An diesem Wochenende geht es in Bangkok nicht um Tore, Tabellen oder Titel – und doch um Rivalität, Status und Reviermarkierungen. Wenn frühere Fußballgrößen aus England und dem Rest der Welt beim Reignwood Icons of Football gegeneinander antreten, ist das Golfturnier mehr als ein Show-Event: Es ist ein bewusst inszenierter Wettkampf um sportliche Eitelkeit, nationale Sticheleien und einen ungewöhnlich symbolträchtigen Preis.
Das Turnier wird am 31. Januar und 1. Februar 2026 auf dem Reignwood Park Golf Course ausgetragen und bringt 24 ehemalige Profifußballer zusammen, aufgeteilt in Team England und Team World. Gespielt wird im Ryder-Cup-Stil, mit klaren Fronten und einem Punktesystem, das bis zum letzten Loch maximale Spannung erzwingt. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob Team England seinen deutlichen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen kann – oder ob Team World diesmal zurückschlägt.
Rivalität als Triebfeder des Formats
Die sportliche Leitung liegt bewusst nicht bei Fußballern, sondern bei zwei erfahrenen Golfstrategen. Danny Willett, Sieger des Masters 2016, fungiert als Kapitän von Team England. Auf der Gegenseite steht Thomas Bjorn, der 2018 als Ryder-Cup-Kapitän Europa zum Sieg führte. Das unterstreicht den Anspruch des Formats: Unterhaltung ja, Beliebigkeit nein.
Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht Gareth Bale, der Team World anführt. Der frühere walisische Nationalspieler, fünffacher Champions-League-Sieger mit Real Madrid und passionierter Scratch-Golfer, macht keinen Hehl daraus, dass für ihn der Wettbewerb eine persönliche Note trägt. Die jahrzehntelange Rivalität zwischen Wales und England überträgt sich nun auf den Golfplatz – mit Worten, die zwar sportlich verpackt sind, aber eindeutig verstanden werden wollen.
Besondere Brisanz erhält das Aufeinandertreffen durch die erneute Begegnung mit Joe Hart. Fast zehn Jahre nach Bales legendärem 35-Meter-Freistoß gegen Hart bei der EM 2016 stehen sich beide wieder gegenüber – diesmal mit Schlägern statt Stollenschuhen. Damals gewann Wales die Gruppe trotz eines Unentschiedens gegen England, ein Detail, das Bale bis heute gern betont.
Der sportliche Anreiz ist nicht nur symbolisch. Den Siegern winkt der sogenannte Cream Jacket, das Äquivalent zum Grünen Jackett von Augusta – ein Preis, der innerhalb des Events als ultimative Trophäe gilt und den Ehrgeiz zusätzlich anheizt.
Stars, Struktur und ein bewusst eskalierendes Punktesystem
Sportlich setzt Team World auf internationale Breite und große Namen: Gabriel Batistuta, Ryan Giggs, David Ginola, Ruud Gullit, Nigel de Jong, Henrik Larsson, Aaron Ramsey, John Arne Riise, Andriy Shevchenko, Dwight Yorke und Gianfranco Zola bilden ein Ensemble, das fußballerisch Generationen geprägt hat.
Team England kontert mit eigener Prominenz: Jimmy Bullard, Andy Cole, Robbie Fowler, Joe Hart, Paul Ince, Phil Jagielka, Jermaine Jenas, Phil Jones, Lee Sharpe, Teddy Sheringham, John Terry und Theo Walcott. Michael Carrick war ursprünglich eingeplant, sagte jedoch ab, nachdem er den Posten als Cheftrainer von Manchester United übernommen hatte.
Gespielt wird über vier Sessions an zwei Tagen: Zunächst Fourballs, dann zwei Greensomes-Runden, bevor ein abschließender Einzelspieltag die Entscheidung bringt. Alle Matches gehen über zehn Löcher – kurz genug für Tempo, lang genug für Wendungen. Jeder Sieg bringt einen Punkt, zusätzliche Zähler gibt es für klare Erfolge (4up oder höher) sowie für besondere Momente wie den von Zuschauern gewählten „Shot of the Day“. Das 10. Loch zählt doppelt, ebenso können sogenannte Away Holes Zusatzpunkte einbringen. Das System ist darauf ausgelegt, dass selbst ein scheinbar entschiedenes Duell kippen kann.
Im Vorjahr ließ Team England daran keinen Zweifel: 72:33 lautete der Endstand, vor allem dank einer dominanten Einzelrunde. Diese Zahl steht nun wie ein Maßstab im Raum – und als offene Provokation für Bale und seine Mitspieler.
Die Übertragung erfolgt live auf Sky Sports Golf, jeweils ab 1 Uhr UK-Zeit am Samstag und Sonntag. Der Auftakt mit den Fourballs beginnt um 8.30 Uhr Ortszeit in Bangkok (1.30 Uhr UK). Zusätzlich ist das Turnier über die Sky-Sports-App und NOW abrufbar.
Was in Bangkok beginnt, ist kein nostalgisches Klassentreffen, sondern ein bewusst konstruierter Wettkampf mit klaren Gewinnern und Verlierern. Für viele der Beteiligten mag die aktive Fußballkarriere vorbei sein – der Drang, sich zu messen, offenbar nicht.
