Google zieht eine klare Grenze bei der bislang frei nutzbaren Websuche und zwingt Betreiber spezialisierter Suchdienste zu Entscheidungen. Mit einer Neuausrichtung der Programmable Search Engine beendet der Konzern faktisch die kostenlose Vollwebsuche für neue Custom-Search-Projekte und verschärft zugleich die Regeln für bestehende Angebote. Für viele Webseitenbetreiber, Start-ups und kleinere Plattformen bedeutet das: Das Zeitfenster für Anpassungen läuft – und Alternativen werden teurer oder komplexer.
Im Kern trennt Google seine Suchprodukte künftig schärfer nach Einsatzzweck. Wer eine Suche ausschließlich für klar definierte Inhalte anbieten will, etwa auf der eigenen Webseite oder innerhalb eines überschaubaren Netzwerks, kann dies weiterhin kostenlos tun. Wer jedoch auf Googles kompletten Webindex zugreifen möchte, muss sich künftig registrieren und auf neue, stärker kommerzialisierte Lösungen ausweichen.
Klare Limits Für Kostenlose Nutzung
Zentral ist dabei eine neue Obergrenze: Das sogenannte Programmable Search Element darf künftig maximal 50 Domains durchsuchen. Innerhalb dieses Rahmens bleibt die Nutzung kostenfrei. Dieses Modell richtet sich ausdrücklich an Webseitenbetreiber, die ihre eigenen Inhalte oder eine begrenzte Auswahl externer Seiten für ein spezifisches Publikum durchsuchbar machen wollen.
Sobald der Anwendungsfall darüber hinausgeht – etwa bei der Suche über mehr als 50 Domains oder bei einer echten Vollwebsuche – greift ein anderes Verfahren. Google verlangt dann eine Registrierung für die „Full Web Search Solution“. Der Zugang zum vollständigen Suchindex ist damit nicht mehr automatisch, sondern an eine formale Interessensbekundung geknüpft.
Für Unternehmen mit weitergehenden Anforderungen, etwa der Einbindung von KI-gestützten Konversationsfunktionen, verweist Google auf sein Angebot Vertex AI Search. Damit rückt die Websuche stärker in den Bereich professioneller, kostenpflichtiger Enterprise-Lösungen.
Übergangsfristen Bis 2027 – Neue Projekte Sofort Betroffen
Auch Nutzer der Custom Search JSON API sind von den Änderungen erfasst. Google empfiehlt hier ebenfalls das Programmable Search Element als Alternative, sofern die Suche auf weniger als 50 Domains beschränkt bleibt. Für vollständige Webabfragen führt auch bei der API kein Weg an der Full Web Search Solution vorbei.
Der Zeitplan ist klar definiert: Spätestens zum 1. Januar 2027 muss der Übergang auf die neuen Modelle abgeschlossen sein. Für neu angelegte Suchmaschinen gilt die Einschränkung jedoch sofort. Sie müssen zwingend die Funktion „Sites to search“ nutzen; die Option, direkt das gesamte Web zu durchsuchen, steht für neue Konfigurationen nicht mehr zur Verfügung.
Bestehende Suchmaschinen genießen zwar Bestandsschutz, dürfen die weltweite Suche aber ebenfalls nur noch bis zum Stichtag Anfang 2027 nutzen. Danach endet auch für sie der kostenlose Zugriff auf die Vollwebsuche.
Unterm Strich bedeutet die Neuausrichtung: Klassische Custom-Search-Lösungen für die eigene Domain bleiben möglich. Für Nischen-Suchmaschinen, Vergleichsportale oder experimentelle Websuchdienste wird es hingegen enger. Google öffnet die Tür zur Vollwebsuche nicht mehr automatisch – und macht deutlich, dass umfassende Suche künftig ein Produkt für zahlende Kunden ist.
