“Arbeitslosengeld II für Künstler in Not? – Das ist ungerecht” – Top News

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Gerhart Baum: Nein, natürlich nicht.

Was die Bundeskanzlerin sagt, verstehe ich eigentlich nicht.

Es gibt ja für alle möglichen Berufsgruppen Hilfe, für Gastwirte und Zahnärzte und so weiter.

Es wird es den Italienern doch klar zu machen sein, dass wir unsere Kultur schützen.

Wir sind ein Kulturstaat.

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Kultur ist für unsere Demokratie lebensnotwendig, ist Daseinsvorsorge, ist systemrelevant.

Aber es hakt, der Bund ist sehr zögerlich.

Judith Heitkamp: Herr Baum, gibt Deutschland sich international als Spendieronkel, weil es jetzt in einigen Bundesländern spezifischere Hilfen für Künstler und Künstlerinnen gibt?

Der öffentliche Druck hat Wirkung gezeigt – bessere Hilfen für Künstler in der Corona-Krise seien näher gerückt, sagt der Liberale Gerhart Baum.

Ausfallhonorare für abgesagte Konzerte sind für ihn aber keine Lösung.

Abgesagte Konzerte, geschlossene Theater, keine Veranstaltungen – vielen Künstlern ist in der Corona-Krise ihr Einkommen weggebrochen.

Doch die Hilfen für Solo-Selbständige greifen oft nicht.

Seit Wochen läuft deshalb eine Diskussion um bessere Lösungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich distanziert: Wenn auch Künstler mit Steuergeld gerettet werden sollten, werde man dies in Spanien und Italien vermerken und darauf verweisen, dass Deutschland offensichtlich über genug Geld verfüge, so war in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ihre Argumentation zu lesen.

Einige Bundesländer haben inzwischen eigene Hilfen vorgesehen – so auch Bayern – zusammen fordern die Länder eine gemeinsame Lösung mit dem Bund, und Kulturstaatsministerin Grütters prüft einen Strukturfonds.

Insofern habe der öffentliche Druck schon Auswirkungen gehabt, sagt Gerhart Baum, Vorsitzender des Kulturrats NRW.

Er hatte vor zwei Wochen einen Kultur-Nothilfe-Fonds vorgeschlagen.

Judith Heitkamp hat mit Gerhart Baum gesprochen.

Vielleicht können wir kurz zusammenfassen, was der Stand jetzt ist: Freischaffende Künstler, denen alle Auftritte und Engagements wegbrechen, können in einigen, aber eben nicht in allen Bundesländern Hilfen bekommen.

In Bayern zum Beispiel derzeit drei Monate lang 1.

000 Euro.

In manchen Bundesländern sind die Gelder inzwischen leider schon wieder weg, nämlich aufgebraucht.

Dann können Künstler in Not Arbeitslosengeld II beantragen, da werden allerdings Ersparnisse angerechnet.

Auf Bundesebene wird jetzt ein Rettungsschirm oder Strukturfonds geprüft, und außerdem hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters den Vorstoß gemacht, dass sie sich für mehr Ausfallhonorare einsetzt.

Stichwort Ausfallhonorare – was halten Sie davon?

Überhaupt nicht.

Zum Teil sind sie Unternehmer, aber zum großen Teil sind sie frei, selbstständig auf Honorarbasis.

Der Pianist ist sein eigener Betrieb, er hat keine Betriebskosten.

Und er fällt durch den Rost, weil in dem großen Hilfsprogramm aus Berlin mit 50 Milliarden nur die Unternehmer-Künstler bedacht werden, nicht aber die freien.

Das versuchen wir jetzt zu reparieren.

Frau Grütters, die da immer noch sehr zögerlich ist, hat gesagt: Die können alle beim Jobcenter Arbeitslosenhilfe II beantragen.

Aber das passt nicht, das ist zu ungerecht.

Das sagen auch die Kulturminister der Länder und die Wirtschaftsminister der Länder und bemühen sich, die freien Selbstständigen, im Grunde das schwächste Glied in der Kette, in diese Bundesförderung aufzunehmen.

Sind Künstler denn Unternehmer wie andere auch?

Der öffentliche Druck hat Wirkung gezeigt – bessere Hilfen für Künstler in der Corona-Krise seien näher gerückt, sagt der Liberale Gerhart Baum.

Ausfallhonorare für abgesagte Konzerte sind für ihn aber keine Lösung.

Das ist ein Schwarzer-Peter-Spiel, das man nicht ernst nehmen muss.

Eigentlich zuständig ist die von Ihnen anfangs zitierte Bundeskanzlerin: Sie ist nach der Verfassung die Ressortministerin für Kultur, Frau Grütters ist ja eine Art Staatssekretärin.

Deshalb habe ich auch einen Appell an die Bundeskanzlerin gerichtet, sich doch nun kulturfreundlicher zu verhalten.

Wer hat denn eigentlich so lange gezögert? Sie kritisieren Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin auf Bundesebene – die sagt ihrerseits, es seien ja die Länder die Zuständigen und seit sechs Wochen nicht aus dem Quark gekommen .

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Das ist sicherlich ein guter Gedanke, aber jetzt muss wirklich ein Durchbruch erzielt werden.

Die Künstler kriegen in vielen Ländern überhaupt nichts, es geht um Existenzgrundlagen.

Deshalb ist der beste Weg, man gibt ihnen einen pauschalen Monatsbeitrag.

Das macht Bayern.

Bayern ist ein guter Anfang, aber Bayern nimmt nur die Leute, die in der Künstlersozialversicherung versichert sind, nicht die vielen anderen.

Da ist eine Härtefallklausel notwendig.

Und drei Monate sind zu kurz.

Aber es ist ein Anfang.

Etwas anderes ist dieser Strukturfonds, den wir fordern, gemeinsam mit dem Deutschen Kulturrat: aus den Mitteln der Bundesressorts – die 60 Milliarden bekommen haben für ihre Bedürfnisse – etwa 500 Millionen herauszuschneiden und damit einen Fonds einrichten, in dem wir Strukturen auffangen.

Das müssen wir uns genau überlegen, wo und wie.

Da ist Frau Grütters – das möchte ich mal positiv sagen – nach all dem Zögern kompromissbereiter.

Das heißt, die vielen Aufrufe der Künstler und anderer haben gefruchtet, etwas bewegt sich Frau Grütters nun doch.

Persönliche Frage zum Schluss: Welche Kultur-Nahrung vermissen Sie am meisten?

Das kann durchaus sein .

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deshalb müssen wir jetzt sehr darauf achten, wenn es Lockerungen gibt, dass die Kultur gleichberechtigt behandelt wird.

Im Grundgesetz hat sie eine vergleichbar starke Rechtsposition wie etwa die Religionsgemeinschaften.

Kultur ist für dieses Land die Grundlage unserer Verfassungsordnung, und da sind unsere Forderungen nicht unmäßiger als andere auch.

Kann es sein, dass die Kultur einfach keine gute Lobby hat? Jedenfalls nicht so eine gute Lobby wie die Möbelmärkte in Nordrhein-Westfalen?

Die Begegnung.

Ich höre sehr viel Musik, ich habe einen sehr guten Freund, den Komponisten Helmut Lachenmann, den höre ich jetzt und sehe DVDs mit seinen Konzerten.

Ich lese sehr viel.

Aber es fehlen einem wirklich die Begegnungen – und die Kulturereignisse.

Ein Konzertsaal ist durch nichts zu ersetzen.

“Arbeitslosengeld II für Künstler in Not? – Das ist ungerecht”

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