Das Foto als Waffe: John Heartfields Bilder gegen den Faschismus – Top News

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Danach veröffentlichte er zunächst seine politischen Fotomontagen aus Prag.

Die aufregende Ausstellung “Fotografie plus Dynamit” in der Akademie der Künste zeigt den frechen Heartfield, den gewitzten Überlebenskünstler.

“Er wurde ‘Fix Niedlich’ genannt und war, glaube ich, ein sehr temperamentvoller, kleiner Mann”, sagt Angela Lammert, eine der drei Kuratorinnen der Ausstellung: “Die Dokumente aus dem Nachlass zeigen diese wirklich emotionale Energie, seine Haltung, die er sich einmal erarbeitet hat, schwer erarbeitet hat, wirklich sein Leben lang durchzuziehen.

Unter den schwierigsten Bedingungen, mit einer so vom Exil zerrissenen Biografie und nicht vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten.

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Am Eingang der Ausstellung ist ein Porträt von John Heartfield zu sehen, wie er ein weißes Kaninchen aus dem Hut zaubert.

Sein weißes Kaninchen war die Fotomontage, denn – auch das ist an wenigen noch erhaltenen Landschaftsbildern zu erkennen: Ein guter Maler war Heartfield nie.

Stattdessen bot ihm Dada, die Kunst, die aus dem Chaos des Ersten Weltkriegs entstand, die Möglichkeit, vorhandene Bilder neu zu mischen.

Böff, Mötti und Wiel nannten sich die drei Dada-Freunde George Grosz, John Heartfield und Wieland Herzfelde.

Und obwohl Grosz und Heartfield sich aus Protest gegen die anti-britische Hetze englische Namen gegeben hatten, tüftelten sie – das ist eine Neuentdeckung – 1918 Konzepte für deutsche Propagandafilme aus.

Offenbar aus Lust am Experiment, sagt Angela Lammert: “Diese Sachen sind verschollen.

Man muss sich das vorstellen wie Marionettenfilme, wie die Dada-Puppen, die wir auch sehen, es sind Fotografien da.

Wir haben sogar die Akten aus dem Filmmuseum, wo man sehen kann, wie die damals über diese Dinge diskutiert haben.

Er gilt als Erfinder der politischen Fotomontage: John Heartfield alias Hellmuth Herzfeld.

Mit den Mitteln der Kunst sagte er den Nationalsozialisten den Kampf an, nun sind seine Arbeiten in Berlin zu sehen: “Fotografie plus Dynamit”.

Eine warzige Kröte kriecht breitbeinig aus dem Sumpf, dahinter geht die Sonne auf, mit einem Hakenkreuz im Zentrum.

“Dreitausend Jahre konsequenter Inzucht beweisen die Überlegenheit meiner Rasse” schreibt John Heartfield höhnisch unter seine Fotomontage, die 1936 in der kommunistischen “Arbeiter Illustrierten Zeitung” erschien.

Heartfield, seit dem Gründungstag Mitglied in der KPD, konnte sich 1933 durch einen Sprung aus dem Fenster seiner Berliner Wohnung vor der SA retten.

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Heartfield, der als Kind von seinen Eltern mit seinen drei Geschwistern in einer Waldhütte zurückgelassen wurde, baute sich in der Märkischen Schweiz ein Holzhaus als Refugium.

Die reiche Ausstellung befreit Heartfields Werk nun aus dem politischen Lagerdenken des 20.

Jahrhunderts, sie lenkt den Blick auf den facettenreichen Untergrund der Bilder.

Erst die ästhetische Präzision der Montage macht die Kraft der Fotografie als Waffe aus.

Revolutionäre Schönheit

Kunst aus dem Chaos des Ersten Weltkriegs

Zerrissene Leuchtgestalt

Nach der Erfahrung des Ersten Weltkriegs bildete der Protest gegen eine erneute Aufrüstung den Sprengstoff für die Fotomontagen von John Heartfield.

1924 zeigte der Künstler im Schaufenster des Malik-Verlages, den sein Bruder Wieland Herzfelde leitete, das Bild: “Nach zehn Jahren – Väter und Söhne”.

Da marschieren groß die Skelette der Väter hinter Paul von Hindenburg her, darunter klein die Söhne, Kinder in Uniform, die Kuratorin Lammert so kommentiert: “Louis Aragon hat Anfang der 30er-Jahre diese wunderschöne Formulierung gefunden und hat von ‘revolutionärer Schönheit’ bei Heartfield gesprochen.

Erhalten ist das Archiv mit Gräuelbildern aus den beiden Weltkriegen.

Das Foto der Partisanin Tanja etwa, die 1941 von Wehrmachtssoldaten gefoltert und erhängt wurde – eine Madonna mit Strick um den Hals.

Aber John Heartfield hat das Bild nie verwendet.

Er muss es im englischen Exil entdeckt haben, wohin er 1938 aus Prag geflohen war.

Als er dann 1950 aus England in die DDR umzog, wurde er als West-Emigrant verdächtigt, Kontakt zu westlichen Geheimdiensten zu unterhalten.

Dass er als einer der Erstunterzeichner der KPD nun nicht in die nicht in die Partei aufgenommen wurde, das habe ihn zutiefst getroffen, so Angela Lammert.

Und genau in dieser Zerrissenheit sei Heartfield für sie eine Leuchtgestalt.

Er gilt als Erfinder der politischen Fotomontage: John Heartfield alias Hellmuth Herzfeld.

Mit den Mitteln der Kunst sagte er den Nationalsozialisten den Kampf an, nun sind seine Arbeiten in Berlin zu sehen: “Fotografie plus Dynamit”.

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