Neue Augsburger Oberbürgermeisterin: “Bin keine Quotenfrau” – Top Meldungen

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Sie hat Geschichte geschrieben: Mit Eva Weber bekommt Augsburg erstmals eine Oberbürgermeisterin. Das passt zur Strategie, die CSU weiblicher zu machen. Als Beleg für deren Erfolg will Weber ihren Wahlsieg aber nicht unbedingt verstanden wissen.

Mehr als 2.000 Jahre ist es her, dass die Alten Römer Augsburg gegründet haben. Zum ersten Mal in der Stadtgeschichte steht mit Eva Weber künftig eine Frau an der Rathausspitze. Das sei “überfällig” gewesen, sagte die CSU-Politikerin dem BR am Tag nach ihrem Sieg in der OB-Stichwahl. Die Augsburgerinnen und Augsburger hätten sich gewünscht, dass eine Frau an die Spitze komme: “Aber am Ende geht es um Kompetenz, Erfahrung, Netzwerke.” Tatsächlich kann die bisherige Finanz- und Wirtschaftsreferentin auf eine langjährige kommunalpolitische Tätigkeit verweisen.

Auf die Frage, ob ihr Wahlsieg als Beleg für den Erfolg der Strategie von CSU-Chef Markus Söder gewertet werden kann, die Partei jünger und weiblicher zu machen, reagierte die 42-Jährige zurückhaltend: “Mich hat’s schon gegeben, bevor Markus Söder diese Strategie ausgerufen hat”, sagte sie mit einem Augenzwinkern. Schließlich sei ihre OB-Kandidatur schon vor einem Jahr angekündigt worden, als sich das Konzept in der CSU erst allmählich gefügt habe. Und weiter: “Ich bin keine Quotenfrau”. Insofern könne sie nicht sagen, ob ihr Wahlsieg als Beleg dafür tauge, dass Söders Strategie aufgehe.

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Als einen Grund für ihren Erfolg nennt Weber eine neue Art, Wahlkampf zu machen: Ihre Kampagne habe Verschiedene Formate ausprobiert, beispielsweise einen Podcast. So sei Politik anders erlebbar als an Infoständen oder auf Flyern. Man habe einen niederschwelligen Wahlkampf geführt und sei auf die Menschen zugegangen. Das sei gut angekommen, so Weber.

Die Coronakrise sei nicht wahlentscheidend gewesen, aber der Umgang mit der Pandemie hat aus Webers Sicht eines wichtige Rolle gespielt. Die Augsburger Stadtregierung stehe geschlossen hinter den Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung und habe die Bürgerinnen und Bürger offen und schnell informiert. Die Menschen hätten deshalb das Gefühl, dass die Stadt in guten Händen sei und das auch so bleiben solle.

Nach der Amtsübernahme, die für den 4. Mai geplant ist, geht es Weber zufolge zunächst darum, Gesundheitseinrichtungen in der Stadt zu stärken und Unternehmen zu unterstützen: “Das Wichtigste ist, dass nach der Krise die Wirtschaft wieder hochkommt.” Die Folgen der Coronakrise für die kommunalen Finanzen seien zwar noch nicht absehbar. Eines stehe aber schon fest: “Wir werden auf jeden Fall finanzielle Unterstützung brauchen.” In diesem Zusammenhang erinnert die CSU-Politikerin an Förderprogramme von Bund und Ländern nach der Finanzkrise.

Man müsse allerdings aufpassen, dass Themen wie Bildung, Wohnen, Mobilität und Klimaschutz nicht in Vergessenheit geraten. “Die stehen ja nicht zum Spaß im Wahlprogramm”, sagte die künftige Oberbürgermeisterin. “Wieviel wir tatsächlich machen können, hängt von Entwicklung der Finanzen ab.”

Im Augsburger Stadtrat könnte sich Weber auf eine schwarz-grüne Mehrheit stützen: “Wenn man sich das Wahlergebnis anschaut, wird klar, dass sich die Mehrheit eine CSU-geführte Stadtregierung wünscht, aber mit grüner Handschrift.” Sie kündigt Gespräche mit den Grünen an, aber auch mit der SPD. Bisher arbeiten alle drei Parteien im Stadtrat zusammen, rein rechnerisch kommt es aber nach der Kommunalwahl nicht mehr auf die SPD an.

Weber entschied die Stichwahl am Sonntag klar für sich: Sie kam auf 62,3 Prozent der Stimmen. Der SPD-Kandidat Dirk Wurm erreichte 37,7 Prozent, wie die Stadt mitteilte. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,2 Prozent. Weber folgt damit auf Kurt Gribl, der nach zwei Amtszeiten als Oberbürgermeister nicht mehr antrat.

Weber ist in Burgberg im Allgäu aufgewachsen. In Augsburg und Bayreuth studierte sie Rechtswissenschaften. Später arbeitete Weber beim bayerischen Sparkassenverband und mehrere Jahre bei der Industrie- und Handelskammer Schwaben. Im Jahr 2010 wurde Weber Leiterin des Wirtschaftsreferats der Stadt Augsburg, später bekam sie auch die Zuständigkeit für die Finanzen von Bayerns drittgrößter Stadt. Als zweite Bürgermeisterin war sie in den vergangenen Jahren bereits Stellvertreterin von Gribl, den sie einen engen Freund nennt.

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