Mit dem Tod von Catherine O’Hara verliert die internationale Film- und Fernsehlandschaft eine Schauspielerin, die über Jahrzehnte hinweg ganze Generationen geprägt hat – oft leise, präzise und mit einem Humor, der nie aufdringlich war. Die kanadische Schauspielerin starb am Freitag im Alter von 71 Jahren in Los Angeles, wie ihr Management bestätigte. Zur Todesursache machte das Büro ihres Managers Marc Gurvitz zunächst keine Angaben; nach Angaben ihrer Agentur CAA war O’Hara nach kurzer Krankheit in ihrem Haus gestorben.
Bekannt wurde O’Hara weltweit vor allem durch Rollen, die sich tief ins kollektive Popgedächtnis eingebrannt haben. Für viele Zuschauer war sie über Jahrzehnte hinweg die Mutterfigur aus den Weihnachtsklassikern – für andere eine der schärfsten Charakterdarstellerinnen des modernen Comedy-Fernsehens. Ihr Tod markiert das Ende einer Karriere, die sich stets zwischen Mainstream-Erfolg und feiner Figurenarbeit bewegte.
Von der Sketch-Comedy zur internationalen Ikone
Geboren 1954 in Toronto, begann O’Hara ihre Laufbahn im kanadischen Comedy-Theater Second City, wo sie früh mit Eugene Levy zusammenarbeitete – eine künstlerische Partnerschaft, die sie durch große Teile ihrer Karriere begleiten sollte. Nationale Bekanntheit erlangte sie zunächst durch die Sketch-Show „SCTV“, in der sie über Jahre hinweg an der Seite von Levy, John Candy, Rick Moranis und Andrea Martin auftrat. 1982 erhielt sie für ihre Arbeit als Autorin des Formats ihren ersten Emmy.
Ihr filmischer Durchbruch folgte 1980 mit „Double Negative“, in dem ebenfalls Levy und Candy mitspielten. In den späten 1980er-Jahren etablierte sie sich auch im Kino: 1988 verkörperte sie Winona Ryders Stiefmutter in „Beetlejuice“ von Regisseur Tim Burton. Weltweite Popularität erlangte sie schließlich 1990 als Kate McCallister, die Mutter von Macaulay Culkin, im Kinohit „Kevin – Allein zu Haus“, später auch in „Kevin – Allein in New York“. Die Rolle wurde Teil fester Weihnachtsrituale in vielen Ländern.
Culkin reagierte auf O’Haras Tod mit einem emotionalen Beitrag auf Instagram. Zu einem gemeinsamen Bild aus dem Film schrieb er sinngemäß: „Mama, ich dachte, wir haben Zeit.“
Spätes Karrierehoch und bleibender Einfluss
Ein zweites, außergewöhnlich starkes Karrierehoch erlebte O’Hara mit der kanadischen Serie „Schitt’s Creek“, in der sie erneut mit Eugene Levy arbeitete. Als exzentrische Ex-Soap-Darstellerin Moira Rose gewann sie 2020 ihren zweiten Emmy. Die Serie wurde erst in späteren Staffeln – vor allem durch Streaming-Verwertung – zu einem internationalen Erfolg und gilt heute als Beispiel für den langfristigen Durchbruch eines Formats.
Zu ihren weiteren markanten Filmrollen zählen „Wenn Guffman kommt“, „Dick Tracy“ sowie erneut „Beetlejuice Beetlejuice“, in dem sie zuletzt wieder als Delia Deetz zu sehen war. In jüngerer Zeit trat sie zudem in der zweiten Staffel der HBO-Max-Serie „The Last of Us“ sowie in der Apple-TV+-Comedy „The Studio“ auf. Für diese Auftritte wurde sie jeweils für einen Emmy nominiert – als beste Gastdarstellerin in einer Dramaserie und als beste Nebendarstellerin in einer Comedyserie.
Catherine O’Hara verband über mehr als vier Jahrzehnte hinweg Popularität mit handwerklicher Präzision. Sie spielte Mütter, Exzentrikerinnen und Nebenfiguren mit einer Tiefe, die oft erst auf den zweiten Blick sichtbar wurde. Ihr Tod hinterlässt eine Lücke – nicht nur in der Comedy, sondern in einer gesamten Ära des Film- und Fernsehens.
