Rächt sich das “Aus” kleiner Krankenhäuser in der Corona-Krise? – Top Meldungen

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In der Corona-Krise kommt es auf jedes freie Intensiv-Bett an. In den vergangenen Jahren wurden aber viele kleinere Krankenhäuser geschlossen – auch aus wirtschaftlichen Gründen. Passt diese Überlegung noch zur aktuellen Situation?

Täglich hört man, wie wichtig es ist, dass genügend Intensiv-Betten in den Krankenhäusern vorhanden sind, um Covid-19-Erkrankte behandeln zu können. Wie passt es dann dazu, dass in den letzten Jahren viele kleine Krankenhäuser schließen mussten? Rächt sich das jetzt? Oder sind geplante Behelfskrankenhäuser genauso gut? Denn während in China neue Krankenhäuser gebaut und in Spanien Messehallen zu Behandlungsstationen umfunktioniert werden, sollen in Bayern 26 Behelfskrankenhäuser entstehen.

Der Arzt und Lungenspezialist Peter Pommer aus Parsberg (Lkr. Neumarkt i.d. Oberpfalz) hält es für die bessere Lösung, geschlossene Intensivstationen wieder in Betrieb zu nehmen.

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Pommer hat lange Zeit als Arzt im Kreiskrankenhaus in Parsberg gearbeitet. Die dort noch immer vorhandene Intensivstation hat laut Pommer eine Kapazität von sechs Betten inklusive Beatmungsgeräten – all das werde nicht mehr genutzt. Vieles, was in Behelfskliniken undenkbar ist, könnte hier aber geleistet werden, sagt Pommer. Es handle sich um ein voll funktionsfähiges Krankenhaus. Mediziner könnten sogar Patienten im künstlichen Koma invasiv beatmen. In einer Turnhalle sei das nicht möglich, so Pommers Kritik.

Dass das Krankenhaus geschlossen werden musste, lag zum einen am Personalmangel und zum anderen am geringen Patientenaufkommen, schreibt das Landratsamt Neumarkt auf BR-Nachfrage.

Das Ende der Parsberger Klinik ist dabei kein Einzelfall: Laut Statistischem Bundesamt gab es vor 20 Jahren noch knapp 2.000 Akutkrankenhäuser in Deutschland. Übriggeblieben sind nur noch rund 1.600. Und folgt man einer jüngst veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung, sind auch das noch immer zu viele: 600 große Krankenhäuser seien effizienter.

Diese Sichtweise könnte sich in der aktuellen Krise rächen: Das Kreiskrankenhaus Parsberg könnte zur Notfallversorgung in der Region und zur Entlastung großer Kliniken beitragen – insbesondere bei Corona-Fällen.

Auch in Parsberg sollen Covid-19-Patienten behandelt werden. 20 Beatmungsgeräte wurden dafür angeschafft. Diese Geräte sollen jedoch im benachbarten Bezirksklinikum eingesetzt werden. Lungenspezialist Pommer hält das für keine gute Lösung: Im Bezirksklinikum würden Tuberkulose-Patienten, die teils uneinsichtig seien, unter strenger Aufsicht behandelt. Es sei hygienisch unmöglich, dass das Pflegepersonal zwischen diesen Patienten und den Corona-Patienten hin und her wechselt. “Das wäre hygienisch ein GAU”, so Pommer.

Er plädiert deshalb dafür, das leerstehende Krankenhaus Parsberg wieder in Betrieb zu nehmen. In weniger als zwei Tagen wäre die dortige Intensivstation wieder einsatzbereit. Aus dem Landratsamt heißt es aber, es gebe kein Personal, um das Kreiskrankenhaus wieder in Betrieb zu nehmen. Selbst wenn Verbände wie zum Beispiel der Katastrophenschutz oder das Technische Hilfswerk die Klinik mit Mitarbeitern versorgen würden: Es sei schwierig, Personal zu finden, das in der Lage ist, Covid-19-Patienten zu beatmen.

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