Stichwahl: Die Hotspots der oberbayerischen Landkreise – Top Meldungen

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In elf oberbayerischen Landkreisen ziehen die Landratsamts-Kandidaten am Sonntag in die Stichwahl. Besonders spannend wird es in den Landkreisen Erding, Miesbach und Berchtesgadener Land.

In den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau, Berchtesgadener Land, Eichstätt, Pfaffenhofen an der Ilm, Miesbach, Rosenheim, Erding, Freising, München und Starnberg geht die Wahl des Landrats am Sonntag in die zweite Runde. Weil keiner der Kandidatinnen und Kandidaten eine absolute Mehrheit für sich gewinnen konnte, sind die Bürger dieser Landkreise nun zur Stichwahl aufgerufen.

So etwas kommt nicht allzu oft vor: Im Landkreis Erding haben sich drei Gruppierungen zusammengetan, um gemeinsam den amtierenden Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) nach 18 Jahren vom „Thron“ zu stoßen.

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Bayerstorfers Kritiker werfen dem Landrat schlechten Stil und einen rauen Ton vor. Er zeige keinen Respekt gegenüber anderen Fraktionen. Seine Politik sei intransparent, offener Widerspruch werde abgestraft, Landrats- und Parteiarbeit würden vermischt. Zwei Kommunalpolitiker anderer Couleur wurden von der Kreisbehörde unter Bayerstorfer verklagt.

Vor diesem Hintergrund hat sich ein breites Parteienbündnis auf einen gemeinsamen Gegenkandidaten verständigt: Hans Schreiner, bis Ende April noch Bürgermeister von Bockhorn. Zunächst haben ihn die Freien Wähler aufgestellt. Anschließend wurde er auch von SPD und Grünen nominiert.

Leicht dürfte es Hans Schreiner als Herausforderer von Martin Bayerstorfer jedoch nicht haben. Der amtierende Landrat von der CSU hat mit einigen Pluspunkten aufzuwarten: Der Landkreis Erding, in dem auch etwa die Hälfte des Münchner Flughafens liegt, ist wirtschaftlich gut aufgestellt. Die Gewerbesteuereinnahmen zum Beispiel haben sich in zehn Jahren fast verdoppelt. Auch hat es der Landkreis als einziger in ganz Bayern geschafft, dass die bereits geschlossene Geburtsstation in Erding wiedereröffnet wurde. Im Zuge seiner Gesundheitsoffensive hat der Landkreis Erding das Siegel „Gesundheitsregion“ verliehen bekommen.

Im ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen kam Herausforderer Hans Schreiner auf fast 45,5 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Bayerstofer verfehlte die absolute Mehrheit mit 48,9 Prozent nur äußerst knapp. Beiden Kandidaten fehlt also nicht mehr viel, um am Sonntag das Rennen für sich zu entscheiden. Die restlichen Stimmen im ersten Durchgang hatte ein AfD-Kandidat bekommen.

Im Landkreis Miesbach ist alles offen. Zwar hat der CSU-Anwärter Olaf von Löwis die bessere Ausgangsposition. Im ersten Wahldurchgang holte er knapp 36,8 Prozent der Stimmen. Für seinen Konkurrenten von den Grünen, den Amtsinhaber Wolfgang Rzehak, stimmten 27,4 Prozent. Doch Rzehak kennt diese Situation. Auch vor sechs Jahren ging er als Zweitplatzierter in die Stichwahl – und wendete das Blatt.

Traditionell ist der Landkreis Miesbach Kernland der CSU. Bei der letzten Kommunalwahl im Jahr 2014 stolperte der langjährige CSU-Landrat Jakob Kreidl jedoch über die Miesbacher Sparkassen-Affäre. Auslöser der Affäre war Jakob Kreidls 60. Geburtstagsfeier im August 2012. Im Wasmeier-Museum am Schliersee feierte er gemeinsam mit 460 teils prominenten Gästen. Monate später kam heraus: Einen Großteil der Kosten übernahmen die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und das Miesbacher Landratsamt. Im April 2019 verurteilte das Landgericht München Kreidl zu elf Monaten Haft auf Bewährung.

So regierte die letzten sechs Jahre der grüne Landrat Wolfgang Rzehak den traditionell konservativen Landkreis Miesbach. Auch dort zeigen sich viele offen für grüne Ideen, wie die Energie- oder die Verkehrswende. Die SPD im Landkreis hat den Grünen für die nun anstehende Stichwahl schon ihre Unterstützung zugesagt. Doch auch der CSU-Kandidat Olaf von Löwis setzt auf grüne Themen, etwa weniger Verkehr. So entscheidet sich die Wahl zwischen einem grünen Konservativen und einem konservativen Grünen.

Im Landkreis Berchtesgadener Land tritt ein CSU-Bürgermeister gegen einen Unternehmer von den Grünen um das Amt des Landrats an. Bernhard Kern (CSU), seit 2014 Bürgermeister der Gemeinde Saaldorf-Surheim bekam bei der Wahl vor zwei Wochen 41,9 Prozent der Stimmen. Sein Kontrahent Bartl Wimmer (Grüne) erhielt 25,8 Prozent. Der Arzt hat das nach Firmenangaben größte medizinische Labor Europas mit aufgebaut und ist heute in dessen Aufsichtsrat.

Bei den Grünen ist Wimmer seit 1984 in seiner Heimatgemeinde Berchtesgaden und Fraktionssprecher im Kreistag. Auch Bernhard Kern engagiert sich seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik, vor seinem Bürgermeisteramt war er zwölf Jahre im Gemeinderat. Seit seiner Gründung 1972 regierten im Landkreis Berchtesgadener Land ausschließlich CSU-Landräte. Die spannende Frage ist, ob das auch so bleibt.

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