Nahverkehr zu Corona-Zeiten: Gedränge soll ausbleiben – Top Meldungen

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Um Geisterzüge ohne Passagiere zu verhindern, reduzieren Bahn und Freistaat die Taktung. Dennoch sollen die Fahrgäste auch im Nahverkehr Abstand halten. Das Ministerium verspricht ein passgenaues Angebot an Zügen, der Fahrgastverband ist skeptisch.

Bei manchem Pendler war der Frust am Montag groß, als die bayerischen Bahn-Anbieter die Zugtaktungen verringerten. Homeoffice und Schulschließungen führen zu weniger Fahrgästen – darauf reagierten die Bahnunternehmen und strichen die Fahrpläne zusammen. Mit mancherorts unangenehmen Folgen: Einzelne Züge waren gut gefüllt – zu gut gefüllt, um den zwischenmenschlichen Abstand von 1,5 Meter einzuhalten.

Das Bild ist heterogen: während auf vielen Strecken derzeit fast leere Züge unterwegs sind, die Rede ist auch von “Geisterzügen”, klagen andernorts Pendler über volle Zugabteile. Ein BR-Nutzer etwa schreibt: “Tatsache ist, dass die Vorschriften und Ermahnungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, zwei Meter Abstand voneinander zu halten, nicht eingehalten werden. (…) Die Situation für mich privat z.B. verschärft sich, da ich nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel verzichten kann und zuhause in einem Haushalt mit meinen pflegebedürftigen Eltern lebe und diese versorge.”

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Auch Pendler zwischen Augsburg und München berichten über Zugausfälle und daraus folgende Platznot im darauffolgenden Zug. Ein Pendler aus dem Großraum Nürnberg schreibt dem BR: “Man soll weiter in die Arbeit fahren und gesund bleiben. Wie ist das vereinbar?“

Für Verkehrsministerin Kerstin Schreyer war die Ausdünnung des öffentlichen Bus- und Bahn-Verkehrs notwendig und sinnvoll. Nicht um Geld zu sparen, sondern sicher durch die Coronakrise zu kommen:

“Mir ist wichtig, dass wir eine zuverlässige Zugversorgung haben, dass jeder weiß, dass sein Zug kommt und dass wir nicht bei Krankheit hektisch einzelne Verbindungen rausnehmen müssen.”

Vor allem Menschen aus systemrelevanten Berufen müssten sich auf ihre Zugverbindungen verlassen können, so Schreyer. Gleichzeitig seien viele Züge schlichtweg leer unterwegs gewesen. Darauf reagierten die Bahn-Unternehmen nun: “Wir haben faktisch wesentlich weniger Menschen, die fahren. Wir wissen alle nicht, wie Krise weitergeht, darum ist es wichtig, dass wir personalschonend fahren.”

Die meisten Regionalzüge und S-Bahnen fahren derzeit im Wochenendtakt, sagt die Ministerin, bei einzelnen Strecken habe man die Züge in voller Länge gelassen, je nach Situation werde das Angebot angepasst, so Schreyer.

Der Fahrgastverband Pro Bahn indessen fordert, dass alle Züge mit der gewohnten Kapazität weiterfahren. Sprecher Andreas Barth von Pro Bahn Oberbayern sieht auch Ausdünnungen im Fahrplan skeptisch: “Es hat doch keiner was davon, wenn die Züge nur rumstehen im Betriebswerk, die sollen fahren.”

Schließlich sei im Zugabteil nun deutlich mehr Platz nötig, um die vorgeschrieben Abstände zwischen den Fahrgästen von 1,5 Meter einzuhalten: “Es muss möglich sein, dass man eine Vierergruppe für sich allein hat.”

Rund ein Sechstel der normalen Anzahl an Fahrgästen könne dann noch in den Zügen sitzen, so Fahrgast-Vertreter Barth, der den höchstmöglichen Schutz für Pendler einfordert: “Wir können doch nicht sagen, wir machen alle Schulen und Kindergärten zu, aber bei der Bahn ist es kein Thema, dass die Leute dann etwas zu nah beieinandersitzen.”

Auch die Züge von BOB und Meridian fahren ab heute seltener, wollen aber weiterhin ein stabiles Grundangebot sicherstellen. Sie haben nach eigenen Angaben derzeit 80 bis 90 Prozent weniger Fahrgastaufkommen. Die Bahn AG hatte deshalb schon Anfang der Woche erklärt, dass sie den Wettbewerbern auf der Schiene für stornierte Verbindungen keine zusätzlichen Gebühren abverlangen wird. Dem Fahrgast nutzt dieses Entgegenkommen freilich wenig.

Zu Beschwerden über fehlende Distanz in Bussen kam es auch in Würzburg. Dort hatten Die Würzburger Verkehrsbetriebe (WVV) gestern die Taktungen der Busse und Straßenbahnen auf den Samstags-Fahrplan umgestellt. Trotz der Kritik will die WVV an den Corona-Maßnahmen festhalten. Auf einzelnen stark frequentierten Strecken sollen zusätzliche Busse fahren.

Von einer Mundschutz-Pflicht im öffentlichen Nahverkehr hält Verkehrsministerin Schreyer zum jetzigen Zeitpunkt wenig. Sie hat dafür einen anderen Rat, wie man sich beim Bus- und Zugfahren schützen kann:

“Viele steigen beim Zug aus Gewohnheit ganz vorne oder ganz hinten ein, dadurch sind bestimmte Waggons voller und andere leer. Darum sollte man alle Türen nutzen.”

Sollten auf einzelnen Strecken weiter zu viele Fahrgäste für die Einhaltung der Abstände unterwegs sein, will das Verkehrsministerium nachjustieren.

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“Geisterzüge” vs. gut gefüllte Pendlerzüge

“In die Arbeit fahren und gesund bleiben – wie ist das vereinbar?”

“Personalschonend fahren” und Angebot anpassen

Pro Bahn: Höchstmöglicher Schutz für Fahrgäste

Bayernweit weniger Busse und Bahnen unterwegs

Rat der Ministerin: alle Türen zum Einsteigen nutzen

Nahverkehr zu Corona-Zeiten: Gedränge soll ausbleiben

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