Wiederkehrendes Fieber? Das Rätsel ist gelöst

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Wiederholtes Fieber ohne ersichtlichen Grund könnte auf die Erkrankung Morbus Still hindeuten. Die seltene Krankheit macht sich auch durch andere Beschwerden wie Hautausschlag und Gelenkschmerzen bemerkbar. Wenn Morbus still frühzeitig diagnostiziert wird ist es gut behandelbar.

Seltene Erkrankung löst Fieber aus

Morbus still beginnt üblicherweise mit abendlichen Fieberschüben und einem entzündeten Rachen. Meist gesellt sich auch ein kurzweiliger, lachsfarbener Hautausschlag dazu. An der entzündlich-rheumatischen Erkrankung leidet nur einer von 100.000 Menschen, doch gerade weil die Krankheit so selten auftritt und die ersten Symptome so unspezifisch sind, ist es meist ein langer Weg bis zu Diagnose.

Folgeschäden müssen verhindert werden

Wenn es weiterhin zu Entzündungen an den Gelenken kommt, liegt der Gedanke an eine rheumatische Erkrankung nahe. Der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) zufolge ist eine frühzeitige Feststellung der Erkrankung enorm wichtig, um Folgeschäden zu verhindern. Wird Morbus still rechtzeitig diagnostiziert, ist die Krankheit mit Medikamenten gut in den Griff zu bekommen. Dabei kommen zunächst nicht-steroidale Antirheumatika und Cortison zum Einsatz.
Dies ist jedoch nicht in jedem Fall ausreichend, denn bei einem bis zwei Dritteln der Betroffenen ist die Erkrankung aggressiv und progressiv. Ist dies der Fall, so müssen meist moderne Biologika verabreicht werden, um Gelenkschäden oder sogar lebensgefährliche Komplikationen wie Multiorganversagen oder Gerinnungsstörungen zu verhindern.
Wie auch andere entzündlich-rheumatische Erkrankungen fokussiert sich die Entzündung hier nicht auf ein spezielles Organ oder Organsystem, sondern kann diverse Körperregionen betreffen. Unter anderem können bei Morbus still die Augen, das Herz oder die Lunge in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ohne Beschwerden leben

Der DGRh zufolge sind Wirkstoffe aus der Klasse der Biologika nun bereits seit über zehn Jahren zur Therapie von Morbus still zugelassen. Die Wirkstoffe sind Antikörper, die systematisch das molekulare Krankheitsgeschehen beeinflussen. Bei Morbus still reduzieren sie die übermäßige Aktivität der Immunbotenstoffe IL-1 und IL-6, da diese bei Patienten verstärkt hergestellt werden. Ein solches Medikament ist beispielsweise der IL-1 Rezeptor-Antagonist Anakinra. Dieser wird bereits seit zwei Jahren für die Behandlung des Still-Syndroms eingesetzt.
Studien, die vor Kurzem im Rahmen einer Meta-Analyse zusammengefasst worden waren, zeigten, dass das Arzneimittel sehr effektiv sei. Zwischen 23 und 88 Prozent der teilnehmenden Kinder und zwischen 50 und 100 Prozent der teilnehmenden Erwachsenen hatten keine Symptome mehr. Oftmals konnte auch auf Cortison verzichtet werden. Eine andere Substanz für die Behandlung ist Canakinumab, ebenfalls eine äußerst wirksame Substanz aus der Klasse der Biologika.

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Feststellungsverfahren muss vorangetrieben werden

Wie heute bekannt ist beruht die übermäßige Immunaktion bei Menschen mit Morbus still in erster Linie auf den Zellen der angeborenen Immunabwehr. Diese sind unnormal aktiv und vermehren sich extrem. Dies zeigen ein hoher Leukozyten- und Ferritinwert im Blut von Betroffenen – zwei der äußerst wenigen biologischen Marker für die Erkrankung. Bei Ferritin handelt es sich um ein Eiweiß, welches im Zuge einer Leberentzündung vermehrt gebildet wird.
Der Forschungsstand zu der seltenen Krankheit ist noch unzureichend, die genauen Hintergründe des Still-Syndroms sind nach wie vor unklar. Auch der verstärkten Immunaktivität müsste noch weiter nachgegangen werden. Weitere Studien müssen demnach folgen. Jede neue Erkenntnis erhöht die Chance auf zielgenau wirkende Biologika weiter. Beispielsweise könnten Antikörper gegen den Botenstoff IL-18 wirken, denn dessen Wert ist bei Betroffenen auch erhöht.
Insbesondere müssen dem DGRh zufolge allerdings die Diagnoseverfahren beschleunigt werden. Es braucht immer noch extrem viel Zeit bis die Erkrankung korrekt festgestellt und der Patient endlich an einen Rheumatologen für eine geeignete Therapie überwiesen wird. Im Idealfall sollte jeder Arzt bei rätselhaften wiederkehrenden Fieberschüben Morbus still im Hinterkopf haben und den Patienten vorsichtshalber zu einem Rheumatologen schicken.

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