Veganismus: Wann wird Essen zur Ersatzreligion? – Top News

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Jeder Kulturkreis hat seine eigenen Speiseregeln, sagt der Theologe Kai Funkschmidt von der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen.

Essen sei kulturell verwurzelt und es sei “viel wichtiger als viele andere Dinge, die ebenfalls zu einer Kultur gehören”.

Frittierte Heuschrecken oder Froschschenkel: Essen ist in jeder Kultur stark verwurzelt.

Oft kommen auch religiöse Einflüsse dazu.

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Doch wo Religionen an Einfluss verlieren, können Ernährungsphilosophien wie Veganismus zur Ersatzreligion werden.

Frittierte Heuschrecken oder gegrillte Mehlwürmer stehen in vielen Ländern Lateinamerikas, Afrikas oder Asiens auf der Speisekarte, Froschschenkel gelten in Frankreich als Spezialität.

Wenn in China Hunde oder in Peru Meerschweinchen gegessen werden, ist das für Europäer zumindest befremdlich.

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Essen ist kulturell sehr stark verwurzelt

Christlichen Tradition: Dankbarkeit für Essen hat große Bedeutung

Essen kann zur Ersatzreligion werden

Ernährungsideologie: Wenn Veganer zu Missionaren werden

Richtige Ernährung zur Rettung der Welt

Essen stiftet Gemeinschaft.

Dazu kommt: In nahezu allen Religionen ist klar geregelt, was man essen darf und was nicht.

Genauso wie Fasten- oder Festzeiten.

Gläubige Muslime essen kein Schweinefleisch und trinken keinen Alkohol.

Mormonen lehnen Kaffee und Alkohol ab.

In östlichen und afrikanischen Religionen ist das Essen aber auch mit sozialen Regeln verbunden, beobachtet Kai Funkschmidt.

Frittierte Heuschrecken oder Froschschenkel: Essen ist in jeder Kultur stark verwurzelt.

Oft kommen auch religiöse Einflüsse dazu.

Doch wo Religionen an Einfluss verlieren, können Ernährungsphilosophien wie Veganismus zur Ersatzreligion werden.

“Die religiöse Bedeutung des Essens hat sich verschoben hin von einer kirchlichen Bezugnahme hin zu einer weltlichen Bezugnahme in dem Sinn, in dem heute Strömungen wie etwa Vegetarismus und vor allem Veganismus ja quasi religiöse Züge haben”, erklärt Hirschfelder.

Menschen, die vegan lebten, würden sehr viel darüber reden und “sie glauben auch, dass sie mit ihrem spezifischen Lebensstil die Welt retten können und dass sie davon ja den Rest der Welt bekehren müssen”, so der Anthropologe.

In der christlichen Tradition hat die Dankbarkeit für das Essen eine große Bedeutung.

Nicht nur am Erntedankfest, in vielen christlichen Familien gibt es bis heute die Tradition des Tischgebets.

Der Kulturanthropologe und Völkerkundler Gunther Hirschfelder sagt aber auch: In einer Zeit, in der Kirche und Religion an Bedeutung verlieren, lösen sich auch die Verbindungslinien zwischen Essen und Religion.

Und das hat Folgen.

Essen wird dabei zur Frage des richtigen Lebens.

Das lässt sich auch bei manchen Veganern beobachten.

Kein Ei, keine Wurst, keine Butter und kein Fisch – wie es die vegane Lebensform vorschreibt, verbindet sich dabei mit einer Lebensphilosophie und einem ideologischen Überbau, die das Leben bestimmen.

Essen kann zur Ersatzreligion werden, sagt auch Theologe Funkschmidt.

Dann, wenn die Ernährung sich mit einem Heilsversprechen verbindet.

Das beobachtet Funkschmidt beispielsweise bei der Makrobiotik.

Die Essenslehre aus Japan verspricht Gesundheit und ein langes Leben, wenn man sich nach den Regeln des Ying und Yang ernährt.

Veganismus: Wann wird Essen zur Ersatzreligion?

Das Nein zu tierischen Produkten wird zum Dogma, es geht nicht mehr nur darum, zu essen oder das Essen zu genießen, sondern um richtig oder falsch.

Gunther Hirschfelder spricht daher von einer Ernährungsideologie: Menschen, die dieser anhängen, “versuchen sehr stark von dieser Ernährung und vor allem von den Theorien auch andere Menschen regelrecht missionarisch zu überzeugen.

Und Sie glauben häufig, dass diese Verbindung von Essen und Weltdeutung alternativlos sei”.

Die Grenzen sind fließend, sagt Anthropologe Hirschfelder.

Theologe Funkschmidt sieht dann die Grenzen überschritten, wenn Essen “bestimmt, mit wem ich zusammen mein soziales Leben verbringe, wenn es bestimmt, mit wem ich zusammen essen kann, mit wem ich reden möchte und so weiter.

Vielleicht auch, mit wem ich eine Partnerschaft eingehe, mit wem ich verreise.

” Und:

Freilich gilt: Nicht jeder Veganer hat einen ideologischen Überbau und zelebriert seine Ernährungsform als Ersatzreligion.

Bleibt die Frage: Wo ist die Grenze zu ziehen? Wann nimmt die Ernährung religiöse Züge an?

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