Was Amazon mit seinem Investment in Deliveroo bezweckt

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Amazon führt eine Investmentrunde an, die Deliveroo insgesamt 575 Millionen einbringt. (Foto: Deliveroo)

Amazon investiert einen hohen Millionenbetrag in Deliveroo und damit in den Boommarkt der Essenslieferung. Was hat Amazon vor?

Der Lieferdienst Deliveroo, der Essensbestellungen in Restaurants abholt und dann beim Kunden zustellt, hat eine Finanzierungsrunde über 575 Millionen US-Dollar abgeschlossen und damit insgesamt über 1,5 Milliarden Dollar Funding eingesammelt. Die Series G wird von Amazon mit einem mutmaßlich hohen Millionenbetrag angeführt. Amazon hat im Laufe der Zeit eine dreistellige Zahl von Investments in unterschiedlichste Startups getätigt. Welche Strategie verfolgt der US-Konzern mit dem Deliveroo-Investment?

Amazon und die Fast-Food-Lieferbranche

An verschiedenen Stellen versuchte Amazon in der Vergangenheit, in der Fast-Food-Lieferbranche Fuß zu fassen. Ein kleiner Schauplatz ist dabei die Kasse des Restaurants: Seit vergangenem Jahr versucht Amazon, seinen Bezahldienst Amazon Pay in Restaurants zu etablieren.

Neben einem 20-Millionen-Dollar Investment im Jahr 2014 in das mittlerweile insolvente Startup Yummy77 in Shanghai baut Amazon aber auch seit zwei Jahren einen eigenen Lieferdienst namens Amazon Restaurants auf, der sich aber bisher nur auf eine zweistellige Anzahl von US-Städten und London beschränkte, zumindest bis Dezember 2018. Dann schloss Amazon den gerade einmal drei Monate vorher eröffneten Lieferdienst in London. Auch in den USA scheint Amazon Restaurants nicht besonders gut zu laufen, beobachtet The Verge. In New York City beispielsweise sind nur eine Handvoll Restaurants mit wenigen Bewertungen zu finden.

Mit dem Investment in Deliveroo setzt Amazon auf ein Unternehmen, das in 14 Märkten und über 500 Städten weltweit präsent ist und auch in Deutschland über 2.000 Restaurants in seine App eingebunden hat.

Was will Amazon mit Deliveroo?

1999 investierte Amazon 42,5 Millionen Dollar in einen der ersten US-Lieferdienste für Lebensmittel, Homegrocer, der ein Jahr vorher gegründet wurde. Im Jahr 2000 übernahm der Konkurrent Webvan das Unternehmen und fuhr es im Zuge der Übernahme komplett gegen die Wand, heute gehört die Marke Amazon – der US-Konzern hat die Rechte aus der Konkursmasse erworben. Mutmaßlich dürfte Amazon aber bei Homegrocer viel Know-how für den Start von Amazon Fresh im Jahr 2007 gesammelt haben.

Ein mögliches Szenario wäre also ein vergleichbarer Wissenstransfer. Amazon hat in der Vergangenheit oft intensiv untersucht, wie erfolgreiche Wettbewerber in einer Branche vorgehen, um eigene Dienste zu starten.

Da aber Amazon schon einen eigenen Dienst gestartet hat, der wenig erfolgreich zu sein scheint, ist es wahrscheinlicher, dass Amazon mit Deliveroo auf einen erfolgreicheren Konkurrenten als potenziellen Übernahmekandidaten setzt. Die Verhandlungen sollen mehrere Anläufe benötigt haben, Amazon soll schon mindestens drei Mal mit Deliveroo Verhandlungen – oder zumindest Gespräche mit ernsthaften Interesse – geführt haben. Dafür spricht auch, dass Amazon schon früher versucht hat, auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen, was nicht gelang, mit Deliveroo jetzt aber möglich ist. Der Lieferdienst ist in Asien ebenfalls aktiv.

Somit ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Amazon seinen Anteil irgendwann aufstockt und Deliveroo übernehmen will – eine entsprechende Unternehmensentwicklung mit ansprechender Wachstumskurve vorausgesetzt. Der Markt ist – nicht nur durch Uber Eats – mittlerweile hart umkämpft.

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