Lilium schickt sein fünfsitziges Lufttaxi zum ersten Mal in die Luft – Technik

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Die Lilium-Gründer vor ihrem fünfsitzigem Flugtaxi. (Foto: Lilium(

Der deutsche Flugtaxi-Pionier Lilium hat seinen fünfsitzigen Elektrojet erstmals in die Luft geschickt. Ein Meilenstein für die Serienfertigung, sagt der Gründer. Kommt jetzt der Börsengang?

Es sind Szenen wie aus einem Kontrollzentrum kurz vor dem Start einer neuen Rakete: Menschen starren gebannt auf Monitore, schlagen nervös die Hände über ihren Köpfen zusammen und beten mit zittrigen Händen, dass alles gut geht. Wenige Sekunden später bricht Jubel aus, Konfetti fliegt und Menschen umarmen sich.

Mit einem Video hat der deutsche Flugtaxi-Pionier Lilium am Donnerstag erstmals seinen fünfsitzigen Elektrojet der Öffentlichkeit präsentiert. In dem knapp drei Minuten langen Video ist zu sehen, wie der anderthalb Tonnen schwere Prototyp senkrecht startet und auf der Stelle schwebt. Aufgenommen wurde es bereits am 4. Mai in Oberpfaffenhofen. Als nächstes „werden wir Manöver fliegen und in den Vorwärtsflug übergehen“, sagte Mitgründer und CEO Daniel Wiegand der Deutschen Presse-Agentur. Ab 2025 sollen die Flugtaxis in mindestens zwei Städten im Alltagsbetrieb fliegen.

Kein Verkauf an reiche Privatleute

Das Flugzeug mit 36 elektrischen Jetmotoren in den Tragflächen sei leise und „wird mit 300 Stundenkilometern eine Stunde lang fliegen können“, so Wiegand weiter. Ihm zufolge bietet der neue Prototyp Platz für vier Passagiere und einen Piloten. „Tendenziell ist das Lilium-Flugzeug günstiger als ein Hubschrauber, weil fast keine Mechanik drinsteckt und es nur ein Zehntel der Energie verbraucht.“

Lilium wurde erst 2015 gegründet und will alle Maschinen selbst betreiben, inklusive eigener Buchungsplattform nach dem Vorbild von Uber. Einen Verkauf der Flugtaxis an reiche Privatleute schloss Mitgründer Wiegand aus. „Ziel ist, dass viele Bürger Flüge bei uns buchen, für Preise wie mit einem Taxi“, sagte Wiegand.

Die geringen Kosten will das Startup auf lange Sicht erreichen, indem es die Flugtaxis autonom fliegen lässt. Die leisen Senkrechtstarter könnten in Ballungsräumen, aber auch in ländlichen Regionen ohne Infrastruktur ihr Geld verdienen. Der jetzt vorgestellte Prototyp diene als Grundlage für die geplante Massenproduktion. Mindestens vier Fabriken will Lilium dafür allein in Deutschland errichten.

(Foto: Lilium)

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Dafür benötigt Lilium allerdings mehr Geld. Bisher haben der chinesische IT-Konzern Tencent und andere Investoren mehr als 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. „Ein Börsengang wäre ein interessanter Weg für uns, aber heute ist das noch überhaupt kein Thema“, sagte Wiegand. Zwar seien weitere Finanzierungsrunden nötig, das Geld reiche nicht bis 2025, aber das sei kein Problem, denn „unsere Investoren sind begeistert, es kommen auch neue dazu.“

Auch Airbus arbeitet an eigenem Flugtaxi

Laut den Investmentbankern von Morgan Stanley könnte der Markt für autonome elektrische Flugtaxis bis 2040 auf sagenhafte 1,5 Billionen Dollar Umsatz wachsen. Das ruft auch traditionelle Flugzeugbauer auf den Plan. Airbus hatte am 1. Mai in Donauwörth seinen viersitzigen elektrischen City-Airbus mit vier Rotoren erstmals in die Luft gebracht. Er soll mit 120 Stundenkilometern 50 Kilometer weit fliegen.

Das Karlsruher Startup Volocopter hat sogar schon seit 2016 die deutsche Verkehrszulassung für ein zweisitziges elektrisches Flugtaxi und ist 2017 in Dubai im Test autonom geflogen. Der Airbus-Konkurrent Boeing hatte im vergangenen Januar in den USA einen ersten Testflug mit einem autonomen Lufttaxi geschafft.

Mit Material von dpa

 

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