„Na schau, selbst dem Thommy geht es so!“ – Top News

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Victor Grandits: Das kann man nur darüber erklären, was der eine Junge zu ihm im Internat des Windsbacher Knabenchors sagt.

Er hat ihn gestern im Radio gehört, und Thomas sagt zu ihm: “Ja, stehst du auf die Rock-Klassiker?” Und er antwortet: “Nein, aber die Mama!” Und ich glaube, genau so ist es umzulegen auf die Sehgewohnheiten der Eltern, die wahrscheinlich prägend in einer Zeit gelebt haben, wo sozusagen das elektrische Lagerfeuer am Samstag um 20 Uhr 15 “Wetten, dass…?” war, und eine ganze Nation vor dem Fernseher hing.

Das kann sich nur so auf die Kinder übertragen haben: in diesem Idol oder dieser Legende, die sozusagen in den Köpfen der Eltern blieb.

Abgesehen davon muss man ja sagen, dass selbst in Zeiten, wo Thomas Gottschalk weg von der Kamera war, er immer noch eine Beliebtheit hatte von 96,6 Prozent.

Das ist knapp unter Angela Merkel! Und das ist dieses Phänomen Thomas Gottschalk, das man als einfachen Fernsehmann gar nicht so erklären kann.

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Deswegen vielleicht auch dieser Titel, der da sehr treffend ist “Unser Thommy von nebenan”.

Das ist einfach eine Integrationsfigur dieser Nation geworden, die für Wohlstand, Unterhaltung, Fehler, Schicksal, Glück steht.

Wo jeder in Deutschland mit diesem Schicksal mit kann, sich identifiziert, mitleiden kann, sich mit ihm mitfreuen kann, daran sein Leben reflektieren kann und gleichzeitig auch sich manchmal denken kann: “Na schau, selbst dem Thommy geht es so!”, würde ich jetzt mal so sagen.

Stark.

Dadurch, dass er der Älteste war von den drei Kindern, Christoph, einige Jahre jünger, nicht wirklich ein einfaches Kind, kein guter Schüler, sehr aufmüpfig in der Schule, er hat der Mutter viele Probleme gemacht, und er war sozusagen der einzige Mann in diesem Haus.

Und er musste diese Verantwortung und diese Rolle übernehmen – und das hat er auch angenommen.

Er spricht ja dann auch in dem Film von Abstrichen, die er machen musste.

Am Schlimmsten war natürlich für ihn, dass er einfach zu Hause bleiben musste, wenn die Mama allein war.

Er wollte das nicht mitansehen, dass sie da am Abend alleine zuhause sitzt, also ist er bei ihr geblieben, um da irgendwie eine Art Rolle auszufüllen.

Und ich glaube, hier auch erleben zu müssen, was es existenziell bedeutete, dass das Einkommen des Vaters wegbrach, die Mutter ja sehr früh Mutter wurde, hier keinerlei Möglichkeit war, neben den Kindern berufstätig zu werden, war schon eine verdammt harte Zeit, die den Thomas auch wiederum geprägt hat.

Also in einer Zeit, in einer Phase, wo man sagen muss: Der weiß schon, was es heißt, jetzt zweimal zu überlegen, was man an Geld ausgeben kann, und was am Abend dann die einfache Kost am Tisch ist, dass man sich das alles einteilen muss.

Und ich glaube, das hat ihn so geprägt, das ist bis heute irgendwie auch wieder so ein Strang, der den “Thommy von nebenan” erklärt.

Der weiß das schon, wie es den Leuten geht.

Der hat das selbst erlebt und der ist da nie wirklich abgehoben, auch wenn er sich jetzt jeden Tag Gott weiß was für ein Gericht leisten könnte.

Aber das war die Passform, die ihn geprägt hat, auf jeden Fall.

Gerade diese Rolle als ältester Bub in der Familie.

Knut Cordsen: Um gleich zwei sprechende Szenen aus Ihrem Film aufzugreifen: Da besucht Thomas Gottschalk den Windsbacher Knabenchor, dessen Schirmherr er ist.

Oder er besucht sein altes Gymnasium in Kulmbach – und heutige junge Schüler erkennen ihn auch da sofort und belagern ihn.

Das heißt, der Mann ist ein Generationen übergreifender Liebling.

Wie erklären Sie sich das?

Er ist 13 Jahre alt, als sein Vater stirbt.

Er ist das älteste der drei Kinder.

Inwiefern hat Gottschalk der frühe Tod seines Vaters geprägt?

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Als Gastgeber von „Wetten, dass…?“ schrieb er Fernsehgeschichte.

Jetzt, kurz vor seinem 70.

Geburtstag, zeigt der BR eine Dokumentation über sein Leben: “Thomas Gottschalk – Der Thommy von nebenan”.

Ein Gespräch mit Filmemacher Victor Grandits.

TV Legende – als solche wird Thomas Gottschalk ja gern etikiert.

Der Radio- und Fernsehunterhalter Gottschalk mag im Herbst seines Lebens stehen, was ja schon die Titel seiner autobiographischen Bücher “Herbstblond” und “Herbstbunt” anzeigen.

Aber er ist nach wie vor ein Phänomen.

Wie sonst ist es zu erklären, dass noch heutzutage Kinder, die den langjährigen Moderator von “Wetten, dass…? ” gar nicht mehr am Bildschirm selbst gesehen und erlebt haben können, Gottschalk um Autogramme und Selfies angehen? So ist es zu beobachten in der sehr sehenswerten Fernsehdokumentation “Der Thommy von nebenan”, die das BR-Fernsehen am Montag Abend aus Anlass von Gottschalks bevorstehendem 70.

Geburtstag ausstrahlt.

Gedreht hat diese Doku Victor Grandits.

Im Interview mit Knut Cordsen spricht er über das Phänomen Gottschalk und dessen bis heute uneingeschränkte Popularität…

Ja als Schrein, kann man sagen.

Das haben sie sich auch selbst eingestanden, dass das eine Art Schrein ist, wo man diese sehr schöne, behütete Kindheit, Kindheitserinnerungen, irgendwie museal einfror.

Und wo man sich bemüht, ein-, zweimal im Jahr zumindest zusammen zu kommen, um da Zigarre zu rauchen, die berühmten fränkischen Würsteln zu essen und in einer gewissen Vergangenheit zu schwelgen.

Ich glaube, das hat wirklich damit zu tun.

Auch wenn die beiden immer wieder im Gespräch mit mir gesagt haben, sie haben wirklich immer konstruktive Pläne der Flucht gehabt und auch diverse Rucksäcke und Lebensmittel gehortet, um irgendwann einmal in Nacht und Nebel abzuhauen.

Nur gerade auch durch den frühen Tod kam da auch eine ganz andere Rolle auf ihn zu, die das dann auch komplett unterbunden hat.

Und ich glaube, dass die beiden, die Kinder und Thomas, wirklich eine wunderschöne Kindheit hatten, in sehr einfachen, aber behüteten Formen.

Wo – wie sie auch selber sagen – Kulmbach jetzt nicht die große Welt war.

Aber auch da die Beatles ihren Einzug hatten, und Thomas irgendwie in seiner frühen, sehr schrägen Rock’n’Roll Erweckung, die er ja erlebte – auch durch eine frühe, wunderbar romantische Geschichte mit einer jungen Britin – hier zu dem freigeistigen Menschen geworden oder geweckt wurde, der Thomas bis heute irgendwie ist.

Und wo man auch, wenn man seine Leidenschaft Radio ansieht – die es immer war, und nie das Fernsehen – der er ja auch bis heute noch frönt, diese Fahne immer noch hochhält, und ihn das bis heute ausmacht.

Und ich glaube, dieses Kontrastspiel, das er erlebt hat, als junger, bunter Hund in diesem sehr schrägen, spießigen Kulmbach, dass er hier gemerkt hat, welchen Reflex diese Gesellschaft bei ihm auslöst.

Und die ihn wirklich geprägt hat, zu dem Thommy zu werden, oder die ihm dieses gelernt hat, diese Methode, mit Humor, mit Frechheit erfolgreich und beliebt zu werden – das wurde dort, in diesem Haus, in diesem Kulmbach, und wofür auch dieses Haus steht, irgendwie geboren.

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Thomas Gottschalk selbst spricht in ihrer Doku von seinem Kapital, seiner Gabe, mit Menschen aller Art und aller Altersklassen umgehen zu können.

Er sagt da zum Beispiel an einer Stelle: “Ich komme aus einer Zeit, wo man sich das Publikum noch verdienen konnte, indem man zum richtigen Zeitpunkt das Richtige gesagt hat.

Ich habe mir auch nie überlegt ‘Was wollen die Leute gerade hören?’ Ich mache keine Unterschiede! Wenn irgendein Baggerfahrer mit einer Wette reingekommen ist, der kein Haar mehr am Kopf gehabt hat und leicht das linke Bein nachgezogen hat, habe ich nicht über Kahlköpfige und Hinkende gesprochen, sondern ich habe den Mann als das genommen, was er ist: nämlich als Baggerfahrer, der etwas ganz Bestimmtes kann.

Das bedeutet, dass ich die Leute so genommen habe, wie sie sind, ohne sie zu verklären, ohne ihnen zu huldigen.

Ich habe immer versucht, die Kleinen groß zu machen und die Großen klein.

Und das ist für mich heute natürlich auch der späte Lohn.

Diese Leichtigkeit, mit den Leuten zu korrespondieren, die muss einem gegeben sein.

Ich sehe das in der Tat als eine Gabe.

– so beschreibt Thomas Gottschalk seine ganz eigene Gabe, auf die Leute zugehen zu können.

In Ihrer Doku, Herr Grandits, besucht Thomas Gottschalk zusammen mit seinem Bruder Christoph seine alte Heimatstadt Kulmbach.

Das Elternhaus, in dem die beiden zusammen mit ihrer Schwester Raphaela aufgewachsen und groß geworden sind.

Und dieses Elternhaus, das fand ich interessant, haben die Gottschalks, so wie es war, erhalten mit derselben Einrichtung, in der Rutila Gottschalk, die Mutter dort gelebt hat, bis zu ihrem Tod 2004.

Das Elternhaus, der Vater ist ja sehr früh gestorben, das Elternhaus ist so eine Art Museum.

Oder wie haben Sie das wahrgenommen?

“Thomas Gottschalk – Der Thommy von nebenan” aus der Reihe Lebenslinien läuft am Montag 11.

05.

um 22:00 Uhr im BR Fernsehen und ist ab sofort in der BR Mediathek verfügbar.

Als Gastgeber von „Wetten, dass…?“ schrieb er Fernsehgeschichte.

Jetzt, kurz vor seinem 70.

Geburtstag, zeigt der BR eine Dokumentation über sein Leben: “Thomas Gottschalk – Der Thommy von nebenan”.

Ein Gespräch mit Filmemacher Victor Grandits.

„Na schau, selbst dem Thommy geht es so!“

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