befindet.

Als wäre er persönlich der Wächter der Grenzen am äußersten Rand Europas.

Ein Makaken-Affe auf einem Kanonen-Rohr über Gibraltar.

Blick Richtung Afrika.

Martialisch sieht das aus, wegen der Kanone, doch der Affe verleiht dem Ganzen etwas tierisch Anrührendes.

“Es gibt ja viele Fotos von Affen in Gibraltar, die auch sehr böse oder hässlich sind.

Aber er hat die Hände im Schoss, und ich würde sagen: Er guckt etwas melancholisch auf die Situation.

Und das war ja auch eine ziemlich brisante Situation, als plötzlich diskutiert wurde, ob man Mauern an den Grenzen macht.

Das war ja eine ganz schreckliche Situation.

Die Ausstellung “Beate Passow – Monkey Business” in der Villa Stuck läuft bis 13.

September

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, für Auseinandersetzungen und – manchmal auch für großes Vergnügen.

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“Ich bin eine absolute Europäerin, ich bin 45 geboren, die Nazi-Zeit war für mich ein unheimlich gravierender Punkt, der mich mein Leben lang beschäftigt hat, ein Leben lang.

Und Europa war so eine Befreiung! Wir sind eigentlich in erster Linie Europäer.

Für mich ist das extrem wichtig.

Ich denke, für alle, die irgendwie an Zukunft glauben.

Der massive Rechtsruck und die damit verbunden politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre als gemeinsame europäische Frage – das ist das Thema, das Beate Passow letztlich wohl antreibt.

Das Bild, das ihr in dieser konzentrierten und sehr sehenswerten Ausstellung am wichtigsten ist, kann man als Museumsbesucher vielleicht nicht auf den ersten Blick in Gänze erfassen.

Budapest, die Donau, Blick aufs Parlament, am Rand eine Ansammlung von Schuhen.

Sie sind aus Bronze und Teil eines Holocaust-Mahnmals.

Direkt drüber steigt ein Adler in die Lüfte, ein Laptop in den Krallen, auf dem Display: ein ungarisches News-Portal, das Foto eines Flüchtlingskindes.

Ein zwar surreales, aber auch tieftrauriges Bild.

Der Affe, die Kanone und die Grenze Europas

Eine stoffgewordene Reise in die Abgründe Europas

“Europa war so einen Befreiung”

“Ich finde es wunderbar, dass ich dieses Medium ganz heutig nutzen kann.

Und das wäre so in der Form früher nicht möglich gewesen, weil es den Computer nicht gab.

Und insofern ist das ein sehr heutiges Material, und ich möchte wie eine Chronistin einen Zustandsbericht von Europa in der Zeit, in der ich das mache, herstellen”, sagt Beate Passow.

Kritisch ist der Zustand Europas: gewalttätige Gelbwesten-Proteste in Paris, Brexit und ein massiver Rechtsruck überall.

Die Künstlerin Beate Passow hat die Abgründe des Kontinents auf Schwarzweiß-Tapisserien gebannt.

Zu sehen in der Villa Stuck.

“Monkey Business”: Beate Passows Europa-Kritik auf Tapisserien

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