Ein Ergebnis, das über den Spieltag hinaus nachhallt, hat die Challenge League am Freitagabend erfasst. Neuchâtel Xamax trat beim Tabellenletzten Bellinzona mit seiner U19-Mannschaft an – und verlor 0:5. Was sportlich erklärbar scheint, entwickelt sich politisch brisant: Rivalen sprechen von Wettbewerbsverzerrung im Abstiegskampf und fordern ein Eingreifen der Liga.
Der Kontext verleiht dem Resultat Sprengkraft. Xamax schonte vor dem Cup-Viertelfinal am Dienstag gegen Yverdon den gesamten Profikader und setzte stattdessen auf Junioren. Die Rechnung ging nicht auf, das klare Auswärtsdebakel steht – und beeinflusst die Tabellenkonstellation unmittelbar.
Kritik aus der Konkurrenz, Rechtfertigung aus Neuenburg
Die Reaktionen folgten prompt. Olivier Doglia, Präsident von Etoile Carouge, bezeichnete den Entscheid gegenüber dem Portal Proxifoot als „katastrophalen Präzedenzfall“ und verlangte, dass die Swiss Football League die Integrität des Wettbewerbs schütze – wie es andere europäische Ligen täten. Andernfalls werde „grundlegendste sportliche Fairness mit Füssen getreten“.
Carouge selbst war vor dem Spieltag nur vier Punkte vor Bellinzona klassiert. Daran änderte sich nichts, weil die Genfer parallel Rapperswil dank eines Last-Minute-Tores von Kevin Bua 2:1 bezwangen. Dennoch bleibt der Vorwurf bestehen, dass der Abstiegskampf durch den U19-Einsatz verzerrt worden sei.
Xamax hält dagegen. Präsident Jean-François Collet erklärte gegenüber Arcinfo, er habe die Entscheidung bewusst getroffen und stehe dazu. Cheftrainer Anthony Braizat verwies bereits vor der Partie auf die neunstündige Reise ins Tessin, die körperlich belastend sei und Verletzungsrisiken berge – auch wegen der Umstellung von Kunst- auf Naturrasen. Eine Teilrotation habe man vor dem Cup-Kracher bewusst ausgeschlossen: Man wolle „eine geeinte Mannschaft“.
Der Spieltag und seine Folgen
Sportlich fügt sich die Niederlage in einen ereignisreichen Spieltag ein: Yverdon unterlag Aarau 1:2, Stade-Lausanne setzte sich 5:2 gegen Vaduz durch, Carouge gewann 2:1 gegen Rapperswil – und Bellinzona feierte mit dem 5:0 gegen Xamax einen Befreiungsschlag.
Ob die Liga reagiert, ist offen. Fest steht: Der U19-Einsatz von Xamax hat eine Grundsatzfrage neu entfacht – wie weit sportliche Prioritätensetzung gehen darf, wenn sie die Gleichheit der Wettbewerbsbedingungen berührt.
