“Wer gibt mir denn vor was jetzt richtig ist und was nicht?” – Top News

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Es ist diese Perfektion, die die 44-Jährige Darstellerin auszeichnet, die ihre Figuren emotional, seismographisch erspürt, in sie eindringt – und dabei doch zugleich eigenartig kühl und auf Distanz bleibt.

So wie die Geigenlehrerin Anna Bronsky an einem Berliner Musikgymnasium im Film „Das Vorspiel“.

Hier verkörpert sie eine zugleich tragische und zerrissene Frau, die aufgrund einer psychischen Erkrankung ihre eigene Musikkarriere aufgeben musste und nun ihre Hoffnungen und ihren Anspruch auf die Schüler und ihrer eigenen Sohn projiziert.

Für den Film lernte Nina Hoss extra das Geigespielen:

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In den Zweitausender-Jahren beginnt Hoss’ Zusammenarbeit mit dem Regisseur Christian Petzold, eine der kreativsten und eindrucksvollsten Kooperationen der deutschen Film- und Fernsehbranche.

Sechs Filme machen die beiden zusammen, über “Toter Mann”, “Wolfsburg”, “Yella”, “Jerichow” oder “Barbara” erzählt Petzold, der sinnliche Intellektuelle von Deutschland, immer mit Nina Hoss in der Hauptrolle.

Zuletzt 2014 in “Phoenix”, wieder zusammen mit Ronald Zehrfeld, als jüdische Überlebende eines Konzentrationslagers, die sich auf die schwierige Suche nach ihrem Mann macht.

Durch diesen Film wird Bernd Eichinger, der Münchner Produzent 1997 auf das junge Talent aufmerksam und besetzt sie mit der Rolle der Edel- Prostituierten Rosemarie Nitribitt in einem TV Remake des 50er-Jahre Erfolgs “Das Mädchen Rosemarie” – Regie führte dabei Bernd Eichinger selbst.

Große fragende Augen, rote Lippen, eine rote Schleife im Haar und das Kleid tief dekolletiert, diese junge Frau wollte raus aus dem kleinbürgerlichen Mief.

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Ihre strengste Kritikerin ist wahrscheinlich sie selbst.

Glaubhaft sein, auf der Bühne und auf der Leinwand, das ist für Schauspielerin Nina Hoss sehr wichtig.

Und an sich selber glauben, das verdient sie sich durch harte Arbeit.

Wenn man Nina Hoss auf der Leinwand im Umgang mit den Pferden sieht, könnte man meinen, sie hat nie etwas anders gemacht, so routiniert und selbstverständlichen wirkt das.

Da sitzt jeder Blick, jedes Kommando.

Sie war aber nie eine Pferdenärrin, auch als Kind nicht.

Erst bei den Dreharbeiten zu “Gold” von Thomas Arslan 2013 hat sie den Zugang zum Reiten gefunden.

Bei diesem Western, so erzählt Nina Hoss, hat sie viel Zeit im Sattel verbracht und viel von einem 70-Jährigen Cowboy, der als Berater der Produktion engagiert war, gelernt.

Glaubhaft war Nina Hoss von Anfang ihrer Karriere an.

Aufgewachsen ist sie in Stuttgart als Tochter einer Schauspielerin und späteren Theaterintendantin und eines Gewerkschaftlers und Politikers.

Vater Willi Hoss war Bundestagsabgeordneter und einer der prägenden Figuren der Grünen in den 90er-Jahren.

Schon mit vierzehn stand sie das erste Mal auf einer Theaterbühne.

Mit zwanzig begann sie ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” in Berlin, im selben Jahrgang wie Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt, Devid Striesow und Mark Waschke.

Und feierte ihr Filmdebüt noch im selben Jahr als junge Schulabsolventin Marilli Kosemund in der Sigi Sommer Verfilmung “Und keiner weint mir nach” von Regisseur Joseph Vilsmaier.

Nina Hoss Theaterarbeiten ebenso wie ihre Filmografie liest sich wie ein Best-of Arthouse.

Sie arbeitet mit Thomas Ostermeier an der Schaubühne am Lehniner Platz, mit Nicolette Krebitz, Oskar Roehler, Volker Schlöndorff.

Aber auch im kommerziellen Kino reüssiert sie, so etwa 2002 in “Nackt” von Doris Dörrie und vor allem als “Die weiße Massai” im gleichnamigen Film von Hermine Hundgeburth 2005, der über zwei Millionen Besucher in die deutschen Kinos zog und Hoss den Bayerischen Filmpreis einbrachte.

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Darum ist die vielfach geehrte Darstellerin, die seit vergangenem Jahr auch bei den Oscars stimmberechtigt ist, immer für Neues aufgeschlossen.

Spricht Hörbücher ein, nimmt mit den Manic Street Preachers einen Song auf oder dreht für die amerikanische Serie “Homeland” in den USA.

Wichtig ist: nicht stehen bleiben, Wagnisse eingehen, ausgetretene Pfade vermeiden.

In der Kunst muss man furchtlos sein, sagt Nina Hoss: “Wenn ich nach einer Perfektion suchen würde, dann wäre das ja wie so ein Kontrollraum – und perfekt für wen? Wer gibt mir denn vor was jetzt richtig ist und was nicht? Also ich muss mich eigentlich auf meinen Bauch verlassen.

Das Theater als unmittelbarer Wirkungsort wird für Nina Hoss immer von besonderer Bedeutung bleiben.

Auch wenn sie derzeit das erste Mal seit vielen Jahren eine längerer Pause von der Bühne einlegt.

Innerlich fühlt sie sich diesem Ort immer verbunden.

So war etwa die Zusammenarbeit mit ihrem Kollegen und Freund Lars Eidinger im Berlinale Film “Schwesterchen” der beiden schweizerischen Regisseur*innen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond eine Herzensangelegenheit.

Eidinger spielt einen krebskranken Schauspieler, Nina Hoss seine Zwillingsschwester, eine Dramaturgin: “Man hat diese intensive Zeit der Schule miteinander verbracht, das verbindet einen schon mal sehr.

Und das erleichtert einem natürlich so enge Verbindungen zu spielen wie Bruder und Schwester, die zusammen aufgewachsen sind.

Da verschwimmt dann was, aber ich bin natürlich nicht das Schwesterlein, aber in dem Moment ja.

Glaubhaft sein für sich und das Publikum

Dem Theater tief verbunden

Intensive Zusammenarbeit mit Christian Petzold

Eingetretene Pfade verlassen

“Ich recherchiere einfach wahnsinnig gerne, ich lerne einfach wahnsinnig gerne und das hört ja nie auf.

Je mehr ich lerne desto weniger weiß ich, aber ich meine, dass ich dem so ein bisschen auf die Spur kommen kann.

Wenn ich so tue, als ob ich Violine spielen könnte, so tue als könnte ich mit Pferden umgehen und kann aber einem Pferd gar nicht nahe kommen, weil das Pferd überhaupt nicht weiß was ich will, dann würde ich mir ja selber nicht glauben.

Wie soll dann das Publikum mir glauben.

Ihr Auftritt war ein Knaller, sie gewann eine Goldene Kamera als beste Nachwuchsdarstellerin, mit einem Mal stand Nina Hoss im Blitzlichtgewitter der Fotografen und war Gegenstand der Boulevardpresse.

Doch sie, die als junger Star mit erotisch-kühler Aura gefeiert wurde, wollte sich nicht als Newcomer verbrennen lassen, setzte neben Filmengagements weiter aufs Theater.

Thomas Langhoff engagiert sie 1998 von der Schauspielschule weg ans Deutsche Theater Berlin, in der Folge beeindruckt sie dort als Gräfin Orsina in Lessings “Emilia Galotti” oder in Schillers “Don Karlos”.

Eine Zusammenarbeit, der nun erst mal eine Pause folgt.

Warum? Warum fanden Petzolds letzte Filme “Transit” oder “Undine” ohne sie statt, stattdessen mit Paula Beer in der Hauptrolle? Ach, sagt Nina Hoss mit ihrem charmanten Lachen, “man muss neue Luft rein lassen können”!

Ihre strengste Kritikerin ist wahrscheinlich sie selbst.

Glaubhaft sein, auf der Bühne und auf der Leinwand, das ist für Schauspielerin Nina Hoss sehr wichtig.

Und an sich selber glauben, das verdient sie sich durch harte Arbeit.

Nina Hoss ist eine Ausnahmeerscheinung unter deutschen Darsteller*innen, professionell diskret und zugleich offen.

Neugierig, nachdenklich, gewandt, ohne Allüren, eine interessante, attraktive, kluge Frau deren glaubwürdiges, präsentes Spiel man stets mit Aufmerksamkeit folgt.

“Wer gibt mir denn vor was jetzt richtig ist und was nicht?”

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