Wirtschaftsweise über Krise: “Ein bisschen locker machen” – Top News

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Potten: Auf eine gewisse Art und Weise kann man also sagen: Kein Land ist so gut gepolstert für eine solche eine Krise wie Deutschland?

Veronika Grimm: Ja, in der Tat.

Man muss sich ein bisschen lockermachen.

Es ist ja so, dass der Verschuldungsspielraum in Deutschland prinzipiell sehr groß ist, auch dadurch, dass wir in den vergangenen Jahren sehr gut gewirtschaftet haben, es die schwarze Null gab und die Schuldenbremse gibt.

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Das wird man jetzt aussetzen müssen.

Vermutlich auch für 2021.

Man wird die Maßnahmen und auch die Gelder, die man braucht, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, über zusätzliche Verschuldung stemmen.

Das ist in Deutschland sehr gut möglich.

In anderen Ländern, die eine viel höhere Staatsschuldenquote haben, ist das viel schwieriger.

Die Corona-Krise belastet die Wirtschaft in Ausmaßen, wie es die Euro-Krise vor zehn Jahren nicht getan hat.

Wie können sich Unternehmen davon wieder erholen? Was muss die Politik nun tun? Die Erlanger Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat Antworten.

Mira-Sophie Potten: Ich hatte gestern ein Gespräch mit Freundinnen über die wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Krise.

Ich habe gesagt: Wie soll das jemals gestemmt werden? Wer soll das alles bezahlen? Eine Freundin sagte, der Bund habe doch Rücklagen; die Besessenheit mit der schwarzen Null sei ein typisch deutsches Thema.

Was hätten Sie gesagt?

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Potten: Es gibt einige Hebel, die man jetzt ansetzen könnte.

Von Kaufprämien beim Autokauf, über Steuererleichterungen bis hin zu Krediten.

Auf was sollte man Ihrer Meinung nach den Fokus richten?

Da muss man aufpassen, die Wirtschaft zielgerichtet wieder so anzukurbeln, dass die junge Generation, zum Beispiel Sie und ihre Freundin, da nicht dran zu knabbern haben.

Dass man nachher Wachstum und Wohlstand erzeugt, am Ende gut dasteht und nicht unter den massiven Druck gerät in einer sehr schlechten wirtschaftlichen Verfassung hohe Schulden zurückzahlen zu müssen.

Grimm: Ja, ich glaube wir stehen insgesamt ganz gut da in Deutschland.

Man muss aber aufpassen, dass man das nicht überreizt, dass man den Bogen nicht überspannt.

Es geht schon um sehr, sehr viel Geld und man muss sehr gut aufpassen, wofür man es ausgibt.

Es stehen dem aktuell auch massiv viele Forderungen und viele Wünsche entgegen.

Potten: Wäre es dann besser, breiter anzusetzen und etwa mit Steuererleichterungen dafür zu sorgen, dass die Unternehmen besser wirtschaften können oder wir alle mehr einkaufen wollen?

Die Corona-Krise belastet die Wirtschaft in Ausmaßen, wie es die Euro-Krise vor zehn Jahren nicht getan hat.

Wie können sich Unternehmen davon wieder erholen? Was muss die Politik nun tun? Die Erlanger Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat Antworten.

Wenn man auf die Zeit danach schaut, jetzt wird Stück für Stück gelockert, die Unternehmen können ihre Tätigkeit wiederaufnehmen.

Dann braucht es sicherlich auch ein Konjunkturprogramm, also Mittel, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Und dann sollte man sehr genau gucken, für was man diese Gelder einsetzt.

Da gibt es ein großes Wunschkonzert aus sehr vielen Richtungen.

Es wird über Kaufprämien gesprochen, über Konsumgutscheine.

Aber das sind zum großen Teil auch Maßnahmen, die erstens sektorspezifisch sind, also nur einem ausgewählten Teil der Bevölkerung oder der Unternehmen helfen.

Zum anderen sind das auch oft Maßnahmen, die schnell wieder verpuffen, die gar kein zukünftiges Wachstum und keine Zukunftschancen generieren, sondern kurz Wirkung entfalten.

Davon sollte man, glaube ich, absehen.

Wenn wir das auf diese Art und Weise machen, werden wir wahrscheinlich sehr viel Geld ausgeben und am Ende, wenn wir alle Wünsche erfüllen, das finanzpolitisch dann unter Umständen doch nicht mehr stemmen können.

Grimm: Ich glaube, es gibt verschiedene Phasen.

Im Rahmen des Lockdown, als erst mal sehr viele Beschränkungen auferlegt und sehr viele Geschäfte auch behördlich geschlossen wurden, war es wichtig, Maßnahmen zu initiieren, die diese Betriebe über diese Phase des Lockdown hinüberretten.

Wenn ich meine Gaststätte nicht öffnen darf, dann ist natürlich klar, dass ich auch keine Einnahmen erzielen kann, aber Fixkosten habe und natürlich auch selber Geld zum Leben brauche.

Für diesen Zweck sind umfangreiche Hilfspakete aufgesetzt worden.

Das sind teilweise Zuschüsse, teilweise Kredite, die die Unternehmen aufnehmen können, andere Lockerungsmaßnahmen, die Möglichkeit von Kurzarbeit.

Das wäre erstmal das Paket, das die Unternehmen über diese Phase des Rückgangs der wirtschaftlichen Tätigkeit rüberrettet.

Wir haben ja massive Umlagen und Steuern, die den Strompreis belasten.

Ein Drittel des Strompreises besteht aus Steuern und zum Beispiel der EEG-Umlage.

Wenn man diese Umlagen und Abgaben reduziert, dann könnte man die Stromkosten von Haushalten und von kleinen und mittelständischen Unternehmen senken.

Das käme allen zugute.

Zusätzlich würde man Geschäftsmodelle attraktiver machen, wo man Strom, der ja zunehmend regenerativ erzeugt wird, in den Sektoren Wärme, Mobilität und in der Industrie einsetzt, um zu dekarbonisieren.

Da würde man quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Erstens klimaneutrale Geschäftsmodelle attraktiv machen und zum anderen würde man Haushalte und Unternehmen entlasten.

Ein Haushalt mit einer 4köpfigen Familie hat eine Stromrechnung zwischen 1200 und 1500 Euro, die würden so um die 300-400 Euro einsparen, wenn man das sehr radikal täte

Andere Maßnahmen, die aktuell attraktiv wären, um die Konjunktur wieder zu beleben, wäre zum Beispiel etwas zu tun, was schon lange in der Diskussion ist, nämlich die Energiebepreisung zu reformieren.

Grimm: Genau, man sollte sich Maßnahmen überlegen, die breit ansetzen und auch Chancen für die Zukunft eröffnen.

Ein Vorschlag, der im Raum steht, ist zum Beispiel die Ausweitung des Verlustrücktrags.

Das heißt, wenn ich jetzt Verluste realisiere, dass ich das mit Gewinnen aus der Vergangenheit gegenrechnen kann als Unternehmen.

Das bringt den Unternehmen unmittelbar Liquidität.

Das führt also dazu, dass diese aktuellen Liquiditätsengpässe abgemildert werden.

Das nützt natürlich hauptsächlich denjenigen, die in der Vergangenheit gut gewirtschaftet und Gewinne erwirtschaftet haben.

Potten: Gerade in solchen Zeiten wie jetzt würde vielleicht eine solche Art der Förderungen gar nicht unbedingt den Konsum ankurbeln.

Wirtschaftsweise über Krise: “Ein bisschen locker machen”

Grimm: Genau, das ist auch das Gegenargument, warum man absehen sollte von Konsumgutscheinen oder von einem Verteilen von zusätzlichen Beträgen mit der Gießkanne.

Die Energiepreisreform hätte eben den Charme, dass es einen zweiten Nutzen gibt, der auf jeden Fall realisiert wird.

Nämlich dass es günstiger wird, den zunehmend emissionsärmeren Strom tatsächlich zum Heizen für eine Wärmepumpe einzusetzen, dass im Unternehmen mehr Spielraum finanzieller Art existieren würde.

Da hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, aber gleichzeitig auch die Haushalte entlastet.

Und es stimmt, dass einige das wahrscheinlich sparen würden.

Aber andere brauchen das Geld wahrscheinlich sehr dringend und da stiftet es dann den Nutzen, den es stiften sollte.

Das komplette Interview mit Veronika Grimm im Podcast “Woman of the Week” finden Sie hier.

Darin erklärt sie, welcher Aspekt bei den Diskussionen um die Auswirkungen der Corona Krise oft zu kurz kommt.

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