Der Austritt der Arbeitsgruppe Sport aus Transparency International Deutschland markiert mehr als eine interne Organisationsentscheidung. Er legt einen offenen Konflikt über Glaubwürdigkeit, Umgang mit Compliance-Fragen und den Anspruch an Good Governance offen – ausgerechnet bei einer Organisation, die sich dem Kampf gegen Korruption verschrieben hat. Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Transparenz- und Integritätsstandards im Sport politisch und gesellschaftlich besonders sensibel diskutiert werden.
Die Arbeitsgruppe Sport um ihre langjährige Leiterin Sylvia Schenk hat am Freitag ihren Rückzug aus Transparency International Deutschland e.V. erklärt. In einer Pressemitteilung begründete die AG ihren Schritt damit, dass sie „keine Möglichkeit mehr“ sehe, im Namen von Transparency Deutschland glaubwürdig für Good Governance im Sport und in der Zivilgesellschaft einzutreten. Für die Organisation bedeutet das den Verlust einer ihrer profiliertesten Fachgruppen im Sportbereich.
Trotz des Austritts kündigten die Mitglieder an, sich weiterhin aktiv und kritisch in die nationale und internationale Debatte über die Zukunft des Sports einbringen zu wollen – künftig jedoch außerhalb des Vereins.
Streit um Plagiatsvorwurf und Umgang mit Steuergeldern
Auslöser des Bruchs ist laut AG Sport ein Plagiatsvorwurf gegen einen im Juli 2024 veröffentlichten Leitfaden von Transparency Deutschland. Das betreffende Dokument sei über eine Stiftung mit Steuergeldern gefördert worden. Entscheidend sei dabei weniger der Vorwurf selbst als der Umgang damit gewesen: Weder mit dem mutmaßlichen Compliance-Problem noch mit entsprechenden Hinweisen sei professionell umgegangen worden, heißt es in der Stellungnahme der Arbeitsgruppe.
Sylvia Schenk formulierte die Kritik besonders scharf. Der Vorstand von Transparency habe in dieser Situation „alles falsch gemacht, was man falsch machen kann“. Für die AG Sport sei damit eine rote Linie überschritten worden.
Transparency International Deutschland weist diese Darstellung zurück. Auf Anfrage erklärte der Verein, man habe die von Schenk erhobenen Plagiatsvorwürfe bereits vor Monaten vereinsintern geprüft. Das Ergebnis: Die Vorwürfe hätten sich nicht bestätigt. Auch den Vorwurf mangelnder Compliance wies Transparency entschieden zurück. Zugleich bedauerte der Verein den angekündigten Austritt von Mitgliedern der Arbeitsgruppe.
Bedeutung über den Einzelfall hinaus
Transparency International Deutschland ist bundesweit tätig und setzt sich für eine effektive und nachhaltige Bekämpfung sowie Eindämmung von Korruption ein. Der öffentlich ausgetragene Konflikt mit der eigenen Sport-Arbeitsgruppe wirft deshalb Fragen über interne Kontrollmechanismen und den Umgang mit Kritik auf – gerade vor dem Hintergrund staatlicher Fördermittel.
Während Transparency auf formale Prüfverfahren verweist, stellt die AG Sport die Frage nach Vertrauen und Glaubwürdigkeit in den Mittelpunkt. Dass eine langjährig verankerte Fachgruppe den Verein verlässt, verschiebt den Fokus der Debatte: Weg von einem einzelnen Leitfaden, hin zu grundsätzlichen Maßstäben für Transparenz, Selbstkontrolle und Verantwortung in zivilgesellschaftlichen Organisationen.
