Münchner Initiative: Videokonferenzen für alle – Top Meldungen

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Lerngruppen, Familienplausch oder Arbeitsmeeting – vieles muss in Zeiten von Corona als Videokonferenz stattfinden. Damit daran alle teilhaben können, hat die Initiative “Freifunk München” einen simplen und kostenlosen Dienst eingerichtet.

Eine Freundin nutzt lieber Skype, der Kumpel zieht Zoom vor und der Vater ist überfordert, weil er sich erst einmal einen Account erstellen soll. Alle in einer Video-Konferenz zu versammeln kann manchmal kompliziert werden.

Die Münchner “Freifunk”-Initiative will das ändern und hat deshalb über das vergangene Wochenende eine Infrastruktur gebaut, die kinderleicht zu bedienen und für jeden kostenlos nutzbar ist. Über den eigenen Browser kann man sich einfach in eine Video-Konferenz einklinken oder eigene Gruppen dafür erstellen. Alles ohne extra Software zu installieren, Abo-Gebühren zu bezahlen oder Werbetracking zulassen zu müssen. “MEET” heißt der Service – und wurde in kürzester Zeit quasi aus dem Boden gestampft:

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Aus diesem Gedanken habe sich die Idee entwickelt, erzählt Annika Wickert. Sie kenne viele Leute in der Industrie und habe diese dann gleich nach Sponsoring gefragt, weshalb es auch so schnell “eskalieren” konnte.

Mittlerweile können etwa 3.000 Personen MEET gleichzeitig nutzen. Die Initiative hofft aber, dass es bald 10.000 sein werden. Ihre Open Source-Lösung ist modular, kann also Stück für Stück erweitert werden, je nachdem was an Ressourcen und Features verfügbar ist und gebraucht wird.

Bislang haben dort zum Beispiel Schüler schon Mathe-Unterricht gemacht, Filmfans gemeinsam “Sharknado” angesehen, Arbeitsteams Besprechungen abgehalten und es wurde sogar ein kleiner virtueller Biergarten veranstaltet – jeder mit Getränk im eigene Garten oder der Wohnung.

Die Verbindungen sind dabei verschlüsselt und tracken auch kein Nutzerverhalten. Die Betreiber erhalten lediglich Infos über die Systemauslastung ihres Services oder Fehlermeldungen. Die Nutzer können aber keinem Raum-Namen zugeordnet werden. “Wir wissen nicht, wer im Biergarten war, nur dass es einen Biergarten gab”, sagt Wickert.

Natürlich gibt es vergleichbare Browser-basierte Angebote, etwa den Anbieter “Whereby”, der ab einer Gruppengröße von vier Personen allerdings kostenpflichtige Lizenzen verlangt. Oder das derzeit sehr populäre “Zoom”, welches ebenso erlaubt, sich über den Browser zuzuschalten. Die Freifunk-Initiative will mit ihrem Service im Idealfall aber sowieso nur eine Lücke füllen:

Die Initiative sei jetzt nicht angetreten als neuer deutschlandweiter Kommunikationsanbieter, der auf Jahre hin existieren müsse, sagt Peter Buschkamp. Wenn die Ausgangsbeschränkungen noch wochen- und monatelang weitergehen – dann würden sich natürlich auch andere Strukturen bilden.

Eigentlich sind die deutschlandweit aktiven Freifunk-Initiativen vor allem dafür bekannt, dass sie ganze Gebiete mit kostenfreiem, offen zugänglichem WLAN-Netz versorgen. Das ermöglicht häufig auch Gruppen, am digitalen Leben teilzunehmen, die vielleicht nicht die besten technischen Voraussetzungen haben: Senioren oder Geflüchtete, denen entsprechende Hardware fehlt, oder Menschen, die Verträge mit geringem Datenvolumen haben. Auch in ländlichen Regionen versuchen Initiativen, wie etwa eine Freifunk-Gruppe in Rheinland-Pfalz, dass sie Internet-Versorgungslücken stopfen können. Gerade jetzt werden Projekte wie MEET wohl noch mehr Menschen freuen, dass sie mit einem Klick ihre Familie und Freunde treffen und damit überhaupt am sozialen Miteinander teilnehmen können.

Den Video-Konferenz-Service von “Freifunk München” finden Sie hier.

Lernen und virtueller Biergarten

Kein Tracking

Service als Brücke

Freifunk-Initiativen zeigen, was fehlt

Münchner Initiative: Videokonferenzen für alle

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