Darum überzeugt die Film-Ästhetik von “A Russian Youth” – Top News

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Zwischen die Aufnahmen des ziemlich armselig wirkenden Zuges der Soldaten schneidet Alexander Zolotukhin zum Rhythmus des treibenden Soundtracks dokumentarische Bilder von den Proben des internationalen Sinfonie-Nachwuchsorchesters Tavrichesky aus St.

Petersburg.

Der Regisseur spannt Jugend 1915 in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs und Jugend rund 100 Jahre später im Orchestergraben zusammen.

Jeweils junge Leute, die auf ihren Einsatz warten, einmal musikalisch, einmal militärisch.

Ein gewagtes Unterfangen, aber es öffnet einen überraschenden Resonanzraum im Kopf des Zuschauers.

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“A Russian Youth” ist über den Arthaus-Streamingdienst MUBI verfügbar.

Zolutukhin ist Student des russischen Regieexzentrikers Alexander Sokurow.

Wie sein Lehrmeister entwickelt auch er extreme Filmästhetiken, die sich banaler Eindeutigkeit oder einer mainstreamartigen Spannungsdramaturgie entziehen.

Durch die Parallelmontage mit den Orchesterszenen entwickelt “A Russian Youth” eine überraschende Gegenwärtigkeit, die zum Denken anregt, und die durch das Taumeln und Tasten des blinden Jungen auch eine berührende Körperlichkeit besitzt.

Am Ende dieses faszinierenden Films, den man gut sehen kann, ohne die Dialoge zu verstehen oder Untertitel zu lesen, hört man deutsche Stimmen – die russischen Soldaten geraten in Kriegsgefangenschaft.

Der Dirigent gibt aus dem Off den Rhythmus vor.

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Das Grauen des Ersten Weltkriegs bannte zuletzt Sam Mendes mit “1917” auf die Leinwand.

Mit großem Wagnis gelingt das jetzt noch beeindruckender Alexander Zolotukhin: Der russische Regisseur montiert komplex Schützen- und Orchestergraben.

Alexander Zolotukhins Kriegsdrama “A Russian Youth” beginnt furios: Mit Sergei Rachmaninow und zwei Soldaten, die einen sandigen Abhang hinunterrutschen.

Ein sommersprossiger Junge, so um die 15, in einer viel zu großen Uniform, schaut ihnen dabei staunend zu.

Dann der Einsatz der Trompeten.

Der Film startet mit einer irritierenden Parallelmontage von Rachmaninows Klavierkonzert Nr.

3 und seinen Sinfonischen Tänzen Op.

45 und Aufnahmen von russischen Soldaten, die in den Ersten Weltkrieg ziehen.

Die ästhetisierten Bilder wirken, als würden sie aus einer anderen Zeit stammen: etwas ruckelig, die Farben ausgeblichen und mit deutlich sichtbarem Korn.

Man könnte auch sagen: eine Wiederbelebung der sowjetischen Stummfilmästhetik.

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Dann rücken Details in den Vordergrund.

Das Umwenden von Notenblättern.

Ein Soldat flickt die Hose.

Ein anderer betrachtet das Foto seiner Liebsten.

Ein Blick in den Himmel – Gewitter zieht auf.

Das Warten.

Die Langeweile.

Die Unsicherheit.

Die Hilflosigkeit.

Immer mal wieder ist das Stimmen der Instrumente im Orchester zu hören, aber die Kamera bleibt jetzt im Schützengraben.

Dann der Angriff der Deutschen auf die russische Stellung.

Zuerst Granaten.

Danach Giftgas.

Die Soldaten ziehen sich Schutzmasken über.

Manche behelfen sich mit Tüchern, die sie mit Alkohol tränken und sich vor Mund und Nase binden.

So auch der sommersprossige Junge.

Orchestergraben und Schützengraben

Ein Kriegsfilm jenseits banaler Eindeutigkeit

Überraschende Gegenwärtigkeit

Der Rhythmus wird langsamer.

Der sinfonische Tanz holt gewissermaßen kurz Luft – und auch die Soldaten, die anfangs kräftig marschierten, bewegen sich nun etwas gemächlicher.

Die Bilder zwischen Schützen- und Orchestergraben wechseln nach wie vor, nur die beiden Tonspuren liegen immer übereinander.

Man hört sowohl dem Plausch der Soldaten zu als auch den manchmal fast schon feldwebelhaften Weisungen des Dirigenten.

Das Grauen des Ersten Weltkriegs bannte zuletzt Sam Mendes mit “1917” auf die Leinwand.

Mit großem Wagnis gelingt das jetzt noch beeindruckender Alexander Zolotukhin: Der russische Regisseur montiert komplex Schützen- und Orchestergraben.

Bei dem Angriff verliert der Junge sein Augenlicht.

Man behält ihn trotzdem an der Front und setzt ihn mit seinem guten Gehör zur Bedienung riesiger surrealer Metalltrichter ein, als Hörrohr-Kundschafter für feindliche Flugzeuge.

“A Russian Youth” ist das Debüt von Alexander Zolotukhin, ein Film, der die zermürbende Schützengraben-Atmosphäre des Ersten Weltkrieges in vielen Details sehr viel beeindruckender und dabei alltäglicher erlebbar macht als etwa Sam Mendes mit seinem Oscar-dekorierten Drama “1917”.

Darum überzeugt die Film-Ästhetik von “A Russian Youth”

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