Berliner Stadtschloss: Darum regt das Kreuz so viele auf – Top News

0

Wohlmeinende wie der Theologe Richard Schröder verteidigten Bibelspruch und Kuppelkreuz schon vor Jahren mit dem Hinweis darauf, dass beide Symbole auf die Grenzen menschlichen Strebens hinwiesen, also auf eine höchste Instanz, die sogar ein König respektieren müsse.

Diese Tradition könnten doch auch Atheisten verstehen.

Nach dieser Lesart ist das Kreuz auf dem Schloss also kein triumphales Signal, sondern im Gegenteil eines der Demut und Bescheidenheit.

Gleichwohl passt die königliche Ansicht, nur Gott und sonst niemandem verantwortlich zu sein, also das mittelalterliche Gottesgnadentum, nicht ins 19.

und schon gar nicht ins 21.

Tun Sie mir einen Gefallen: Bitte TEILEN Sie diesen Beitrag.

Jahrhundert.

Auf dem blitzt demnächst wieder ein goldenes Kreuz und die imposante Kuppel ziert bereits ein Bibelzitat, wonach es kein anderes Heil gibt als Jesus, vor dem alle auf die Knie gehen sollen, im Himmel, auf und unter der Erde.

Hört sich fromm an und war 1848 eine Idee des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV.

, der nicht nur sehr gläubig war, sondern auch sehr romantisch und das Mittelalter mehr schätzte als die Neuzeit.

Er war damit schon zu seinen Lebzeiten gewissermaßen “im falschen Film”, aus der Zeit gefallen, was ihm viele Scherereien und eine Revolution einbrachte.

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen.

Hier geht’s lang!

König Friedrich Wilhelm IV.

leistete sich hoch über seiner Residenz eine Kuppel samt Bibelspruch und Kreuz.

Kritiker finden die Rekonstruktion skandalös, zumal in dem Gebäude Weltkunst zu sehen sein wird, die vom Kolonialismus geprägt ist.

Die Käufer von Tütensuppen wissen es natürlich: Der Inhalt hat oft wenig mit der Verpackung zu tun.

Außen farbenfrohe Bilder wie aus Omas Kochtopf, innen graues Pulver aus der Lebensmittelindustrie.

Da passt was nicht zusammen, und das gilt nach Meinung von vielen Kritikern auch für das wiederaufgebaute Berliner Stadtschloss.

Eine riesige Bronze-Skulptur im zentralen Treppenhaus wird daran auch schmerzlich erinnern, eine Doppelflagge auf halbmast mit dem englischen Titel “Statute of Limitations”, auf Deutsch “Verjährungsfrist”.

Eine bittere Anspielung auf die Neigung der Ersten Welt, ihre kolonialen Verbrechen je schneller je lieber zu vergessen.

Drinnen mahnt also diese Arbeit des Künstlers Sunkoo Kang, und draußen sorgt die Zeichensprache des 19.

Jahrhunderts für Aufregung.

Wenn die Windverhältnisse stimmen, soll das Kreuz in den nächsten Tagen montiert werden, immerhin müssen die Arbeiter in sechzig Metern Höhe ans Werk.

Zeitdruck besteht nicht mehr, seit die Eröffnung des Humboldtforums vom September auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde.

Doch haben zum Beispiel die Amerikaner keine kolonialistische und rassistische Vergangenheit, obwohl auf der Spitze des Kapitols in Washington seit 1863 eine Freiheitsstatue steht? Das Kreuz allein macht also offenbar nicht den Unterschied.

Letztlich wird der Konflikt zwischen Verpackung und Inhalt beim Berliner Schloss nicht lösbar sein.

Die Teil-Rekonstruktion samt Bibelzitat und Kreuz macht vielmehr die Haarrisse der deutschen Geschichte deutlich, all die verborgenen Bruchstellen, die dann oft Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später für Verwüstungen sorgten.

Insofern kann der äußerlich so altmodische Bau mit all seinem Zierrat auch als Mahnung verstanden werden, künftig genauer hinzusehen – so genau, dass es schmerzt.

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen.

.

.

In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt.

Hier abonnieren!

Die Edelsteine und Propheten fehlen

Zeichen der Demut?

Eine pompöse Schlosskapelle mit Marmor-Standbildern der Propheten und ein monumentales, mit Edelsteinen besetztes Kreuz an der Spitze fanden nicht alle Berliner zeitgemäß, eine monumentale Verfassung wäre ihnen wohl lieber gewesen.

Den König, die Edelsteine und die Propheten muss man sich inzwischen zwar wegdenken, aber trotzdem gibt´s seit ein paar Wochen wieder eine rege Debatte um das Schloss, seine Symbole und seinen Inhalt.

Immerhin sollen 40 000 Quadratmeter vom Humboldtforum genutzt werden, das vor allem Kunst aus Asien, Afrika, Südamerika und Ozeanien zeigen will, also Objekte, die wenig mit deutscher Romantik, dafür aber viel mit Kolonialismus zu tun haben.

König Friedrich Wilhelm IV.

leistete sich hoch über seiner Residenz eine Kuppel samt Bibelspruch und Kreuz.

Kritiker finden die Rekonstruktion skandalös, zumal in dem Gebäude Weltkunst zu sehen sein wird, die vom Kolonialismus geprägt ist.

Berliner Stadtschloss: Darum regt das Kreuz so viele auf

Share.

Leave A Reply