Queere Menschen: Hass-Kriminalität in Bayern nimmt zu – Top Meldungen

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Um mehr als 60 Prozent sind laut dem Bundesinnenministerium Straftaten gegen queere Menschen gestiegen. In Bayern würden die Vorfälle von der Polizei nicht entsprechend dieser Bezeichnung zugeordnet kritisieren Aktivisten.

“Queer” ist eine Sammelbezeichnung für Homo-, Bi-Sexuelle und Transgender: Ann-Kathrin Bürger gehört zu dieser Gruppe. Wenn sie die Straße in der Nähe der Sport-Anlage Süd in Augsburg entlang geht, beschleicht sie noch immer ein Gefühl der Angst: Vor einem halben Jahr ist die 32-Jährige hier von einer Gruppe Jugendlicher am späten Abend angegriffen worden: “Ich habe dann nur auf dem linken Knie einen Schlag gespürt gehabt, im nächsten Moment habe ich schon einen Schlag auf dem Hinterkopf bekommen, danach weiß ich die nächsten zehn Minuten nichts mehr.”

“Dumme Transe, du brauchst nur mal einen echten Mann” – solche Sprüche oder böse Blicke, die bekommt die junge Frau immer wieder. Vor zwei Jahren hat sie ihren männlichen Namen abgelegt, ein langer Prozess: Zwei unabhängige Psychologen mussten bestätigten, dass sie psychisch gesund ist, sich ihre Transsexualität nicht irgendwie einbildet.

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Das alles sei eh schon eine anstrengende Prozedur, meint Ann-Kathrin. Noch dazu kommt, dass sich viele queere Menschen auch in den eigenen vier Wänden nicht vor Anfeindungen sicher sind: Computer hochgefahren, auf Facebook geklickt, und schon prasseln Hass-Kommentare auf Ann-Kathrin ein.

“Da hätten die besser die Nachgeburt groß gezogen und den Rest entsorgt”, hat ein User geschrieben. Wenn sie solche Kommentare bekommt, findet sie Unterstützung in ihrem Umfeld, sagt Ann-Kathrin: “Da helfen, um Angst und den ersten Schock zu überwinden, sehr viele Freunde. Wenn man die nicht hat, und man das immer weiter in sich hinein frisst, dann überlegt man, ob man auf dieser Welt falsch ist. Morddrohungen führen oft dazu, dass man Suizidgedanken hat.”

Gegen solche Hass-Kommentare und Gewalt muss konsequenter vorgegangen werden, meint der Lesben- und Schwulenverband. Seit Jahren fordere er einen Aktionsplan von der bayerischen Staatsregierung, sagt Markus Apel vom Lesben- und Schwulen Verband Bayern: “Da gibt es eine große Lücke, die auch für queere Menschen in Bayern spürbar ist. Diese Aktionsprogramme haben in allen Bundesländern außer in Bayern dazu geführt, dass sich die Landesregierung, aber auch die Bevölkerung stärker mit diesem Thema auseinandersetzt und dass das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in breiteren Teilen des gesellschaftlichen Lebens einen Platz finden.” Beispielsweise bei der Aufklärungsarbeit in Schulen, aber auch bei der Polizei.

Einen solchen Aktionsplan hält die Staatsregierung zwar weiterhin für nicht notwendig, aber auch sie sieht Handlungsbedarf. Sozialministerin Carolina Trautner sagt, dass sie jetzt schnell Unterstützung für quere Menschen bieten will: “Eine Möglichkeit gibt es jetzt bereits. Eine Hotline für queere Menschen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, oder häuslicher Gewalt geworden sind, die sich hier beraten lassen können und Unterstützung suchen.” Diese Hotline käme vor allem auch Menschen im ländlichen Raum zugute.

Dort, im ländlichen Raum, gibt es ausgesprochen wenig Beratungsmöglichkeiten: Im vergangenen Sommer hat sich der Verein Queer Niederbayern gegründet – die einzige Anlaufstelle weit und breit, sagt Marlene Schönberger, eine der beiden Vereins-Vorsitzenden: “Wir möchten queeren Menschen ein Angebot machen – sich zu vernetzen, Zugang zu Bildungsarbeit geben, und wollen, dass Eltern, Arbeitgeberinnen, zu uns kommen können und ihre Fragen stellen können.”

Ihrer eigenen Erfahrung nach ist die Akzeptanz für queere Menschen auf dem Land häufig nicht groß. Zum Beispiel auf Dorffesten: “Ich glaube, wenn zwei Männer sich da küssen oder Händchen haltend über ein Fest gehen, würden sie Schläge kassieren. Es ist einfach so, dass man sowas da nicht sieht. Es ist einfach nicht existent, während sich heterosexuelle Paare küssen.”

Gerade auf dem Land ist die Akzeptanz für quere Menschen noch nicht all zu groß. Das kann auch daran liegen, dass es kaum Strukturen gibt – der noch nicht mal ein Jahr alte Verein Queer Niederbayern arbeitet komplett ehrenamtlich.

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