Wie umgehen mit judenfeindlichen Schmähplastiken? – Top Meldungen

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Wie soll mit antisemitischen Plastiken an Kirchen und anderen Gebäuden umgegangen werden? Darüber will der Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle mit Experten diskutieren. Doch der geplante Runde Tisch muss wegen der Corona-Krise verschoben werden.

Am Dom in Regensburg hängt sie bis heute, die sogenannte “Judensau” – eine Steinfigur aus dem 14. Jahrhundert, eine antisemitische Schmähplastik. Sie ist ein Zeugnis des Judenhasses, an dem sich die christlichen Kirchen über Jahrhunderte hinweg beteiligt haben, sagt der Münchner Künstler Wolfram Kastner, der seit Jahren auf diese Form des Antisemitismus aufmerksam macht.

“Problematisch an diesen Skulpturen ist, dass sie eine öffentliche Beleidigung, Herabwürdigung, Verächtlichmachung von Menschen sind, die mitten unter uns leben und die traditionell vom Christentum ausgeschlossen und in Pogromen verfolgt wurden”, sagt Kastner. Seiner Ansicht nach entfalten diese Schmähplastiken auch heute noch ihre Wirkung im öffentlichen Raum.

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Wie viele antisemitischen Reliefs es in Bayern gibt, ist unklar. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, kennt etwa zehn – unter anderem am Dom in Regensburg, am Tor der Cadolzburg in Mittelfranken und auch in Nürnberg an der St. Sebalduskirche und in Heilsbronn. Die Hetzfiguren finden sich an Kirchen, an staatlichen Gebäuden oder an Privathäusern.

“Mir geht es darum, dass wir eine Lösung finden, wie der richtige Umgang mit diesen Objekten ist”, sagt Spaenle. Er sieht die Platiken als “wirklich übelst verunglimpfende Darstellungen von Jüdinnen und Juden im Zusammenhang mit baulichen Objekten, auch im staatlichen Besitz”. Anfang Februar entschied das Oberlandesgericht in Naumburg, dass das mittelalterliche “Judensau”-Relief an der Stadtkirche in Wittenberg hängen bleiben darf. Ein Kläger hatte gefordert, die Plastik zu entfernen.

Doch wie soll mit den Hetzfiguren umgegangen werden? Sollen sie zerstört werden, oder abgebaut und in einem Museum mit einer Kommentierung ausgestellt werden? Für Axel Töllner, den Beauftragten für den christlich-jüdischen Dialog in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, sind das keine Lösungen. Töllner war lange Zeit Gäste- und Tourismuspfarrer in St. Sebald in Nürnberg, wo es auch eine Judensau-Darstellung gibt. Dort können sich Besucher ein Faltblatt holen. Und ein Schaukasten informiert über die Geschichte der christlichen Judenfeindschaft.

“Sie zu entfernen halte ich nicht für richtig”, sagt Töllner. Denn das könne in “eine Art Entsorgung” münden, “dass man sagt, wir nehmen das, was uns unbequem ist ab, stellen es ins Museum und da verstaubt es dann, das halte ich für keinen guten Umgang.”

Und doch geraten die Kirchen immer wieder in Kritik, wenn es um den Umgang mit den judenfeindlichen Reliefs geht. An keinem Ort wird das so deutlich wie in Regensburg, wo man vor 15 Jahren eine umstrittene Informationstafel angebracht hat. Die Kritik: Die Tafel verharmlose den christlichen Antisemitismus. Anfang März trafen sich deshalb Vertreter von Staat, Kirche und jüdischer Gemeinde. Jetzt soll eine neue Inschrift erarbeitet werden.

Das Treffen in Regensburg dient als Vorbild für die bayernweite Auseinandersetzung mit den antisemitischen Hetzskulpturen. Es ist eine Auseinandersetzung, von der sich Josef Schuster, der Präsident der Israeltischen Kultusgemeinden in Bayern, viel erhofft. Er erwarte von den Kirchen eine klare Distanzierung von den antisemitischen Darstellungen, so Schuster – entweder in Form einer Informationstafel an der Skulptur oder indem die Skulptur von der Fassade entfernt und in einem Museum ausgestellt wird, inklusive der entsprechenden Kommentierung.

Wann sich die Teilnehmer des von Ludwig Spaenle initiierten Runden Tisches persönlich zusammensetzen, steht noch nicht fest. Ursprünglich war das Treffen für den 31. März geplant, musste aber wegen der Corona-Krise verschoben werden.

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Genaue Anzahl der Schmähplastiken unbekannt

Entfernen, versetzen oder kommentieren?

Neue Inschrift soll Einordnung ermöglichen

Wie umgehen mit judenfeindlichen Schmähplastiken?

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