Rasanter Wandel der jungen chinesischen Fotografie – Top News

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Aysegüli Cihangir arbeitet in der Münchener Alexander Tutsek-Stiftung, die der jungen chinesischen Fotografie eine Ausstellung mit dem Titel “About us” – “Über uns” gewidmet hat.

Im Fokus: Eine Generation junger Fotokünstler, die anders als der Titel erwarten lässt, nicht ihren Alltag dokumentieren, sondern in zumeist aufwändigen Inszenierungen zwischen Coolness und Konfusion, zwischen Isolation und Rollenmustern oder zwischen schmerzvoller Provokation und surrealer Verspieltheit nach Identität suchen.

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Lieber fluid als rigid, sagt Aysegüli Cihangir: “Unser Titelmotiv ist ein junger Mann, der auf dem Sofa sitzt, die Beine übereinander geschlagen hat, hinter ihm eine knallpinke Tapete.

Er ist offenkundig maskiert, er hat ein Kostüm an, er hat eine Perücke in der Hand, einen schönen Ring am Finger, er inszeniert sich selbst.

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Kein Land hat sich in den letzten Jahren so explosionsartig verändert wie China.

Die Ausstellung “About Us” in der Alexander Tutsek-Stiftung in München versucht nun, diesen Wandel aus dem Blickwinkel junger Fotografen einzufangen.

In starker Krümmung liegt ein nackter Mann auf dem kalten Kachelboden und schmiegt sich, soweit es der Körper zulässt, um die Ecke einer quadratischen, mit Stoff überzogenen Platte.

Der Fotograf und Lyriker Ren Hang, ein etablierter Künstler, der sich 2017 in Peking als knapp Dreißigjähriger das Leben nahm, hat eine Vorliebe für akrobatische und exzessive Posen.

Wie sonst könnte der Körper auf die allgegenwärtige vorgefasste Ordnung in China antworten? Auf die Maßregelungen des Volkskörpers? “Die Fotos sind wahnsinnig komponiert”, sagt die Kunsthistorikerin Aysegüli Cihangir.

“Es ist eine ganz krasse Farbigkeit, die auch sehr grell ist, es ist stark ausgeleuchtet und ja, diese Menschen werden arrangiert, mal in der Natur, mal im Stadtraum, dann in Innenräumen und dann gibt es auch einzelne Portraits wie in einer Studiosituation.

Eine Suche, die auch zurückführen kann in die Vergangenheit.

Der Künstler Cai Dongdong etwa hat Hunderte von alten chinesischen Passfotos zu einem Türvorhang verknüpft, wie sie im Süden üblich sind, um Fliegen fernzuhalten.

Lauter ernste, strenge, oft traurige Gesichter, Zeugen eines entbehrungsreichen Lebens.

Wer durch die Tür gehen will, muss die Gesichter zur Seite schieben.

“About Us” erzählt von Privatheit, von den Rändern der Gesellschaft, von fragmentierter Erinnerung oder künstlerischer Existenz.

Themen, die so oder anders auch gerne in der Fotografie des Westens verhandelt werden.

Überraschend ist bisweilen die Radikalität der Bildinszenierung, die Lust am Arrangement, am Ausschmücken der Fotografien, die in ihrem dramatischen Auftritt hier und da zu kleinen Peking-Opern auswachsen.

Zwischen Zweifel und Ambition

Ein Spiel zwischen männlich und weiblich, in dem sich Wünsche und Ängste artikulieren, Zweifel und Ambition.

Rongui Chen ist ein Storyteller, seine Fotografien erzählen von den Kindern der Arbeitsmigranten in heute verwahrlosten, einst von wohlstandsverheißender Schwerindustrie geprägten Städten in Chinas Nordosten.

Seine Bilder erheben keineswegs soziale Anklage, es geht Rongui Chen vielmehr um den Zwiespalt Gehen oder Bleiben, Dazugehören oder Vereinzelung, urban Crazy-Sein oder allein, sagt Aysegüli Cihangir: “Also der gemeinsame Nenner, könnte man sagen, ist die Suche nach der eigenen Identität.

Und zwar in einer sich rasant wandelnden Gesellschaft.

Wo kein Stein auf dem anderen bleibt, wollen die Künstlerinnen und Künstler versuchen, sich selbst zu verankern.

Es geht vielleicht irgendwie um die Findung des Selbst, wer bin ich in der Gesellschaft, wo ist mein Platz.

Kein Land hat sich in den letzten Jahren so explosionsartig verändert wie China.

Die Ausstellung “About Us” in der Alexander Tutsek-Stiftung in München versucht nun, diesen Wandel aus dem Blickwinkel junger Fotografen einzufangen.

Rasanter Wandel der jungen chinesischen Fotografie

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