Plötzlich ohne Gage: Wie das Coronavirus Künstler trifft – Top Meldungen

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Auf Kulturschaffende wirkt sich die Corona-Krise besonders dramatisch aus. Sie dürfen nicht auftreten und haben oft keine soziale Absicherung. Einige haben nun kreative Ideen entwickelt, wie sie trotzdem Geld verdienen können.

Dem Münchner Musiker Titus Waldenfels sind von einem Tag auf den anderen alle Einnahmen weggebrochen. Das hat der selbstständige Künstler in über 25 Jahren noch nicht erlebt.

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Eigentlich hätte Titus Waldenfels den ganzen April über mit Gitarre, Violine oder Banjo auf der Bühne stehen sollen. Nun hat er mehr Zeit, als ihm lieb ist. Denn wegen der Corona-Pandemie darf der Musiker nicht mehr auftreten, weder auf öffentlichen Bühnen noch bei privaten Feiern. “Alles wurde komplett abgesagt und ich gebe auch keinen Unterricht mehr. Ich bin auf null”, erklärt Titus Waldenfels.

Anfangs stand er regelrecht unter Schock. Sein durchschnittliches Monatseinkommen liegt in der Regel bei rund 3.000 Euro. “Ein, zwei Monate kann man das noch wegstecken, aber ab dann ist es total existenziell”, sagt Titus Waldenfels. Seine Auftritte sind seine Lebensgrundlage und seine Rücklagen kann er nicht völlig aufbrauchen. “Es kann ja auch sein, dass ich krank werde. Ich brauche mir nur die Hand zu brechen und ich bin drei Monate spielunfähig. Dafür brauche ich ja auch noch Rücklagen.”

Solo-Selbstständige wie Titus Waldenfels bekommen vom Staat Soforthilfe, heißt es. Die hat er bereits beantragt. Außerdem steht er mit anderen Künstlern im ständigen Austausch. Aber noch ist ihm nicht klar, wie viel Geld er vom Staat wirklich bekommt. Die angekündigte unbürokratische Soforthilfe erscheint ihm doch recht bürokratisch.

Als Solo-Selbständiger hat er aber natürlich laufende Kosten wie Miete, Krankenversicherung und Auto, die er bezahlen muss. Eine Möglichkeit wäre für ihn, Harzt IV zu beantragen. “Aber da darf man ja nichts dazuverdienen und ich habe ja ein bisschen Einnahmen online”, erklärt Titus Waldenfels das Problem. “Eine einmalige Leistung wäre eine feine Sache, als Überbrückungshilfe. Aber viel entscheidender ist das Langfristige.”

Nachdem alle Kultur- und Spielstätten wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind, geht es vielen Künstlern ähnlich wie Titus Waldenfels. Auch der Kabarettist und Musiker Ecco Meineke hängt momentan völlig in der Luft. Er ist auf vielen Bühnen Münchens zuhause. Sieben Jahre lang gehörte er zum festen Ensemble der renommierten Lach- und Schießgesellschaft in Schwabing. Jetzt weiß er nicht, wie er in den nächsten Wochen über die Runden kommen soll. Er schwankt zwischen Verständnis und Ärger. “Was es überhaupt heißt, so einen Auftritt zu bekommen, weiß kaum jemand”, sagt Ecco Meineke. “Wenn ich heute einen Veranstalter anrufe, dann kommt der Auftritt erst ein Jahr später zustande.”

Ecco Meineke ist es gewohnt weit im Voraus zu planen und sich nicht nur auf ein Standbein zu verlassen. “Aber alle meine Standbeine sind im Wesentlichen mit einem Kontakt zum Publikum verbunden.” Seit Jahren gibt er zusätzlich zu seinen Auftritten auch Salsa-Unterricht. Noch in diesem Monat hätte er ein mehrtägiges Seminar geleitet, das jetzt abgesagt ist.

Auch Regensburg ist für sein vielseitiges kulturelles Angebot bekannt. Das ganze Jahr über treten unzählige Künstler auf großen und kleinen Bühnen auf, wie in dem alteingesessenen Statt-Theater. Eine von den drei Teilhaberinnen ist die Kabarettistin Inge Faes, die mittlerweile in ihrem eigenen Wohnzimmer probt.

Noch hofft sie mit ihrem Ensemble, dass die Premiere eines neuen Stücks Ende April stattfinden kann. Bis dahin muss der Auftritt zuhause geübt werden.

Hinzu kommt, dass Inge Faes vor kurzem am Knie operiert wurde und sie schlecht laufen kann. Momentan erledigen Nachbarn den Einkauf für sie. Diese Solidarität in der Not von Balkon zu Balkon ist derzeit ihr einziger sozialer Kontakt. Auch finanziell ist ihre aktuelle Situation eine Herausforderung. “Das wird ans Eingemachte gehen. Man muss an seine Reserven, die eigentlich anderweitig verplant waren”, sagt Inge Faes.

Um nicht alle seine Reserven aufbrauchen zu müssen, hat sich Titus Waldenfels eine neue Einnahmequelle überlegt. Er bietet Wohnzimmerkonzerte auf Youtube und in sozialen Medien gegen einen freiwilligen Beitrag, eine Art Spende. Der Zuschauer zahlt so viel, wie er möchte. Sängerin Andrea Pancur unterstützt ihn musikalisch. Auch ihr sind alle Einnahmen weggebrochen und ihre Nerven liegen blank.

“Ich bin unverschuldet in der Notsituation, dass ich meinen Beruf aufgeben muss”, sagt Andrea Pacur. Die gestreamten Konzerte sind auch ein Hilferuf der beiden Künstler. “Es ist kein Spaß, es ist unsere Arbeit und ich erwarte einfach, dass die Menschen bereit sind, dafür zu zahlen, was es ihnen wert ist”, erklärt Titus Waldenfels.

Rund 1,6 Millionen Kreativschaffende gibt es in Deutschland. Jeder weitere Tag ohne Auftritt bringt die Künstler stärker in Existenznot und die Ausgangsbeschränkungen gelten aktuell noch bis zum 19. April.

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“Auf Null”: Alle Auftritte wegen Coronavirus abgesagt

Staat zahlt Solo-Selbstständigen Soforthilfe

Künstlerszene vor finanziellen Herausforderungen

Proben zuhause statt auf der Bühne

Alternative Einnahmequellen

Plötzlich ohne Gage: Wie das Coronavirus Künstler trifft

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