Tesla ordnet sein Assistenzsystem-Geschäft neu – und verschiebt damit Kosten, Erwartungen und Risiken für seine Kundschaft. Während der Autobauer den klassischen Autopilot in den USA faktisch beendet, kündigt Elon Musk zugleich steigende Preise für das Full-Self-Driving-Abonnement (FSD) an. Der Schritt markiert einen strategischen Wendepunkt: Tesla setzt alles auf ein Produkt, das technologisch, regulatorisch und finanziell noch längst nicht eingelöst ist.
Am frühen Freitag erklärte Musk auf seiner Plattform X, dass der aktuelle Preis von 99 US-Dollar pro Monat für das überwachte Full Self-Driving nicht von Dauer sei. Mit zunehmenden Fähigkeiten werde das Abonnement teurer, sagte der Tesla-Chef. Den eigentlichen Wertzuwachs sieht Musk jedoch erst dann erreicht, wenn Fahrer „auf dem Handy sein oder während der gesamten Fahrt schlafen können“ – also bei unüberwachtem Fahren.
Gleichzeitig verschwindet eine bisher zentrale Option aus Teslas Angebot: Die Möglichkeit, Full Self-Driving einmalig für 8.000 US-Dollar zu kaufen, wird laut Fahrzeugkonfigurator ab dem 14. Februar nicht mehr angeboten. Damit bleibt Kunden künftig nur noch das Abonnementmodell.
Autopilot Verschwindet, Kritik Wächst
Die Preisanpassung fällt mit einer weiteren, für viele Kunden spürbaren Änderung zusammen. Tesla hat seinen separaten Autopilot-Dienst in den USA eingestellt. Während die meisten Fahrzeuge zuvor serienmäßig mit Autopilot ausgeliefert wurden, bietet das Unternehmen nun lediglich Traffic-Aware Cruise Control als Standardfunktion an. Diese hält die Geschwindigkeit und passt sie an den Verkehr an – mehr nicht.
Funktionen wie Autosteer, das automatische Spurhalten anhand von Fahrbahnmarkierungen, sind damit nicht länger serienmäßig. Auf X löste die Entscheidung spürbaren Unmut aus. Nutzer verwiesen darauf, dass Wettbewerber wie Toyota Spurzentrierung und vergleichbare Assistenzsysteme weiterhin ohne Aufpreis anbieten.
Tesla selbst positioniert den Schritt als Teil einer klaren Neuausrichtung: Statt mehrere Assistenzpakete parallel zu pflegen, soll Full Self-Driving zur zentralen Plattform werden – technologisch wie wirtschaftlich.
Ein Geschäftsmodell Mit Billionen-Wette
Hinter der Strategie steht mehr als Produktpolitik. Musk bezeichnet Full Self-Driving seit Jahren als Schlüssel für Teslas Zukunft. Doch bislang bleibt die Nachfrage überschaubar. Im Oktober erklärte Teslas Finanzchef Investoren, dass nur rund 12 % der Tesla-Besitzer für das Assistenzsystem zahlen.
Dabei ist der Erfolg von FSD auch für Musk persönlich entscheidend. Zehn Millionen aktive Full-Self-Driving-Abonnements gehören zu den zentralen Meilensteinen seines umstrittenen Vergütungspakets. Erst bei deren Erreichen wird die volle Auszahlung fällig – ein Paket, das Musk selbst auf bis zu eine Billion US-Dollar beziffert hat.
Tesla betont weiterhin, dass Full Self-Driving aktuell ständige Fahreraufsicht erfordert. Gleichzeitig versucht der Konzern, den nächsten Schritt vorzubereiten. Am Donnerstag teilte Tesla mit, in Austin erstmals vollautonome Robotaxi-Fahrten ohne Sicherheitsfahrer anzubieten. Musk erklärte mehrfach, dass gerade diese „unüberwachte“ Version die Nachfrage nach Tesla-Fahrzeugen massiv steigern werde.
Dem gegenüber stehen wachsende Risiken. Tesla sieht sich regulatorischer Prüfung und Klagen ausgesetzt. Die US-Verkehrsaufsicht leitete im Oktober eine Untersuchung ein, nachdem Berichte auftauchten, wonach Fahrzeuge mit aktiviertem FSD rote Ampeln überfuhren oder auf der falschen Straßenseite unterwegs waren.
Teslas Kurs ist damit klar – aber alles andere als risikofrei. Das Unternehmen verlangt mehr Geld für weniger serienmäßige Funktionen und setzt darauf, dass technologische Durchbrüche schneller kommen als regulatorische Grenzen. Ob diese Rechnung aufgeht, dürfte nicht nur über Teslas Produktstrategie entscheiden, sondern auch über das teuerste Vergütungspaket der Unternehmensgeschichte.
