Bayerische Kino-Krise: “Wo ist eigentlich der Kulturstaat?” – Top News

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Tom Modlinger ist in einer vergleichsweise entspannten Situation.

Sein Kino in Holzkirchen ist eines der kleinsten in Deutschland – 75 Sitze plus ein Rollstuhlplatz.

Die Betriebskosten sind überschaubar – der Mietvertrag mit der Gemeinde orientiert sich an der Besucherzahl.

Das heißt: Kommen keine Besucher, muss auch keine Miete gezahlt werden.

Glück im Unglück also.

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Modlinger hat zudem gut gewirtschaftet, er käme notfalls auch bis zum nächsten Jahr über die Runden.

Mit Ach und Krach – dann hätte er aber alle Rücklagen aufgebraucht: “Das geht, solange es geht – und wenn’s nicht mehr geht, geht’s nicht mehr.

Ich bin da doch sehr optimistisch, dass es vorher wieder weitergeht.

Erschwerend kommt hinzu: Sechzig Prozent des Personals erhält kein Kurzarbeitergeld, weil es sich um Minijobber und Studenten handelt.

Knapp die Hälfte der Betriebe hat zudem kaum oder gar kein Recht auf Hilfen und Zuschüsse, weil sie über Bemessungsgrenzen liegen.

Als noch schmerzlicher empfinden es aber fast alle Kinobetreiber und –betreiberinnen, dass in der Krise die Politik die Kultur offenbar vergessen hat, dass es keine Perspektiven oder Konzepte oder zumindest einen Austausch über Wiedereröffnungen gibt.

Marlies Kirchner, die Betreiberin des Münchner Theatiner und letztes Jahr neunzig geworden, kam gestern Nachmittag das erste Mal wieder in ihr Kino: “Ja, wenn man vier Wochen nicht hier war, ist das sehr merkwürdig.

Fremd.

Und ich möchte, dass das bald wieder aufgemacht wird.

Unbedingt!”

Doch die Kultur zähle offenbar im Moment nichts, meint Matthias Helwig, verantwortlich für drei Breitwandkinos im Großraum München: “Ganz generell ist es halt eine Politik, die im Moment enorm generalisiert.

Die sagt: Das ist verboten! Aber es gäbe für alles irgendwelche Lösungen.

Und das Ganze geht irgendwie noch weiter.

Wenn der Oberste, also der Minister etwas sagt, dann macht das bei uns auch der Landrat so.

Dann wird der schon drüber nachgedacht haben.

Ich hätte mir das auch mit den Buchhandlungen anders gewünscht.

Wir sind der Staat, bei uns kann man kleine Buchhandlungen immer besuchen.

Da denke ich mir, das wäre es doch mal wirklich! Was soll denn da passieren? Stattdessen: Buchhandlungen werden geschlossen.

Warum? Da sind drei Leute drin.

1 Meter 50 Abstand.

Kein Problem.

Aber sie können lesen.

Lesen! Deutschland und Kulturstaat, Bayern und Kulturstaat – naja.

Wo ist der Beweis?”

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Die Filmtheater bleiben vorerst geschlossen, manche Betreiber erhoffen sich für den Sommer zumindest Genehmigungen für Auto- und Open-Air-Kinos.

Viele verzweifeln und fühlen sich von der Politik “vergessen”, andere können bis 2021 durchhalten.

Ausgestorben sei alles im Moment, sagt Tom Modlinger, und sperrt sein Kino in der ziemlich einsamen Ortsmitte von Holzkirchen in Oberbayern auf.

Wir steigen hinauf in den zweiten Stock des Oberbräus, des Kulturzentrums der Gemeinde.

Modlinger ist lange nicht hier gewesen.

Am 16.

März musste er zusperren, danach schaute er sich privat noch zwei Filme an, die er zuvor nicht gesehen hatte.

Tom ganz allein im Kino.

Dann war Schluss.

Inzwischen vermisst er vor allem das Publikum: “Nachdem ich Kino im Blut habe, ist das für mich natürlich schrecklich.

Ich muss in die Gesichter schauen können, ich muss mich über einen Film unterhalten können, ich brauche diese Emotion bei meinen Gästen.

Ein Anruf bei einem, dem es ganz anders geht – Rainer Gottwald vom Kino in Wasserburg: “Ja, es ist schwierig.

Ganz ehrlich.

Dem Theater geht’s genauso.

Wir sind da ein bisschen vergessen worden.

Da hört man nicht viel über die Kultur, wie da weiter verfahren wird.

” Die alarmierende Situation machte Anfang dieser Woche der Hauptverband Deutscher Filmtheater deutlich: 1.

734 Kinos haben aktuell in Deutschland geschlossen.

Allein die laufenden Betriebskosten würden für drei Monate Schließzeit zusammen 186 Millionen Euro ausmachen.

Den Ausfall der Einnahmen nicht mitgerechnet.

Unrealistisch ist das nicht.

Marlies Kirchner meint, auch wenn man nur ein Drittel der Plätze besetze und so alle Hygiene- und Sicherheitsvorschriften einhalte, sei das besser als nichts.

Die Gilde Deutscher Filmkunsttheater spricht von Konzepten für “risikoarme Kulturorte” – und davon, dass Kultur für das Überleben notwendig sei in schwierigen Zeiten.

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Für Rainer Gottwald aus Wasserburg würde ein Öffnungstermin im Spätsommer hingegen bedeuten, dass er sich einen anderen Job suchen und das Kino aufgeben müsste.

Er hofft darauf, dass zumindest für den Juli oder August sein Open-Air-Kino noch genehmigt wird, so Gottwald: “Ich habe dafür einen schönen großen Platz.

Da könnte man schon super mit Abstand sitzen.

So Geschichten wären schon super, wenn die stattfinden könnten.

” Warum also dürfen Baumärkte, Gartencenter und Autohäuser Besucher empfangen, aber in Bayern noch nicht einmal kontaktfreie Autokinos, was in Baden-Württemberg gerade sehr erfolgreich geschieht?

Mit Ach und Krach über die Runden

Eigenes Kino wurde “fremd”

Wo ist der Beweis für den Kulturstaat?

Super Platz für Open-Air-Kino

Mathias Hellwig hat für seine drei Kinos monatliche Fixkosten von 40.

000 Euro.

Auch er hat gut gewirtschaftet, kommt irgendwie über die Runden, aber wenn die Kinos erst im Herbst wieder aufmachen sollten, wird er vermutlich den einen oder anderen Standort schließen müssen.

Die Filmtheater bleiben vorerst geschlossen, manche Betreiber erhoffen sich für den Sommer zumindest Genehmigungen für Auto- und Open-Air-Kinos.

Viele verzweifeln und fühlen sich von der Politik “vergessen”, andere können bis 2021 durchhalten.

In Holzkirchen versucht Tom Modlinger, ein solches Drive In kurzfristig zu eröffnen – bisher erfolglos: “Ich bin halt momentan dran, mit einer E-Mail an die Bayerische Staatskanzlei für Gesundheit und Pflege.

Und natürlich auch an Herrn Söder.

Bitte, bitte, bitte gestattet in Holzkirchen bzw.

in ganz Bayern den Betrieb von Autokinos, wie es in anderen Bundesländern auch geht.

Es sollte eigentlich kein Problem sein.

Bayerische Kino-Krise: “Wo ist eigentlich der Kulturstaat?”

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