Wegen Corona-Krise: Boom der Telemedizin – Top Meldungen

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Telemedizinische Anwendungen gibt es schon länger. Bisher spielten sie aber im deutschen Gesundheitssystem keine große Rolle. Der ansteckende Coronavirus ändert das gerade. Die Zahl der Online-Sprechstunden und Behandlungen hat extrem zugenommen.

“Sie haben also Kopfschmerzen. Können Sie mir genauer schildern, wann die auftreten?“ – Was wie ein ganz normales Gespräch zwischen dem Allgemeinarzt Nikolaus Schmidt-Sibeth und einer Patientin klingt, täuscht. Sie befinden sich zwar beide in München, sind aber kilometerweit voneinander entfernt. Sie kommunizieren über die App des Münchner Startups Teleclinic miteinander.

Vor dem Termin hatte die Patientin schon in der App einige Angaben zu ihrem Gesundheitszustand und ihrem Anliegen gemacht. Daraufhin analysierte eine Krankenschwester oder ein Medizinstudent die Angaben und ordnete sie einem Arzt mit passender Fachrichtung zu.

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Während des anschließenden Gesprächs stellt Allgemeinarzt Nikolaus Schmidt-Sibeth nicht nur Fragen, sondern bittet seine Patientin auch, ihren Kopf nach unten zu beugen, zur Kontrolle ob verstopfte Nebenhöhlen Auslöser des Kopfschmerzes sein könnten.

Einfache Untersuchen, Krankschreibungen und Rezepte ausstellen, all das geht über Telemedizin. Allerdings hat sie auch ihre Grenzen. Für Schmidt-Sibeth liegen die dort, wo man bei der telemedizinischen Behandlung feststellt, dass der Patient ernsthaft bedroht ist: “Zum Beispiel bei Herzschmerzen, Zerreißungskopfschmerzen, oder bei sehr sehr hohem Fieber.”

Dass in einfacheren Fällen, beispielsweise bei leichten Erkältungssymptomen in Nicht-Corona-Zeiten oder wenn es um die Verlängerung eines Pillenrezeptes geht, Ärzte und Patienten zusammenfinden, darum kümmert sich Teleclinic. Die Zahl der Online-Behandlungen hat seit Februar um 65 Prozent zugenommen, sagt die Gründerin: “Ich finde, dass man in Zeiten von Corona extrem gut sieht, dass es nicht sinnvoll ist, dass jeder für eine kleine Anfrage die wertvollen Ressourcen vor Ort in Anspruch nimmt, sondern dass bestimmte Dinge auch über die Ferne gehandhabt werden können.” Das sei viel effizienter und das Thema Ansteckung im Wartezimmer könne so umgangen werden.

Auch Florian Weiß, Geschäftsführer von Jameda, dem größten Ärzte und Patientenportal in Deutschland, berichtet von einem massiven Anstieg der Nachfrage nach Videosprechstunden. Das Angebot würden heute viermal so viele Ärzte nutzen wie vor der Krise, die Anzahl der Videosprechstunden habe sich versiebenfacht. “Viele Ärzte nutzen das Angebot, um mit ihren Patienten in der Krise in Kontakt bleiben zu können”, sagt Florian Weiß. Er ist fest davon überzeugt, dass die Corona-Krise den Trend zur Telemedizin hin beschleunigen wird.

Auch die Bundesärztekammer sieht diese Vorzüge, sagt Dr. Erik Bodendieck. Er ist im Vorstand der Bundesärztekammer und kümmert sich um die Digitalisierung und die Zukunft des Arztberufs. Bodendieck sieht allerdings ein Problem: “Ich habe etwas Sorge, dass telemediznische Verfahren als Zusatzleistung in Anspruch genommen werden. Das würde unser Gesundheitssystem aber personell an seine Grenzen führen.”

Telemedizinische Anwendungen sollten also tatsächlich Arztbesuche ersetzen und nicht nur die ohnehin schon hohe Versorgung ergänzen, so die Bundesärztekammer.

“Beugen Sie ihren Kopf nach unten”

Zunahme der Patienten um 65 Prozent

Jameda: Anzahl der Videosprechstunden versiebenfacht

Telemedizin sollte Arztbesuch ersetzen

Wegen Corona-Krise: Boom der Telemedizin

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