Pflege zu Hause: So kommen Sie gut durch die Coronazeit – Top Meldungen

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Der Shutdown wegen Corona stellt gerade pflegende Angehörige vor große Herausforderungen. Viele Betreuungs- und Pflegeangebote brechen weg. Mit diesen Tipps kann Pflege zu Hause aber trotzdem gelingen.

Die Tagespflege hat geschlossen? Jetzt müssen Sie kurzfristig umplanen. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, ob Überstunden-Abbau, Homeoffice oder flexiblere Arbeitszeiten denkbar sind. Einen Rechtsanspruch auf Arbeiten von zuhause haben Sie allerdings nicht. Bis zu zehn Tage können Sie eine Auszeit vom Job nehmen – allerdings nur, wenn sich die Pflegesituation unerwartet und unvermittelt ändert. Viele Krankenkassen sehen das aber etwa bei einer geschlossenen Tagespflege nicht gegeben.

Da niemand sagen kann, wie lange die Krise noch dauern wird: Der Bund gibt Möglichkeiten, auch länger beruflich kürzer zu treten. Allerdings geht das nicht in jedem Betrieb – und als finanzielle Unterstützung gibt es lediglich ein zinsloses Darlehen, das Sie zurückzahlen müssen. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber und der Pflegekasse darüber.

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Pflegebedürftige und ältere Menschen sind besonders durch das neuartige Virus gefährdet. Angehörige sollten deshalb penibel auf Hygiene achten, die Niesetikette beachten und häufig und gründlich mit Seife Händewaschen. Handtücher und Besteck sollten nicht geteilt werden. Verzichten Sie auf Umarmungen – auch wenn es schwerfällt. Wenn möglich, sollten Sie ausreichend Abstand halten, etwa bei Gesprächen oder der Medikamentengabe. Oft geht Pflege aber nicht ohne Körperkontakt: Tragen Sie dabei, wenn möglich, Handschuhe und Mundschutz.

Die Pflegeperson sollte das Haus so wenig wie möglich verlassen und wenig Kontakt zu anderen Personen haben. Sagen Sie nicht unbedingt nötige Arzttermine ab, greifen Sie beim Einkaufen auf Lieferdienste oder Nachbarschaftshilfe zurück. Um die Gefahr einer Infektion möglichst gering zu halten, ist es gut, wenn möglichst wenige Personen bei der Betreuung oder Pflege aushelfen – besser ist also ein Helfer als vier. Im Idealfall ist das jemand, der körperlich gesund ist, nicht zur Risikogruppe gehört und keinen Kontakt zu ihr hat. Andere Angehörige können vielleicht andere Tätigkeiten übernehmen, wie zum Beispiel Korrespondenz mit der Pflegekasse. Über (Video-)Anrufe lässt sich Kontakt zu Freunden und zur Familie halten.

Gerade für Menschen mit Demenz ist Struktur wichtig. Sebastian Göttfert vom “Seniorengarten Ickelheim” aus Bad Windsheim empfiehlt, auch zu Hause den Alltag der Tagespflege nachzuempfinden. “Elemente, die Sie übernehmen könnten, wären feste Strukturen: 9 Uhr Frühstück, 12 Uhr Mittagessen, 15 Uhr Kaffee.”

Außerdem sei es gut, demenzkranken Menschen sinnvolle Aufgaben zu geben. “Zum Beispiel beim Kochen helfen, Kartoffeln schälen oder miteinander spazieren gehen oder singen.” Rituale geben Halt und Orientierung – etwa vor dem Essen zu beten. Die Alzheimer Gesellschaft empfiehlt außerdem Gesellschaftsspiele, Kreuzworträtsel machen oder Filme schauen.

Was passiert, wenn Sie selbst erkranken? Sprechen Sie mit der Pflegekasse oder einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe darüber. Klären Sie mit Familienmitgliedern, Freunden oder Nachbarn ab, wer die Betreuung im Ernstfall übernehmen könnte.

Wichtig ist, dass die Zuständigen dann die Kontaktdaten der Pflegekasse haben, den Medikamentenplan kennen und Zugang zu wichtigen Dokumenten haben (zum Beispiel Arztbriefe). Wenn Sie sich um eine Person mit Demenz kümmern, sollten Sie sicherheitshalber vorab den Informationsbogen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zur Aufnahme ins Krankenhaus ausfüllen: Darin können Sie Gewohnheiten und Besonderheiten beschreiben (etwa nächtliche Unruhe).

Gespräche mit Gleichgesinnten können helfen. In Corona-Zeiten treffen sich viele Selbsthilfegruppen nicht mehr – manche pflegende Angehörige tauschen sich aber weiterhin telefonisch aus, erzählt Maria Faber von der AWO in München. Auch virtuelle Gespräche sind möglich: zum Beispiel in der größten Facebook-Gruppe von pflegenden Angehörigen, die zum Beisammensein über Zoom einlädt, oder über die App für pflegende Angehörige “In Kontakt”.

Beratungsstellen sind telefonisch weiter für Sie da. Zum Beispiel Fachstellen für pflegende Angehörige oder Institutionen wie die Alzheimer Gesellschaft. Bei aggressiven Gedanken und Konflikten zu Hause kann man sich bei “Pflege in Not” melden – das Projekt hat sein Angebot für die Corona-Krise ausgebaut. Bei der Telefonseelsorge können Sie darüber sprechen, was Sie belastet; “Silbernetz” ist eine Hotline für einsame ältere Menschen.

Auch wenn Sie jetzt gerade viel um die Ohren haben – planen Sie zumindest einmal am Tag etwas Schönes für sich ein. Nutzen Sie dafür bewusst die Ruhezeiten der pflegebedürftigen Person – aber nicht, um Hausarbeiten zu machen. “Stärken Sie sich selbst, schauen Sie, dass Sie bei Kräften bleiben, nutzen Sie Kontakte zu anderen”, sagt die AWO-Pflegeberaterin Maria Faber. “Und haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie mal rausgehen – die Kräfte müssen erhalten bleiben.”

Sie singen einmal pro Woche im Chor? Halten Sie die Stunde ein, aber üben Sie die Stücke daheim. Treffen Sie sich zum virtuellen Kaffeetrinken mit der Freundin am Sonntagvormittag. Maria Faber rät zu Sport- oder Entspannungsprogrammen im Fernsehen und Internet. Und wen die aktuelle Nachrichtenlage zu sehr beunruhige, der solle einfach mal “Corona-Nachrichten-Fasten”.

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