Treu als Freundin und stark im Urteilen: Hannah Arendt im DHM – Top News

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Auf einem frühen Foto der Studentin ist die funkelnde Präsenz zu erkennen, die ihren Marburger Professor Martin Heidegger in den Bann zog.

“Das Dämonische hat mich getroffen”, schreibt der verheiratete Heidegger 1925 in winziger Handschrift an das Fräulein Arendt.

Hannah Arendt entzieht sich und wählt Karl Jaspers als ihren Doktorvater.

Nach dem Krieg hat sie beide wieder besucht, obwohl Heidegger sich 1933 zum Nationalsozialismus bekannt hatte.

Die streitlustige und urteilsfreudige Denkerin war eine treue Freundin, wie die vielen Fotos beweisen, die sie mit ihrer Minox-Kamera machte.

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“Tatsächlich war Treue für sie ein ganz wichtiger Begriff”, sagt Monika Boll.

Weil die Treue zu einem Freund und die Treue der Freunde war ein Ausweis der Beständigkeit des Lebens.

Und eine Bestätigung dessen, was vielleicht früher einmal war.

“Das Zigarettenetui, das man dort sieht, ist deshalb interessant, weil für Arendt Rauchen und Denken einfach zusammen gehören.

Das war für sie wie die Aktentasche auch ein Arbeitsutensil.

Das Rauchen, das Inhalieren und Ausrauchen gehört zum Fassen der Gedanken dazu”, sagt Boll.

Denken, Verstehen, Schreiben.

“Hannah Arendt und das 20.

Jahrhundert“ führt vorbei an verschiedenen Nuancen der Denkerin.

“Aber das Wort Jude muss doch irgendwie im Untertitel erscheinen”, schreibt Hannah Arendt 1959 verwundert an ihren Lektor beim Piper Verlag.

Dieser wollte ihre Biografie zu Rahel Varnhagen etwas verdruckst “Eine Lebensgeschichte” nennen.

Ihr erstes Manuskript davon hatte Hannah Arendt auf die Flucht mitgenommen und in den Vereinigten Staaten fertiggestellt.

Früher – heißt, ehe sie 1933 als Jüdin Deutschland verlassen musste, die knappe Mitteilung ihrer Ausbürgerung liegt in einer Vitrine aus.

Knapp dreißig Jahre später klingt die Sprache der Nationalsozialisten anders.

Da stammelt Adolf Eichmann beim Verhör der israelischen Polizei.

Der Mann, der mit seiner Unterschrift Millionen in den Tod geschickt hatte, windet sich und klagt.

Eine Seite des Protokolls liegt im DHM aus.

Hannah Arendts Bericht vom Eichmann Prozess in Jerusalem 1961 löst von all ihren Urteilen die größte Kontroverse aus.

Sie ist zu dieser Zeit arriviert, Professorin in Princeton und gestaltet bewusst ihr öffentliches Image als weibliche Intellektuelle in einer Männerwelt, sagt Monika Boll.

Davon geben Nerz, Cape, Brosche, Lederaktentasche und Zigarettenetui einen Eindruck.

Die Ausstellung: Hannah Arendt und das 20.

Jahrhundert ist ab 11.

5.

im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen, geöffnet ist dort wieder täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr.

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Wie Helmut Schmidt war Hannah Arendt fast nur mit Zigarette anzutreffen: Die war ihr ein Arbeitsutensil beim Denken.

Das Deutsche Historische Museum widmet der so streithaften wie umstrittenen Intellektuellen des 20.

Jahrhunderts eine große Schau.

“Nun das Wagnis der Öffentlichkeit scheint mir klar zu sein: Man exponiert sich im Lichte der Öffentlichkeit und zwar als Person”: Am Eingang der packenden Ausstellung im Deutschen Historischen Museum sind Ausschnitte aus einem Gespräch zwischen Hannah Arendt und Günter Gaus zu sehen.

Selbst in den kurzen Sequenzen blitzt Hannah Arendts Geisteswitz auf, ihre Lust am Wortgefecht.

Die Kuratorin Monika Boll legt den Schwerpunkt ihrer Schau deshalb auf die Urteile von Hannah Arendt.

“Dieses, sich mit der ganzen eigenen Person öffentlich zu exponieren, das war für sie das Urteilen.

Und das Urteilen war ja auch etwas durchaus Riskantes, was ihr bewusst war.

Also erstens gibt es keine festen Leitlinien, an denen entlang man urteilen kann.

Das nennt sie ja auch das Denken ohne Geländer und dann kann man beim Urteilen ja auch die Folgen nicht abschätzen”, sagt Boll.

Den Bericht über den Eichmann-Prozess schreibt Hannah Arendt zunächst für den New Yorker in englischer Sprache.

Als sie ihre These von der “Banalität des Bösen” entwickelt, wird ihr vorgeworfen, weder den Prozess noch den Angeklagten ernst zu nehmen.

Golo Mann tadelt in schulmeisterlich gespreizten Sätzen den sarkastischen Ton ihres Textes.

Dagegen könne sie nichts machen, antwortet Hannah Arendt später bei Günter Gaus:” Ich weiß aber eine Sache: Ich würde wahrscheinlich noch drei Minuten vor dem sicheren Tode lachen.

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Stark im Urteilen und treue Freundin

Rauchen und Denken gehören für Arendt zusammen

Wie Helmut Schmidt war Hannah Arendt fast nur mit Zigarette anzutreffen: Die war ihr ein Arbeitsutensil beim Denken.

Das Deutsche Historische Museum widmet der so streithaften wie umstrittenen Intellektuellen des 20.

Jahrhunderts eine große Schau.

Treu als Freundin und stark im Urteilen: Hannah Arendt im DHM

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