Nach einem sportlichen Tiefpunkt und einem historischen Regelumbruch wagt Alpine in der Formel 1 einen kompletten Neustart. Mit dem neuen A526, erstmals angetrieben von Mercedes-Technik, positioniert sich das Team neu – technisch, strategisch und personell. Der Schritt ist riskant, aber für Alpine alternativlos, wenn der Abstieg ans Ende des Feldes nicht zur neuen Normalität werden soll.
Am 23. Januar 2026 präsentierte das BWT Alpine F1 Team seinen neuen Rennwagen auf der MSC World Europa, die im Hafen von Barcelona lag. Die Wahl des Schauplatzes war bewusst spektakulär, doch im Mittelpunkt stand weniger die Inszenierung als die Botschaft: Alpine will die Zäsur der neuen Formel-1-Regeln nutzen, um sich neu zu erfinden. Nach dem letzten Platz in der Konstrukteurswertung 2025 mit lediglich 22 Punkten – 48 Zähler hinter Sauber, das inzwischen als Audi antritt – steht das Team unter besonderem Druck.
Der A526 ist Alpines Antwort auf die umfassendsten technischen Änderungen seit Jahren. Die Autos sind künftig 200 Millimeter kürzer, 100 Millimeter schmaler und 30 Kilogramm leichter. Klassische DRS-Systeme verschwinden, stattdessen kommen aktive Front- und Heckflügel zum Einsatz. Die Hybridantriebe liefern mehr elektrische Leistung, und erstmals fährt die Formel 1 mit 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff. All diese Vorgaben prägen das neue Fahrzeugkonzept aus Enstone.
Abschied von Renault, Wette auf Mercedes
Die gravierendste Veränderung liegt jedoch unter der Verkleidung. Alpine verabschiedet sich nach Jahren von den eigenen Renault-Powerunits und setzt 2026 auf Mercedes-AMG High Performance Powertrains – sowohl beim Motor als auch beim Getriebe. Die Integration der Technik aus Brixworth war ein zentrales Projekt, das früh Priorität erhielt. Alpine beendete die Weiterentwicklung des 2025er-Autos bewusst früh, um Ressourcen auf den neuen Regelzyklus zu konzentrieren.
Teamchef Flavio Briatore sieht darin eine seltene Chance. Die neuen Regeln seien ein „weißes Blatt Papier“, sagte er, und böten die Möglichkeit, die Wettbewerbsordnung durcheinanderzuwirbeln. Steve Nielsen, der seit September als Managing Director im Amt ist, betonte die Bedeutung schneller Lernprozesse in einer Phase, in der alle Teams Neuland betreten.
Technisch verantwortet David Sanchez das Projekt. Der Executive Technical Director sprach von einem außergewöhnlichen Jahr für die Formel 1: Mehr Elektrifizierung, neue Betriebsmodi wie Overtake, Boost und Recharge sowie der Umstieg auf nachhaltige Kraftstoffe hätten die Entwicklung grundlegend verändert. Der A526 sei das Ergebnis dieser intensiven Arbeit.
Fahrer, Tests und ein langer Weg zurück
Sportlich setzt Alpine weiter auf Pierre Gasly und Franco Colapinto. Gasly startet in seine zehnte Formel-1-Saison und in sein viertes Jahr bei Alpine. 2025 war er der einzige Punktelieferant des Teams, erreichte zehnmal Q3 und trägt nun große Verantwortung im Umbruch. Colapinto bestreitet 2026 seine erste volle Saison. Nach einer strukturierten Vorbereitung und Simulatorarbeit blickt er den neuen technischen Anforderungen mit Respekt, aber auch mit Ehrgeiz entgegen.
Als Ersatzfahrer fungieren Paul Aron und Kush Maini. Aron geht in sein zweites Jahr als Reserve, während Maini parallel in der Formel 2 antritt und kürzlich den auslaufenden A525 in Abu Dhabi testete.
Der A526 absolvierte bereits am 21. Januar 2026 einen ersten Shakedown in Silverstone, bei Regen und mit Gasly am Steuer. Der nächste Schritt folgt beim offiziellen F1-Shakedown in Barcelona vom 26. bis 30. Januar 2026. Die eigentlichen Vorsaisentests stehen im Februar in Bahrain an, bevor die Saison am 8. März 2026 in Melbourne eröffnet wird.
Die Stimmung im Team ist trotz der jüngsten Vergangenheit auffallend optimistisch. Doch ob der frühe Fokus auf 2026 und der Wechsel zu Mercedes die erhoffte Wende bringen, wird sich erst auf der Strecke zeigen. Für Alpine ist der A526 mehr als ein neues Auto – er ist der Versuch, sich im Zuge eines historischen Regelumbruchs einen Platz zurück im Wettbewerb zu erarbeiten.
