“Rausschmeißen kann mich nur das Publikum”: Gottschalk ist 70 – Top News

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Auf dem Weg zum Abitur am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium bleibt Thomas zweimal sitzen.

“Du bist stinkfaul“, schimpft Mutter Rutila, doch sein Deutschlehrer merkt schon sehr früh, dass Thomas es meisterhaft verstehe, “eine weitgehende Leere durch sprachlich hohes Niveau zu überdecken”.

So inspiriert er ihn ungewollt fürs restliche Leben: “Dieser Satz brachte mich auf die Idee für mein späteres Berufsmodell.

” Das Abi besteht Gottschalk mit Hängen und Würgen, obwohl er bei der Mathematik-Klausur mehrere leere Blätter abgab, nur auf einem stand in lupenreinem Latein “Quod erat expectandum (Was zu erwarten war)!”

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Heute feiert Thomas Gottschalk seinen 70.

Geburtstag.

Lange vor “Wetten, dass.

.

?” begann Deutschlands bekanntester Entertainer seine Karriere als Radiosprecher beim BR.

Erinnerungen an Gottschalks Anfänge im BR von Ulli Wenger.

“Man merkt es Euren Diskjockeys an, dass Ihr sie per Fragebogen sucht!” So frech bewirbt sich der Kulmbacher Schüler Thomas Gottschalk im Sommer 1970 als Sprecher beim Bayerischen Rundfunk.

20 Jahre zuvor wird er an Christi Himmelfahrt in Bamberg geboren, weil sein Vater unbedingt im Kreißsaal dabei sein will.

In Kulmbach, dem Wohnsitz von Rechtsanwalt Gottschalk, ist das damals noch nicht erlaubt.

Zum 70 .

Geburtstag von Thomas Gottschalk zeigt das BR Fernsehen in der Sendereihe “Lebenslinien” ein Porträt über Kulmbachs berühmtesten Sohn.

In der BR Mediathek ist “Der Thommy von nebenan” zu sehen.

!

Seine erste eigene Sendung, “Pop nach acht” in Bayern 3, startet am 2.

Mai 1977: “Die Verantwortlichen werden sich gedacht haben: Nach 20.

00 Uhr kann er keinen großen Schaden anrichten”, vermutet sein langjähriger Freund Fritz Egner.

Binnen kürzester Zeit hängt die bayerische Jugend an Gottschalks Lippen.

Er braucht kein Manuskript, plaudert fröhlich vor sich hin, so wie ihm der Schnabel gewachsen ist, erfüllt Musikwünsche und hilft sogar bei Liebeskummer.

Deutschlehrer inspiriert ihn ungewollt

Star der bayerischen Jugend

Fauxpas beim Talk empört Rundfunkrat

Schnodderschnauze kommt in höheren BR-Etagen gut an

1979 startet Gottschalk mit Jauch

Gottschalk soll Konkurrenz vom Privatradio in Schach halten

Gottschalk-Jauch-Gespräche bis heute Radiokult

BR-Comeback für knapp sieben Jahre

Kurz darauf zieht er nach München und wird Stationssprecher bei Bayern 3.

Nicht unbedingt zur Freude der Wellenleitung, weil er ziemlich respektlos mit den Verkehrsmeldungen umgeht: “A9 von München in Richtung Nürnberg fünf Kilometer Stau vor der Abfahrt Eching.

Wegen Ikea dort, wird sicher bald Elching heißen!” Durch solche lockeren Sprüche wird Bayern 2 auf ihn aufmerksam und lässt ihn auch dort ans Mikrofon: “Frisch aus der Presse” und “Disco 2” heißen die Sendungen, in denen er Platten auflegen und sich freischwimmen kann.

Um einer offiziellen Beschwerde zuvorzukommen, schreibt Gottschalk sofort eine Entschuldigung an den Intendanten: “Eine bewusste Verblödelung oder gar Diffamierung der Widerstandskämpferin” habe nicht in seiner Absicht gelegen.

Zudem weist er darauf hin, dass ihm die Formulierung “den Kragen kosten” zur Ehrenrettung von Sophie Scholl “sicher nicht geeignet” erscheint.

Heute feiert Thomas Gottschalk seinen 70.

Geburtstag.

Lange vor “Wetten, dass.

.

?” begann Deutschlands bekanntester Entertainer seine Karriere als Radiosprecher beim BR.

Erinnerungen an Gottschalks Anfänge im BR von Ulli Wenger.

Nur einmal vergaloppiert er sich beim Talk mit dem Klassensprecher des Münchner Sophie-Scholl-Gymnasiums und erklärt die Namensgeberin spaßeshalber zur Erfinderin der Gesundheitsschuhe von Dr.

Scholl’s Fußpflege.

Prompt meldet sich ein empörter Rundfunkrat im Studio und spricht von einem Skandal, der diesem Moderator “den Kragen kosten” müsse.

Dass er ein Ausnahmetalent ist, wird auch offiziell gewürdigt: 1978 erhält Gottschalk den Kurt-Magnus-Preis als “überdurchschnittlich befähigter Mitarbeiter des Hörfunks”.

Klingt holprig, bestätigt ihn aber in seinen Kurs: “Jetzt hab ich’s amtlich, dass ich am Mikro ungewohnte, lockere Töne anschlagen darf!” Spätestens jetzt verstummen die Kritiker in den höheren BR-Etagen und sehen ein, dass seine Schnodderschnauze gut ankommt.

Im April 1979 startet das legendäre “B3-Morgentelegramm”.

Einer der Gründer ist der damals 23-jährige Günther Jauch.

Er interviewt Politiker und spricht mit Korrespondenten, zwischendurch läuft Musik.

Für die ist Gottschalk zuständig, “weil seine Kollegen zu faul waren”, erinnert sich Jauch.

So steht also ein vom Vorabend völlig übermüdeter Gottschalk in der Senderegie und legt die passenden Platten auf, während der junge Jauch drinnen am Studiomikrofon sitzt.

“Damit war er praktisch zu meinem Redaktionsassistenten degradiert!”

“Rausschmeißen kann mich nur das Publikum”: Gottschalk ist 70

Gottschalk gehört auch zu Deutschlands ersten Rappern, als er mit seinen Radiokollegen Frank Laufenberg (SWF 3) und Manfred Sexauer (Europawelle Saar) die deutsche Version von “Rapper’s Delight” aufnimmt und damit just an seinem 30.

Geburtstag in der deutschen Hitparade landet.

1985 starten in München die ersten Privatsender, diese Konkurrenz für Bayern 3 soll Gottschalk mit seinem Charme in Schach halten.

Sein Konzept für den Nachmittag gefällt den BR-Oberen: “Ich mach die Betreuung der schlichteren Gemüter” – gemeint sind die Frauen, die da ihren Abwasch machen.

“Dann lasst ihr den Jauch einmarschieren für die politisch Interessierten.

” Sein Freund arbeitet gerade als politischer BR-Korrespondent in Bonn, lässt sich aber gerne “in die Unterhaltung reinquatschen” und kehrt zurück in die Zentrale.

Nach dreieinhalb Jahren täglich auf Sendung legt er “Pop nach acht” an Silvester 1980 in die Hände seiner Nachfolger, weil “Wetten, dass.

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?”-Erfinder Frank Elstner ihn nach Luxemburg lockt: “Mir war völlig klar, dass der Thomas eine große Karriere machen würde.

Als ich Direktor bei Radio Luxemburg wurde, da wollte ich eben die besten Leute um mich scharen.

” 18 Monate dauert dieses “Fremdgehen”.

Im Januar 1983 sitzt Gottschalk mit “Thommys Radio-Show” wieder am BAYERN 3-Mikrofon, diesmal um die Mittagszeit.

Er plaudert über Prominente und kommentiert die wöchentlichen Soap-Folgen aus “Dallas” und vom “Denver-Clan”.

Die improvisierten Übergaben sorgen für Gesprächsstoff in ganz Bayern und sind bis heute Radiokult.

Auf vielen Autos klebt damals ein Affe mit gefletschten Zähnen und dem Motto “Die affengeile Dauerwelle”.

Der Intendant höchstpersönlich musste diesen Aufkleber genehmigen – wegen des Wortes “geil”.

Am 7.

Oktober um 14.

00 Uhr hat die legendäre “B3-Radioshow“ ihre Premiere: Gottschalk bestreitet die ersten beiden Stunden locker wie gehabt und Jauch lässt ab 16.

00 Uhr den Tag journalistisch-seriös Revue passieren.

Weil er stets gut vorbereitet ist, taucht er schon früher im Studio auf, zu einem spontanen Schlagabtausch: “Dieses unbekümmerte einfach Drauflosreden und Dummes-Zeug-Erzählen war herrlich”, schwärmt Gottschalk noch heute.

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